10 Juli 2012




Der Dwight Howard Alptraum könnte schon Ende dieser Woche vorbei sein. Obwohl sich bereits letztes Wochenende ein potentieller Blockbuster-Deal anbahnte, wollte ich mit der Berichterstattung abwarten, bis sich ein konkretes Grundgerüst abzeichnete. Wozu das? Nun, in solch komplizierten Fällen wie diesem hier überschlagen sich die jeweiligen News-Outlets mit Gerüchten und Trade-Szenarien im Minutentakt. Es wird absurd und absurder, alle drehen am Rad, aber meistens sind die jeweiligen Parteien in ihren Vorstellungen von einem guten Tausch meilenweit voneinander entfernt, weshalb in neun von zehn Fällen ein Deal wieder in sich zusammen fällt.

Brooklyn und Orlando scheinen sich aber am späten Sonntag auf die Rahmenbedingungen und den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt zu haben. Die da wären: Dwight zu den Nets, Brook Lopez und Draft-Picks zu den Magic. Moment mal, waren wir letzten März vor der Trade-Deadline nicht schon genauso weit? Ohne dass im Nachhinein ein Deal zustande kam? Stimmt schon. Aber einerseits zog Howard damals verblüffenderweise seine Spieleroption und nahm sich selbst vom Free Agent Bazar 2012 - was die Ausgangslage ein wenig veränderte. Und andererseits verhandelte Nets-GM Billy King damals noch mit Otis Smith, dem seither geschassten Kollegen in der Magic-Chefetage. Der neue Mann Rob Hennigan wollte erst den Markt für seinen sechsfachen All-Star und dreifachen Defensive Player of the Year sondieren. Ein paar Anrufe hier, ein paar Wörtchen mit Magic-Besitzer Rich deVos da, ein paar Diskussionsrunden mit Scouts und Analysten. Stellt sich heraus, dass die Möglichkeiten da draussen weitaus weniger lukrativ sind, als ursprünglich angenommen.

Die meisten Interessenten verfügen entweder nicht über das Spielerpersonal und die finanziellen Reserven, um einen Trade zu vermitteln, oder - weitaus realistischer - Howard hat absolut kein Interesse, dort langfristig zu verweilen. Es ist dieser letzte Umstand, der Mannschaften wie Houston, Dallas, Chicago, New York oder Golden State schon im Vorfeld aus der Gleichung eliminiert. Selbst die Los Angeles Lakers, neben Brooklyn der einzig realistische Bestimmungsort für Dwight, scheinen sich aus dem Vabanque-Spiel ausklinken zu müssen. Nicht weil Andrew Bynum - wie mancherorts behauptet wird - sich weigert, in Orlando eine Vertragsverlängerung zu unterschreiben und die Magic damit vor die gleichen Probleme stellen würde wie Howard jetzt. Sondern weil den Kaliforniern nach dem Trade für Steve Nash die Erstrundenpicks ausgegangen sind. 2013 und 2015 sind nach Phoenix gewandert, und die NBA verbietet es Mannschaften, ihre First Rounder in konsekutiven Jahren zu verscherbeln. 2014 und 2016 sind also tabu. Und mit ihrem Spielermaterial werden die Lakers kaum Deals für Picks einfädeln können.

Die Nets hingegen profitieren in den Verhandlungen bisher von mehreren Faktoren. Erstens: Deron Williams und Howard hatten anscheinend schon 2008 beschlossen, dass sie irgendwann einmal zusammen spielen werden. Für Howard kam und kommt also nur Brooklyn in Frage - das einzige Team, bei dem er freiwillig eine Vertragsverlängerung unterzeichnen wird. Zweitens: Brook Lopez scheint - neben Bynum, der aus oben genannten Gründen nicht kommen wird - der einzige Spieler zu sein, der für Hennigan und die Magic als Tauschobjekt für Howard akzeptabel wäre. Vorausgesetzt, man erhält dazu noch eine Handvoll Erstrundenpicks und finanzielle Entlastung. Da wäre also das angesprochene Grundgerüst eines Deals.

