09 Juli 2012



Die New Orleans Hornets haben Ryan Anderson via Sign & Trade verpflichtet. Der 24-jährige Scharfschütze kommt aus Orlando im Tausch für Gustavo Ayon. Anderson wollte in diesen Tagen ohnehin ein offer sheet aus New Orleans unterzeichnen, welches die Magic unter keinerlei Umständen abgleichen wollten. Alle Parteien einigten sich schliesslich auf diese Art der Transaktion, um allen Interesen gerecht zu werden.

Der Forward kommt als frisch gekürter Most Improved Player nach New Orleans und erhält einen 4-Jahres-Vertrag im Wert von knapp 35 Millionen US-Dollar. Er erzielte in der abgelaufenen Saison 16.6 Punkte und 7.7 Rebounds pro Partie bei 44% aus dem Feld und 87.7% von der Linie - allesamt neue Karrierebestwerte. Anderson wurde vor vier Jahren an 21. Stelle von New Jersey selektiert und nur ein Jahr später nach Orlando getradet, wo er an der Seite von Dwight Howard zum zweitwichtigsten Spieler der Magic avancierte. Auf den ersten Blick bringt Anderson Drei-Punkt Shooting und schlechte Defense nach New Orleans - aber er kann mehr.

Dank seiner exzellenten Fähigkeiten von jenseits der Dreier-Linie (39% in den letzten beiden Saisons) gehört der Power Forward zu den besten Stretch Vierern der Liga. Er zieht das Feld auseinander und kreiert dadurch das für eine Offensive so wichtige Spacing. Ähnlich wie in Orlando mit Howard wird er wohl auch bei den Bees im Zusammenspiel mit Anthony Davis operieren. Wer jetzt zetert, dass ein Davis/Anderson Frontcourt zu klein und körperlich schwach sei, um auf Dauer zu bestehen, sollte sich zwei Aspekte vor Augen halten: zum einen ist 'small ball' stark im Kommen und mehr und mehr salonfähig (Miami und Oklahoma City, beide frisch aus den NBA-Finals, spielen 'klein' ihren besten Ball). Zum anderen müssen Gegner mit der Mobilität und Vielseitigkeit einer Davis/Anderson Paarung auch erst zurecht kommen. Nicht nur, dass Anderson zu den besten Offensivreboundern der Liga zählt (Off. Rebound-Rate 13%). Im Pick & Pop Spiel und nach Cuts ist der 2,08m Jumpshooter eine echte Hausmarke und nur schwer auszuschalten. Zieht er die gegnerischen Power Forwards weit hinaus, bleibt unter dem Korb viel Raum für Action. Diese Inside-Out Dynamik wird ihm auch im Big Easy viele freie Würfe ermöglichen. In der Theorie sind im zukünftigen Spiel der Hornets dank der Perimeter-Stärken der beiden Big Men nonstop Lücken und Bahnen zum Korb für eine Drive & Kick Offensive frei - ähnlich wie sie die Spurs so effektiv spielen.

Zwei absolut unterschätzte Aspekte in Anderson's Spiel: seine Nervenstärke in entscheidenden Phasen und seine elitären Freiwurf-Skills. Nicht nur die letzten Playoffs haben gezeigt, wie wichtig solide Quoten von der Linie sind - sowohl für das Selbstvertrauen eines Teams als auch für den Coach, der so in der Schlussphase seine besten Spieler auf dem Parkett lassen kann. Anderson traf 88 Prozent seiner Freebies und 61.4% seiner Würfe in der Crunchtime. Ausserdem war er einer der effizientesten +/- Spieler in Bezug auf die direkte Produktivität gegen seine Gegner - nur LeBron, CP3, Wade, Durant und Howard waren im sogenannten 'simple rating' besser. Alles in allem stibitzen die Hornissen mit Anderson einen aufstrebenden, jungen Power Forward vom Markt, der exzellent mit dem neuen Franchise-Spieler Davis harmonieren wird und eine Nische abdeckt, die Head Coach Monty Williams unbedingt adressieren wollte.

Dabei profitiert New Orleans vom Salary Dump Trade Ende Juni mit den Wizards, der nach dem Buyout von Rashard Lewis knapp sieben Millionen Dollar extra unter dem Salary Cap freischaufelte - genug für Anderson und das Matchen des Max-Level offer sheet Angebots aus Phoenix für Restricted Free Agent Eric Gordon. Die Magic hatten nie vor, ein solides Angebot an Anderson - von wem auch immer - abzugleichen. Das wurde nicht erst nach diesem Sign & Trade offensichtlich. Das Team wird komplett auseinander gerissen, eine Resolution des Dwight Howard Schmierentheaters steht ebenfalls kurz bevor. Dazu passen Akquisitionen wie der 27-jährige Ayon, der in der abgelaufenen Saison 5.9 Punkte und 4.9 Rebounds in 20 MPG erzielte und in den langfristigen Planungen keine allzu grosse Rolle spielt. Dann schon eher 2,06m Forward Andrew Nicholson, den die Magic mit dem 19. Pick im Draft selektierten und der gerade in der Summer League eine exzellente Figur abgibt. Orlando nimmt die Falltreppe nach ganz unten.


nbachef meint: Vorteil New Orleans