05 Juli 2012




Ein kleiner Überblick über den Free Agency Wahnsinn der letzten Tage, heute mit der Western Conference im Binokular. Diese Auflistung ist unter keinerlei Umständen als allumfassend oder besonders repräsentativ zu bewerten. Die Hälfte der Infos hier ist nach dem Durchlesen schon nicht mehr aktuell. Die andere Hälfte war es nie. Wie immer gilt: Konsum auf eigene Gefahr!
(Den Osten gab's vor drei Tagen übrigens hier).



Dallas Mavericks

Deron Williams kommt also nicht nach Dallas. Halb so schlimm. Dann kommt eben Steve Na....oh. Zu spät. Okay. Goran Dragic! Nein, der hat ja in Phoenix unterschrieben. Gute News für Mavericks-Fans? Nicht in diesem Sommer. Nur knapp ein Jahr nach dem sensationellen Titelgewinn ist Dallas auf einer Stufe mit den Sacramentos, Golden States und Clevelands dieser Liga angekommen. Leistungsmässig zumindest. Ich bin ungern derjenige, der den Hoffnungs-Luftballon zerplatzen lässt, aber: einen hochkarätigen Free Agent wie Eric Gordon oder Roy Hibbert wird man nicht mehr an Land ziehen, weil Dallas entweder zu langsam oder zu uninteressiert - oder beides - war. Die offer sheets aus Phoenix respektive Portland garantieren, dass die beiden Youngster entweder dort landen, oder wieder bei ihren alten Teams. Die besten Free Agents sind jetzt schon vom Tisch. Jason Terry bekam von den Mavs nicht einmal ein Vertragsangebot und zieht nach Boston ab. Wenn sogar Jason Kidd Dallas den Rücken kehrt und lieber in New York anheuert (vor wenigen Stunden passiert für 3 Jahre/9 Mio. $), spätestens dann müsste klar sein, dass bei den Mavs hinter den Kulissen die Kacke mächtig am Dampfen ist. So springt man nicht mit einer Meistermannschaft um. Chris Paul wird nie kommen. Dwight Howard auch nicht. Alle verlassen das sinkende Schiff, während Kapitän Mark Cuban lieber seine Reality-Show: "Top to Bottom - a visionary dismantling of an NBA champion" dreht. Die Dallas Mavericks: Meisterteam 2011, Lotterieteam 2013. Der Kurs der Titanic war ein Witz dagegen.

Denver Nuggets

Kleine Agenda in diesem Sommer bei den Denver Nuggets, die bereits Andre Miller für 3 Jahre/knapp 9 Mio. $ verlängerten und Rudy Fernandez nach Spanien abziehen liessen. Endlich hat die unrühmliche "NBA-Rudy Episode" ein Ende. Drei Jahre zu spät zwar, aber lieber spät als nie. Vermissen wird den arroganten Fatzke in den USA kein Mensch. Letzte Priorität ist das Resigning von RFA Javale McGee. Gerüchte: Fehlanzeige.

Golden State Warriors

Die Warriors suchen Verstärkung unter den Körben und Backups für die Guard Position. Das leidige Dwight Howard Thema haben die Dubs schon früh ad acta gelegt als klar wurde, dass Howard niemals in Oakland verlängern würde. DeJuan Blair von den Spurs war eine Weile im Gespräch. Scheint aber ganz so, als sei der keine Priorität mehr. Jordan Hill von den LA Lakers hat sich nach guten Leistungen in der letzten Saison zu einer interessanten Option entwickelt. Ein Wunschspieler in der Bay wäre sicherlich Brandon Roy, der mit mehr als zehn Mannschaften in Verbindung gebracht wird.

