19 Juli 2012



Was in Vegas passiert, bleibt nicht zwangsweise in Vegas: NBCHF bringt euch bis Sonntag die täglichen Top-Performer und zukünftigen Jung-Stars der Basketball Association, wie immer eingebettet in einen umfassenderen Kontext. Check it!


Kenneth Faried (Denver Nuggets)

Die Spreu trennt sich langsam vom Weizen in Vegas. Die letztjährigen Rookies und Starter reissen das Geschehen an sich und dominieren gegen Gleichaltrige, weil sie das NBA-Spiel schneller lesen und interpretieren können. Oder im Fall von Kenneth Faried, weil sie einfach besser sind. Das "Manimal" riegelte in bester Hausmeister-Manier die Zonen ab, erzielte 16 Punkte, 15 Rebounds und 5 Blocks und führte die Nuggets zu ihrem ersten Summer League Sieg in diesem Jahr.

Kawhi Leonard (San Antonio Spurs)

Nächster Spurs-Sieg, nächste Monsterleistung von Kawhi Kool. Der Mann mit den Riesenpranken erzielte mit höchstens halb durchgedrücktem Gaspedal 27 Punkte bei 9-18 aus dem Feld und 8 Rebounds. Leonard manövrierte sich und den Ball mit Einfachheit an jede bevorzugte Stelle für den Jumper, attackierte das Brett und zeigte allgemein, dass er der gleichaltrigen Konkurrenz mindestens zwei bis zehn Leistungsstufen voraus ist.

Byron Mullens (Charlotte Bobcats)

Mullens war einer der wenigen Mini-Lichtblicke in einer total verkorksten Bobcats-Saison. Am Dienstag demonstrierte er wieder eindrucksvoll, wieso. Der 2,13m Mann überragte die Timberwolves um Längen und machte innen wie aussen, was ihm beliebte. Schon zur Halbzeit waren es 22 Zähler für Mullens, der drei Dreier versenkte, 8 Rebounds pflückte und am Ende mit 33 Punkten bei 13-24 FG natürlich der Mann des Spiels war. Charlotte ist in Vegas bisher noch ungeschlagen.

Markieff Morris (Phoenix Suns)

Der Phoenix-Forward war gigantisch mit 24 Punkten, 17 Rebounds und 6 Blocks, konnte aber die deutliche 89-74 Niederlage der Suns gegen Cleveland auch nicht verhindern (das Suns-SL-Team ist schlecht). Die Verantwortlichen werden aber mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen haben, dass der letztjährige Rookie einige Fortschritte in seinem Spiel gemacht zu haben scheint, allen voran das schnellere, intelligentere Treffen von Entscheidungen, wenn er den Spalding in der Hand hält.

Damian Lillard (Portland Trail Blazers)

Lillard machte sein zweites starkes Spiel in Folge - und das, obwohl er 7 Ballverluste produzierte. Der Nummer 6 Pick kontrollierte das Spieltempo der Blazers vom Tipoff bis zum Schlusspfiff, zeigte seine 'shooting range' mit 5 Dreiern und hatte am Ende 27 Punkte auf seinem Konto. Alle, die seine Bereitschaft für die NBA angezweifelt hatten: zweifelt nicht mehr!

Josh Selby (Memphis Grizzlies)

Vielleicht ist der Abgang von OJ Mayo ein weitaus geringeres Problem für die Conference Finals Ambitionen der Grizzlies, als man allgemein angenommen hatte. Sophomore Josh Selby scheint nämlich mehr und mehr von seinem immensen Talent, das ihn zu einem der besten High School Spieler 2010 machte, in On-Court-Produktion umwandeln zu können. Der Shooting Guard explodierte am Dienstag für 35 Punkte (inklusive 7 Dreier) und 7 Steals und führte Top-Rookie Bradley Beal phasenweise regelrecht vor. Mit jetzt 27.5 PPG hat sich Selby als eine der besten Stories in Vegas entpuppt.

