30 Juli 2012



Das olympische Turnier versprach schon im Vorfeld ein hochklassiges zu werden, nicht nur wegen der überragenden Talentagglomeration beim Team USA. Elf der zwölf teilnehmenden Mannschaften haben mindestens zwei aktive oder ehemalige NBA-Cracks in ihren Reihen. Sieben Mannschaften können sich berechtigte Hoffnungen auf ein Treppchenplatz machen. Das verspricht spannende Duelle in den nächsten zwei Wochen.

Der Auftakt gestern war dann genauso, wie die nächsten 14 Tage bleiben dürften: vollgepackt mit gutem Ball, bekannten Gesichtern auf dem Parkett der nagelneuen Basketball-Arena, einigen Zitterpartien und dominanten Vorstellungen der Favoriten USA und Spanien. Ein kurze Synopse zur Sonntags-Action...


Nigeria 60, Tunesien 56

Das ging sie hin, Tunesien's grösste Chance auf einen Sieg bei diesem Turnier. Im allerersten Spiel für beide Clubs überhaupt bei Olympia liess sich der amtierende Afrika-Meister von den Nigerianern den Schneid abkaufen und verlor am Ende zwar knapp, aber verdient, 60-56. Wer 15 Punkte in einer Halbzeit erzielt, der wird es immer schwer haben, Spiele auf internationalem Niveau zu gewinnen. Die Aminu-Brüder Al-Farouq und Alade waren mit zusammen 25 Punkten und 18 Rebounds die wichtigsten Akteure bei den Nigerianern. Ex-NBA Lotterie-Pick Ike Diogu beteiligte sich emsig mit einem 13/10 Double Double. Nigeria ist bei Olympia ungeschlagen!

Brasilien 75, Australien 71

Brasilien hielt sich die lästigen Aussies gerade noch so vom Leib und überstand eine Partie, die die Südamerikaner eigentlich dominiert hatten, nur dank zwei Freiwürfen von Marcelinho Huertas fünf Sekunden vor Schluss. Zuvor hatte David Andersen aufgedreht und all seine 14 Zähler nach der Pause erzielt. 16 Punkte von Leandro Barbosa, 12 von Anderson Varejao und 15 von Huertas waren aber insgesamt genug für Brasilien, um den Auftaktschreck zu überwinden - und das, obwohl der Geheimfavorit nur 41% seiner FG-Versuche und 2-15 Dreier traf.

USA 98, Frankreich 71

Zehn Minuten lang sah es so aus, als würden die US-Boys gegen das Team mit dem drittstärksten NBA-Kontingent einen echten Test bestehen müssen. Dann zogen Kevin Durant & co. die Defense und das Spieltempo an, und Frankreich zerbröselte wie ein knuspriges Baguette auf dem Frühstücksteller. KD erzielte 22 Punkte und 9 Rebounds, Kevin Love erzielte 14 in 14 Minuten von der Bank, die USA dominierte die Bretter (49-33) und damit auch das Spiel. Tony Parker, der wegen seiner schweren Augenverletzung im Vorfeld lange hatte pausieren müssen, war "völlig ausser Form", wie er selbst später sagte, und nicht in der Lage, das Spiel zu machen (nur 10 Punkte, 1 Assist). Ausser Ronny Turiaf und Ali Traore blieben alle Franzose blass.

Spanien 97, China 81

Die Chinesen hielten am Anfang noch gut mit, und Yi Jianlian war mit 30 Punkten und 12 Rebounds (13-19 FG) absolut unstoppable. Der grosse Favorit Spanien etablierte aber mit einem 7-0 Run zu Beginn des zweiten Abschnitts die Hackordnung, wie man sie erwartet. China hatte der Rotationstiefe, Backcourt-Stärke (26 Punkte, 5 Dreier, 7-13 FG von Navarro und Calderon) und Beschlagenheit der iberischen NBA-Bigs nichts entgegen zu setzen. Serge Ibaka hatte ein Trainingsspiel mit 17 Punkten (8-11 FG), 5 Rebounds und 3 Blocks in 20 Minuten, während Pau Gasol seine Androhungen im Vorfeld ("Ich bin ein Biest, ich fühle mich ausgezeichnet...") wahr machte und das spanische Spiel mit 21 Punkten, 11 Rebounds und 4 Assists verankerte.

Russland 95, Großbritannien 75

Da werden sich die Minnesota Timberwolves bereits ins Fäustchen lachen nach den Vorstellungen von Andrei Kirilenko und Alexey Shved in Spiel eins gegen den Olympia-Gastgeber. Kirilenko, der vor wenigen Tagen einen neuen 2 Jahres-/20 Millionen Dollar Deal bei den Wolves unterschrieb, verfehlte nur drei seiner 17 Würfe und schrammte mit 35 Punkten nur knapp am russischen Rekord bei einem internationalen Turnier vorbei. Shved führte mit 16 Punkten und 13 Assists glänzend Regie und offenbarte ein sehr gutes Auge, dass ihm auch als NBA-Backup zugute kommen wird. Die Defensive der Russen war, wie erwartet, überragend (11 Steals, 9 Blocks) und mobbte die Briten zu einer unterirdischen 32% Trefferquote aus dem Feld.

Argentinien 102, Litauen 79

Zu alt? Nicht diese Argentinier, die gleich drei Monsterleistungen und insgesamt 92 Punkte ihrer Starter zum überdeutlichen und überzeugenden Auftaktsieg gegen die Litauer nutzten. Manu Ginobili war, einen Tag nach seinem 35. Geburtstag, der Orchestrator der Gaucho-Offensive und mi 21 Punkten, 10 Rebounds, 6 Assists und 4 Steals immer und überall zu finden. Carlos Delfino lief von jenseits der 6,75m Linie heiss, traf sechs Lange und insgesamt 7-13 FG für 20 Punkte. Neu-Sun Luis Scola machte seinem Frust über die Amnestierung durch die Rockets mit 32 Punkten Luft. Und sagte anschliessend: "Ich denke die Message ist, dass wir alt sind, aber noch spielen können. Oder so ähnlich..."


Lineup d. Tages:

G - Alexey Shved (16 Pts, 13 Ast, 3 Stl)
G - Manu Ginobili (21 Pts, 10 Reb, 6 Ast, 4 Stl)
F - Andrei Kirilenko (35 Pts, 14-17 FG, 2 Stl, 3 Blk)
F - Luis Scola (32 Pts, 5 Reb, 4 Ast, 3 Blk)
C - Pau Gasol (21 Pts, 11 Reb, 4 Ast, 9-15 FG)
6. - Serge Ibaka (17 Pts, 5 Reb, 3 Blk, 8-11 FG)

Spielplan Dienstag:

Russland - China
Australien - Spanien
Litauen - Nigeria
Großbritannien - Brasilien
Frankreich - Argentinien
USA - Tunesien