Houston Rockets

Houston, wir haben ein Problem! Die Rockets sind neben den Dallas Mavericks bisher der grosse Verlierer dieser Offseason. GM Daryl Morey versucht seit Jahren sein Menschenmöglichstes, um endlich wieder einen Contender auf die Beine zu stellen, aber der eine, grosse Coup will ihm einfach nicht gelingen. Das monumentale offer sheet an Omer Asik (3 Jahre/25 Mio. $) war bis jetzt das Dreisteste, was Morey hinbekommen hat. Ein weiteres offer sheet an RFA Jeremy Lin - die berichteten Zahlen und Modalitäten des Vertrages gehen so weit auseinander, dass es keinen Sinn machen würde, sie hier aufzuführen - wird von den Knickerbockers "mit an 1000% grenzender Wahrscheinlichkeit gematcht werden". Goran Dragic hat man bereits an die Phoenix Suns verloren, völlig ohne Gegenwert. Der zweite Starter auf der Eins, Kyle Lowry, wurde heute in einem recht einseitigen Deal nach Toronto verschickt - im Tausch für Gary Forbes und einen garantierten Lotterie-Pick. Die Chance, Luis Scola oder Kevin Martin in einem Trade zu den Lakers respektive Orlando abzuladen scheint vergangen, obwohl beide angesichts des neuen Rockets-Kurses früher oder später gedealt werden müssen. Houston schenkt die kommende Saison im Prinzip her und liebäugelt mit dem organischen Wiederaufbau. Dazu passt auch die Verpflichtung von Donatas Motiejunas, der 2011 von Minnesota gedraftet wurde und in den nächsten Tagen direkt aus Europa unter Vertrag genommen wird. Daryl "offer sheet" Morey will ausserdem noch seinen alten Point Guard Aaron Brooks (spielte letztes Jahr in China) aus Phoenix weglotsen. Die haben nach der Verpflichtung von Dragic an Brooks' Rechten keinen Bedarf mehr und werden nicht gleichziehen.

Los Angeles Clippers

Die Clippers haben nachgeladen in dieser Offseason und ihren Conference Halbfinal-Kader qualitativ noch einmal verstärkt. Nach dem Lamar Odom Trade, der Mo Williams nach Utah schickte, konzentrierte man sich auf die Suche nach einem neuen Off-Guard. Nick Young und Randy Foye sind unrestricted Free Agents, aber mindestens einer von beiden wird abwandern. Erst recht nach der Nachricht, dass die Clippers sich gerade eben mit Jamal Crawford einig wurden. Der war vorher in Portland und kommt für 4 Jahre/25 Mio. $, wobei die letzten beiden nur teilweise garantiert sind. Und noch eine gute Nachricht für Lob City Fans: Chauncey Billups wurde für ein weiteres Jahr verlängert und bleibt bis mindestens 2013 in Rot-Weiss. Angesichts der Backup-Schwäche auf Gross (Reggie Evans wurde für einen Draft-Pick nach Brooklyn getradet) darf davon ausgegangen werden, dass UFA Kenyon Martin ebenfalls gehalten wird. Ryan Hollins, letztes Jahr noch in Boston, kommt wohl ebenfalls.

Los Angeles Lakers

What a difference a Nash makes! Direkt nach der Akquisition des All-Star Point Guards scheint auch Dwight Howard einem Wechsel nach LA nicht mehr ganz abgeneigt zu sein. Die Lakers haben den Telefonhörer aufgegriffen und verhandeln zur Stunde mit den Orlando Magic über einen potentiellen D12-Andrew Bynum Trade. Adrian Wojnarowski berichtet, dass die Lakers keine Garantie für eine Vertragsverlängerung mehr brauchen und sich sicher sind, mit Nash an Bord Howard beeindrucken und langfristig binden zu können. Dass Howard in der neuen Saison kein Magic-Trikot mehr tragen wird, gilt als gesichert. Ob Los Angeles oder Brooklyn, dass muss Orlando's Führungsetage in den nächsten Tagen entscheiden. Ramon Sessions, der seine Spieleroption ablehnte, ist durch das Nash-Signing obsolet geworden und wird u.a. mit den Mavs in Verbindung gebracht. Mitch Kupchak würde liebend gerne Devin Ebanks verlängern. Pau Gasol sitzt nach monatelangen Trade-Gerüchten wieder sicher im Power Forward Sattel und kann sich schon mal auf das Zusammenspiel mit einem der besten Einser aller Zeiten freuen. Der will seinen alten Teamkollegen von den Suns, Grant Hill, ebenfalls zu einem Wechsel nach LA überreden. Ausserdem noch auf dem Lakers-Radar: Shooter Rashard Lewis und weitere Veteranen für's Minimum, die angesichts der neuen Kräfteverhältnisse im Westen wieder liebend gerne ein gelbes Lakers-Trikot tragen würden.