Brooklyn, das mit seinem eigenen Williams-Johnson-Wallace-Howard Superteam liebäugelt, hat nun multiple Optionen zur Verfügung. Man besitzt mit Lopez, Kris Humphries, Gerald Green, Shelden Williams, Sundiata Gaines, Damion James und Armon Johnson die Rechte an gleich sieben Free Agents, die man in Sign & Trade Arrangements für Anlagegüter verscherbeln kann, die von den Magic begehrt werden (entweder günstige Spieler oder Picks). Sophomore MarShon Brooks ist ein vielversprechender junger Shooting Guard und ligaweit ebenfalls gefragt. Unter'm Strich können die Nets dank des geschickt eingefädelten Teletovic-Signings, das nach oben hin alle Cap-Grenzen frei sprengt, und einer noch verfügbaren Trade Exception insgesamt mehr Salary aufnehmen, als sie hinaus schicken. Und Orlando damit entlasten (die Magic wollen neben Howard unbedingt noch Hedo Turkoglu oder Jason Richardson abstossen).

Kein Problem, sagen die Nets. Die arbeiten hinter den Kulissen bereits an den Personalien Humphries und Brooks, während Vertragsgespräche mit Lopez angesichts der unklaren Situation zur Zeit auf Eis liegen (sollte der Howard-Deal in sich zusammen fallen, wird Lopez aber für 5 Jahre/78 Mio. $ verlängert und neuer, alter Starting Center der Nets). Humphries, der vom gleichen Agenten wie Howard repräsentiert wird, soll eventuell in Cleveland landen. Die Cavs, die UFA Humphries auch so signen könnten, wollen dafür natürlich kompensiert werden. Das gelingt meist mit finanzieller Entlastung oder Draft-Picks. Auch diese dritte Base hätten die Nets abgedeckt, selbst, wenn die Cavs Humphries nicht den von ihm gewünschten Mehrjahresdeal anbieten wollten. Brooklyn scheint gleich mehrere Abnehmer für den Reboundspezialisten in der Hinterhand zu haben. Angesichts Hump's 11.9 PPG und 10.7 RPG in den letzten beiden Jahren durchaus vorstellbar. Brooks wird derweil mit den Los Angeles Clippers und mindestens drei weiteren Teams in Verbindung gebracht, die bereit wären, einen zusätzlichen Erstrundenpick mit in den Topf zu schmeissen, der dann zwischen Orlando und dem Helfer-Team aufgeteilt wird.

Obwohl viele Manager verständlicherweise kein Interesse daran zu haben scheinen, in Brooklyn ein weiteres Superteam zu kreieren und so die Eastern Conference Finals in den nächsten 6-7 Jahren kaum noch erschnuppern zu können, wird der ein oder andere das opportunistische Verstärken des eigenen Kaders über das kollektive Prinzip der Chancengleichheit stellen. Ob das letztendlich die Verantwortlichen in Cleveland und Los Angeles sein werden, wie im neuesten Geschnatter spekuliert wird, oder letzten Endes zwei (oder mehr) völlig andere Teams, spielt für die Nets keine Rolle. Billy King hat den Tunnelblick und will die Sache noch in dieser Woche zu Ende bringen. Er rekrutiert links und rechts potentielle Tradepartner für einen Mega-Blockbuster und wird - wir hatten mehrmals darauf hingedeutet - seinen Wunschspieler letztendlich auch bekommen. Egal, wie. Hennigan und die Magic haben es zwar nicht sonderlich eilig und suchen in aller Ruhe nach dem bestmöglichen Deal für ihre Franchise. Aber sie haben sich in Florida mit der Realität längst abgefunden: der komplette Rebuild ist unausweichlich. Ist dieser Dwight-Deal ideal? Mitnichten. Aber lieber in den nächsten Tagen ein adäquates Entwicklungshilfe-Paket zurück erhalten, als Howard 2013 ohne Gegenwert ziehen lassen und/oder diesen Alpraum noch einmal durchleben zu müssen. Das würde kein Mensch überleben...