Jeremy Lamb/Donatas Motiejunas/Terrence Jones/Royce White (Houston Rockets)

Schon wieder die beiden? Was willste machen, wenn Lamb und Motiejunas in fast jedem Spiel auftrumpften und Houston zu insgesamt vier Siegen aus fünf Vegas-Partien führten? Motiejunas wiederholte seine bockstarken Leistungen aus den Spielen eins und drei und toppte seine bisherige Effizienz mit 20/12 in 27 Minuten sogar noch. Lamb beendete die Summer League mit genau 100 Punkten, gut genug für 20 PPG, und wirkte Abend für Abend wie einer der besten Rookies des Jahrgangs. Viele, die ihm vor dem Draft die nötige NBA-Härte absprachen, werden schnell bereuen, ihn in der Lotterie übergangen zu haben. Jones erzielte gegen die Trail Blazers 24 und 12 und bestätigte seine Selektion an Nummer 18 mit einer weiteren guten Partie gegen die Bulls (17/9), während der vielseitige Royce White mit 15/10 abschloss und schon jetzt einer der Rockets-Fanlieblinge ist (obwohl der heute vorgestellte Jeremy Shu-How Lin da sicherlich ein paar Worte mitzureden haben wird). Die Leistungen der Rockets in Vegas decken sich mit meiner post-Draft Ansicht: Houston hat die höchste U-22 Talentdichte der NBA im Kader.

Adam Morrison (Los Angeles Clippers)

'The Stache' versucht nach zwei NBA-Titeln und einem soliden Engagement in Europa wieder in der Association Fuss zu fassen. Nach sporadischen Kurzeinsätzen im Brooklyn Nets SL-Team in Orlando wollen die LA Clippers den ehemaligen Nummer drei Pick genauer unter die Lupe nehmen. So weit, so gut für den ehemaligen College-Star aus Gonzaga: Morrison kommt nach dem fast perfekten 23 Punkte Spiel gestern gegen die Spurs (9-13 FG, inklusive Stepback Jumper und Drives zum Korb) auf jetzt 17 PPG und 5 RPG in 31 MPG. "Ich versuche einfach nur zu zeigen, dass ich gesund bin und noch ein bisschen spielen kann", hofft Morrison auf einen Minimalvertrag in der besten Liga der Welt. Für's Vet Minimum können die Clippers mit Morrison, der in Europa eindeutig die Lust und die Leidenschaft am Basketball wieder entdeckt hat, nichts falsch machen.

Tobias Harris/John Henson (Milwaukee Bucks)

Harris fand letztes Jahr kaum Spielminuten im System von Scott Skiles. Ob das in der neuen Saison und in einem weitaus voller gepackten Bucks-Frontcourt heuer anders wird, kann ich nicht beurteilen, weil die Entscheidungen von Skiles jeglicher Logik entbehren. Auf jeden Fall hat Harris die nötige NBA-Physis. So demonstriert auch gestern, als er gegen Washington die Hälfte seiner Feldwürfe für 24 Punkte und 12 Rebounds traf (allerdings einen wichtigen zum Ausgleich kurz vor Schluss vergab). Henson, der an Nummer 14 gedraftet wurde (kein guter Pick für Milwaukee in meinen Augen, eben wegen dem Big Man Konglomerat), gab sein Summer League Debut und erzielte 20 Punkte und 9 Rebounds.

Terrence Ross (Toronto Raptors)

Ross spielt wie eine Wildkatze und legt eine faszinierende Mischung aus kraftvoller Athletik, schnellen Drives und Geschmeidigkeit an den Tag. Das komplette Paket gab's beim gestrigen 96-89 Erfolg gegen die Sacramento Kings (wo Nummer 4 Pick Thomas Robinson bisher übrigens noch überhaupt nichts gezeigt hat) zu bestaunen, wo Ross mit 21 Punkten der uneingeschränkte Star des Spiels war. Gut möglich, dass T-Ross für die Kings der weitaus sicherere und langfristig lukrativere Pick gewesen wäre als T-Rob.