Memphis Grizzlies

Die Grizzlies hatten Ray Allen ganz oben auf ihrer Wunschliste stehen und unterbreiteten dem 10-fachen All-Star ein Angebot über die volle Midlevel (2 Jahre/10 Mio. $), ohne je ernsthaft mit Boston oder Miami konkurrieren zu können. Dafür sind die Bären zu weit von der Championship entfernt. Allen wird also zwischen den Celtics und Heat entscheiden. Die anderen Kandidaten, Jamal Crawford (Clippers) und Brandon Bass (Celtics), haben neue Deals unterzeichnet und sind nicht mehr verfügbar. OJ Mayo wird nach wie vor mit mindestens sieben Teams in Verbindung gebracht (Pacers, Bulls, Celtics, Knicks, Rockets, Suns, Mavericks) und wird angesichts seiner Gehaltsvorstellungen - er lehnte ein volles MLE-Angebot aus Boston ab - wohl nicht gehalten werden können. Statt dessen auf dem Grizzlies-Radar aufgetaucht: der 1,98m Guard Alexey Shved aus Russland, den auch die Timberwolves und Cavaliers gerne verpflichten würden.

Minnesota Timberwolves

Die Wolves nehmen Kurs auf die Playoffs und verstärken ihre Bank mit Brandon Roy. Der Sportinvalide entscheidet sich in einer überraschenden Wendung und trotz lukrativerer Angebote aus mindestens fünf Städten für Minnesota und erhält von Kaaaaaaaaaaaahn einen 2-Jahresvertrag für die volle Midlevel Exception. Selbst wenn Roy nicht alle 82 Partien und kaum mehr als 20 MPG absolvieren wird, ist sein Comeback eine exzellente Sache, ob in Minnesota oder anderswo. Sollten die Wolves jetzt auch noch ihren Hauptpreis Nicolas Batum aus Portland weg lotsen können (siehe unten), dann hätten sie sich endgültig unter die besten Acht im Westen katapultiert. Die letzten Items auf der to-do Liste: Anthony Tolliver verlängern und versuchen, sich mit Celtics RFA Greg Stiemsma einig zu werden. Rick Adelman baut sich im hohen Norden weiter seine Sacramento Kings 2.0 Version zusammen. Faszinierend.

New Orleans Hornets

Schweissausbrüche in New Orleans, wo RFA Eric Gordon für schlaflose Nächte sorgt. Der 23-Jährige erhielt vor zwei Tagen ein massives Max offer sheet von den Suns, die für seine Dienste 4 Jahre/58 Mio. $ bieten. Obwohl die Hornets seit dem Trade mit den LA Clippers im letzten Dezember immer wieder betont haben, dass sie jedes Angebot an EJ abgleichen werden, würde der wohl lieber in Phoenix spielen und hat um seine Freigabe gebeten: "Phoenix hat einfach viel mehr Interesse gezeigt, allgemein gesehen und in der Art, wie sie verhandelt haben. Ich weiss nicht, was die Pläne der Hornets für mich sind. Sie haben gerade einen zweiten Shooting Guard, einen Combo-Guard wie mich gedraftet, und das sagt mir, dass sie andere Pläne haben." Oh-oh!

Oklahoma City Thunder

Nachdem Thunder-GM Sam Presti seine dringendste Personalie in Head Coach Scott Brooks unter Dach und Fach brachte, kann er sich nun der Verstärkung seines exzellenten Kaders widmen. Die Verpflichtung von Hasheem Thabeet (2 Jahre zum Minimum-Preis), garantiert im Prinzip, dass Nazr Mohammed nicht gehalten wird. Dafür rutscht Cole Aldrich in die Big Man Rotation hinter Ibaka, Perkins und Collison.

Phoenix Suns

Was für ein ereignisreicher Tag für die Phoenix Suns. Kurz nachdem sie den besten Spieler der Franchise-Geschichte, Steve Nash, im Tausch für drei Eimer Sand vier Draft-Picks nach Los Angeles zu den Lakers schickten, einigten sie sich mit ihrem ehemaligen Backup Point Guard Goran Dragic auf einen neuen Deal. 4 Jahre/30 Millionen, mit Spieleroption im vierten Vertragsjahr. Zweiter Neuzugang des Tages war kurz zuvor Michael Beasley, der für drei Jahre und 18 Mio. $ gesignt wurde. Beasley hatte sich in Minnesota überworfen und soll dringend benötigtes Scoring zur Verfügung stellen. Und dann ist da ja noch die ungeklärte Personalie Eric Gordon, der gerne zu den Suns wechseln würde, das aber wohl nicht darf.

