12 Juli 2012




Das bisher armseligste Team des Sommers hat endlich ein paar Punkte auf die Anzeigetafel geklatscht. Mit anderen Worten: die Dallas Mavericks sind im Spiel. Nachdem die Texaner in einem monumentalen Swing & Miss so ziemlich alle hoch gesteckten Ziele für die Free Agency 2012 verfehlten - man konnte weder Deron Williams noch Dwight Howard noch sonst einen hochkarätigen Spieler an Land ziehen und vergraulte zu allem Überfluss auch noch seine altgedienten Champions Jason Terry und Jason Kidd, die anderswo unterschrieben - scheint man im grossen D zum grossen Plan B übergegangen zu sein.

Bevor jetzt alle NBA-Fans in Deutschland vor Begeisterung ein Rückwärtssalto vom Wohnzimmertisch machen: an der Idee von Cuban & co. hat sich gegenüber letztem Jahr absolut nichts geändert. Heisst also im Klartext, dass man auch diesmal wieder gestandene Veteranen für kleines Geld oder risikolose Ein-Jahres-Verträge verpflichtet und dann 2013 den nächsten grossen Köpfer ins Free Agency Becken wagen will. Bleibt nur zu hoffen, dass dann der Wasserstand nicht ähnlich niedrig ist wie in diesem Sommer und die Beule am Kopf weniger schmerzhaft (ich glaube übrigens nicht dran).

Chris Kaman heisst die grosse, die spektakuläre Neuakquisition beim NBA-Champion von 2011. "Natürlich Kaman", ist man fast geneigt zu sagen. Der Unrestricted Free Agent verstärkt den Frontcourt der Deutschen Nationalmannschaft Dallas Mavericks und arbeitet fortan mit seinem guten Kumpel Dirk Nowitzki zusammen. Der 30-Jährige hat seine besten Tage zwar schon hinter sich, avanciert aber auf Anhieb zum wohl potentesten Offensiv-Center, der jemals ein Mavs-Trikot getragen hat. Sein back to the basket Spiel und sein solides Rebounding (Karriere 8.3 RPG) komplettieren Dirk's Faceup- und Perimeter-lastiges Game ausgezeichnet. Obwohl "der andere Deutsche" kaum mehr seine persönliche Bestleistung bei den Punkten (18.5 PPG) duplizieren können wird, war er dennoch der beste verfügbare Center (verfügbar im Sinne von unrestricted) auf dem Markt und ist natürlich eine Verstärkung für Dallas. Kaman handelte einen moderaten Ein-Jahres Vertrag aus, der ihm in der kommenden Saison 8 Mio. $ einbringen wird. Die Frage ist, wie die Mavericks mit Brendan Haywood umgehen werden. Obwohl heute bereits von der 'Amnesty clause' für Haywood die Rede war (der Bankdrücker soll noch horrende 27 Mio. $ in den nächsten drei Jahren verdienen. Das vierte ausstehende Jahr ist nicht garantiert), fehlen den Mavs urplötzlich verlässliche Ersatz-Bigs im Kader. Kaman ist nicht der robusteste (fast ein Viertel der Partien in neun Profijahren durch Verletzungen verpasst), und Ian Mahinmi ist seit gerade eben in Indiana.

Die Pacers verpflichteten den Free Agent via Sign & Trade mit Dallas für vier Jahre und insgesamt 16 Millionen Dollar. Ein heftiger Preisanstieg für den 25-jährigen Franzosen, der letzte Saison noch das Minimum verdiente und in den Langzeit-Planungen der Mavericks ohnehin keine Rolle spielte. Dallas verbuchte seinen zweiten Hit des Tages, als die Pacers im Gegenzug für Mahinmi, der die Backup-Rolle hinter Roy Hibbert einnehmen wird, nicht nur einen, sondern gleich zwei solide Spieler in den Lone Star State schickten: Darren Collison und Dahntay Jones. Jones ist ein guter Verteidiger, der zusammen mit Shawn Marion beide Flügelpositionen neutralisieren kann.

Collison ist einer der schnellsten Point Guards der Liga und war in den abgelaufenen Playoffs einer der effektivsten Pacers-Spieler auf dem Platz. Obwohl er nie den Sprung machte, den man ihm nach seiner fantastischen Rookie-Saison in New Orleans prognostizierte, werden seine Fähigkeiten im Uptempo-Spiel und als Pick & Roll Initiator den Mavericks gut zu Gesicht stehen. Man darf sich bereits jetzt auf Two-Man Basketball mit Nowitzki und viele Drive & Kicks, wie sie Rick Carlisle so gerne sieht, gefasst machen. Vielleicht kann ja Rodrigue Beaubois jetzt auf die Zwei ausweichen und dort etwas effizienter auftreten - als Spielgestalter ist der Franzose nämlich Schrott. Die gute Nachricht für den monetär plötzlich sehr sensiblen Mark Cuban: Collison (2.3 Mio. $) und Jones (2.9 Mio. $) besitzen beide auslaufende Verträge und boykottieren damit nicht die 'Mission Superstar-Sidekick(s) for Dirk Party' im nächsten Jahr. Collison und Kaman also - zwei Starter für den kleinen Geldbeutel, die wohl verhindern können, dass die Mavericks in die Abgründe der Western Conference abstürzen. Immerhin. Dass dieses Team in dieser Konstellation aber realistisch um die Playoffs mitspielen kann, wage ich dennoch zu bezweifeln.

Update: während dieser Artikel sich quasi von selbst schrieb, machten News von der vollzogenen Haywood-Amnestie die Runde, die somit offiziell ist. Mit dem frei geschaufelten Cap Space werden Cuban und die Mavericks aller Wahrscheinlichkeit nach einen weiteren Veteranen aufsammeln: den ehemaligen 76ers-Forward Elton Brand. Der zweifache All-Star kam in der letzten Saison auf 11 Punkte, 7.2 Rebounds und 1.6 Blocks pro Spiel und erhielt von den Sixers heute den Laufpass - ebenfalls via Amnestie-Klausel. Alle Teams, die an seinen Diensten interessiert sind, können jetzt in einem geschlossenen Prozess so viel Jahressalär wie gewünscht bieten. Die Mavericks, denen fast alle anderen Optionen ausgegangen sind, werden besonders aggressiv schachern. Nach dem Sign & Trade mit Indiana können sie noch einen Hauch über 4 Mio. $ auf den Tisch legen. Brand würde dringend benötigte Grösse und etwas Rebounding nach Dallas bringen.