Portland Trail Blazers

Der Flirt zwischen Nicolas Batum und den Minnesota Timberwolves hat sich zu einer ernsten Liebesbeziehung ausgeweitet. So ernst, dass die Wolves dem RFA einen mächtigen 45-50 Millionen Dollar Verlobungsring an den Finger stecken wollen. Batum würde gerne "Ja" sagen, so der überwiegende Tenor in der Presse. Es heisst, dass Batum aus "offensichtlichen Gründen" nicht nach Portland zurück kehren kann und "sein Herz jetzt in Minnesota" sei. Wie romantisch. Die Trail Blazers werden wohl dennoch jedes Angebot matchen. Der ehemalige Starter auf der Zwei, Brandon Roy, wurde ebenfalls von den T'wolves verpflichtet, was die finanziellen Obligationen der Blazers an ihren alten Spieler reduziert. Jamal Crawford zieht nach Los Angeles um, hegt aber keinerlei Groll gegen seinen alten Club. Ob man das auch von Raymond Felton behaupten kann, der im hohen Norden seine mieseste Profisaison spielte, ist noch nicht abschliessend geklärt. Felton wird mit den New York Knicks in Verbindung gebracht und würde liebend gerne zu seinem alten Team wechseln. Priorität Nummer eins in Portland ist nach wie vor Roy Hibbert, der bereits am Sonntag ein massives offer sheet (4 Jahre/58 Mio. $) erhalten hatte. Noch ist unklar, ob die Indiana Pacers gleichziehen werden.

Sacramento Kings

Wenig Bewegung bei den Sacramento Kings. Big Man Jason Thompson ist Priorität Nummer eins und soll eine langjährige Vertragsverlängerung erhalten. Wie Thompson ist auch Flügel Terrence Williams restricted und soll für den kleinen Geldbeutel da bleiben. Ein kleines Detail am Rande: wie schon letztes Jahr, als man sich mit Andrei Kirilenko fast schon einig war, steht der russische Allrounder auch heuer ganz oben auf der Wunschliste. Kirilenko hat bekannt gegeben, dass er in die NBA zurück kehren will.

San Antonio Spurs

Der divaeske Tim Duncan hat einen Trade verlangt und bekannt gegeben, dass er in Zukunft nur in Brooklyn spielen möchte. Halt, was? Mein Fehler, mein Fehler, da sind wohl die Notizen etwas durcheinander geraten. Duncan und die Spurs sind natürlich unzertrennlich und arbeiten zur Stunde an letzten Vertragsdetails. Danny Green ist Unrestricted Free Agent und testet den Markt. Boris Diaw ist wie Duncan ebenfalls restricted und soll verlängert werden. Nando de Colo, der eigene Zweitrundenpick 2009, ist zu medizinischen Checks und Vertragsgesprächen in Texas und könnte schon diesen Sommer über den Teich kommen. Darüber hinaus haben die Spurs an Marcus Camby und Rashard Lewis Interesse signalisiert.Das übliche Contender-Bargaining ohne grosse Welle.

Utah Jazz

Utah hat seine zwei massivsten Moves des Sommers bereits hinter sich. In zwei separaten Transaktionen wurden Mo Williams von den Los Angeles Clippers und Marvin Williams aus Atlanta verpflichtet. Mo wird der neue Starter auf der Eins, nachdem der bisherige Point Guard Devin Harris zu den Hawks geschickt wurde. Marvin wird auf der Drei starten und zusammen mit Gordon Hayward eine der grössten Flügelzangen der NBA bilden, die perfekt ins 'Bigger is Better' Prinzip der Jazzer passt. Utah hat die volle Midlevel zur Verfügung und wird die traditionell unter mehreren Spielern aufteilen. Ob Josh Howard einen Teil davon erhält und weiter im Team bleibt, ist noch unklar.