27 Juli 2012



Die New Orleans Hornets und Phoenix Suns basteln weiter an ihren neuen Kadern, während die Minnesota Timberwolves unter David Kahn weiterhin eines der - sagen wir mal verblüffendsten - Teams der NBA bleiben. In einem komplexen Drei-Team Trade, dessen offizielle Abwicklung gestern mehrfach auf Eis gelegt werden musste, weil die veränderte Situation in New Orleans nach den Signings von Ryan Anderson und Eric Gordon für neue Cap-Verhältnisse gesorgt hatte, erhalten die Hornets Robin Lopez und Hakim Warrick im Tausch für Brad Miller, Jerome Dyson (beide nach Phoenix) und zwei Zweitrundenpicks, die nach Minnesota wechseln. Die Wolves schicken Wesley Johnson und einen Erstrundenpick zu den Suns und erhalten dafür von dort einen weiteren Zweitrundenpick (via LA Lakers aus dem Steve Nash Deal vor wenigen Wochen).

Der Deal unterscheidet sich vom vorherig gemeldeten durch zwei kleine Details, die erst nach tagelangem Wälzen des neuen Collective Bargaining Agreements klarifiziert werden konnten. Da die Hornets über dem Cap lagen, folgte der Vertrag des erst kürzlich aus Minnesota erworbenen Miller gewissen Restriktionen. Er durfte nicht zurück zu den Wolves getradet, und sein Gehalt zusätzlich zwei Monate lang nicht mit dem anderer Spieler zusammen in einen Tradetopf geschmissen werden. Weil die Hornets aber (auf Wunsch der Suns) unbedingt Warrick mit aufnehmen mussten, mussten sie mindestens einen weiteren Spieler finden, den sie im Gegenzug hinaus schicken würden (das neue CBA verbietet Teams über dem Cap, Spieler zu verpflichten, ohne dafür mindestens einen Spieler zurück zu schicken. Das soll erschweren, dass man einfach so zusätzliches Gehalt aufnimmt.)

Der Schlüssel zum letztendlichen Gelingen des Trades war dann Jerome Dyson und sein ungarantiertes Minimal-Gehalt (762195 Dollar) sowie der zusätzliche Zweitrundenpick, der zu den Wolves wandert. Miller hat seine Karriere offiziell bereits beendet, aber sein 5.1 Mio. $ Vertrag für 2012/13 machte diesen Deal überhaupt erst möglich. Damit wurde der 36-Jährige innerhalb weniger Wochen schon zwei mal getradet - obwohl er eigentlich gar nicht mehr aktiv ist. Nur in der NBA...!

Mit Lopez erhalten die Hornets den Center, den sie seit den Abgängen von Emeka Okafor und Chris Kaman gesucht haben. Lopez ist kein All-Star, und im Gegensatz zu seinem Bruder Brook, der bei den Nets gerade einen Max-Deal unterzeichnet hat, vermutlich nicht einmal auf Starter-Niveau. Seine mageren Karriere 5.8 PPG, 3.3 RPG und 0.8 BPG in 14 MPG bestätigen diesen flüchtigen Eindruck. Aber er ist ein solider Verteidiger und verleiht den Hornissen Rückversicherung für den Fall, dass Nummer eins Pick Anthony Davis in seiner Rookie-Saison die ein oder andere Schwierigkeit gegen die Howards, Bynums und Gasols dieser Liga haben wird. "Lopez ist ein junger Center, der zu unserem Langzeitplan passt und eine Defensivpräsenz hierher bringt", sagt New Orleans' GM Dell Demps. "Mit seiner Grösse und Athletik wird er unsere Verteidigung verankern." Lopez kommt mittels Sign & Trade (3 Jahre/15.3 Mio. $) und wird wahlweise neben Davis und Ryan Anderson eingesetzt werden, wenn Head Coach Monty Williams ganz gross spielen will. Oder aber hinter der Monobraue von der Bank kommen, um die Kanten dieser Liga 20+ Minuten in Schach zu halten. Mit Davis, Anderson, Lopez und Jason Smith verfügen die Hornets jetzt über eine solide Big Man Rotation.

Ich denke nicht, dass Warrick mit seinen mittlerweile 30 Lenzen und unterdurchschnittlichem Game darin eine allzu grosse Rolle spielen wird. Der Forward stagnierte nach seinen ersten guten Jahren in Memphis und spielte schon in Phoenix' Uptempo Offense mit mageren 6.4 PPG und 2.4 RPG zuletzt keine Rolle mehr. Seine Karriere-Quoten sind besser (9.5 PPG, 4.1 RPG in 20.4 MPG), aber eben aufgebläht nach drei soliden Jahren als Grizzly. Vielleicht findet Demps im Februar einen geeigneten Abnehmer via Trade. Sein Gehalt (4 Mio. $) über diese Saison hinaus ist ungarantiert. Im Endeffekt hätten die Hornets auch gut ohne Warrick leben können. Aber die Absorption solcher Spieler ist manchmal eben der Preis, den man für einen Wunschspieler (Lopez) zahlen muss.

Die Suns hatten weder für Lopez, noch für Warrick grossen Bedarf nach den Signings der letzten Wochen. Neben Goran Dragic, Luis Scola und Michael Beasley gehört jetzt also auch Wesley Johnson, Beasley's ehemaliger Teamkollege aus Minnesota, zu den Neuzugängen. Der 25-Jährige wurde vor zwei Jahren von David Kahn an 4. Stelle viel zu früh gedraftet und kam bisher nur auf 7.7 PPG und 2.9 RPG im Schnitt. Er ist weder ein verlässlicher Scorer (nur 39.8% aus dem Feld), noch ein guter Verteidiger. Die Suns aber glauben, dass Johnson nur eine neue Chance braucht, um ohne den Druck eines hohen Draft-Picks seine wahre Bestimmung in der NBA zu finden: solider Flügel mit solidem Distanzwurf und mehr als solidem Dauergrinsen. Wenn der Plan nicht aufgeht, können ihn die Suns schon im nächsten Sommer entlassen und knapp 5 Mio. $ unter dem Cap einsparen. Und da ist ja schliesslich noch der Erstrundenpick 2013, der als zusätzliche Absicherung dient. Phoenix wagt den Generationswechsel post-Nash, und sammelt für dieses Langzeitvorhaben junge Anlagegüter und Draft-Picks ein. Miller und Dyson sind reines Cap-Futter und bieten weitere finanzielle Flexibilität, wenn sie in naher Zukunft entlassen werden sollten.


Das progressivste Team in diesem Deal ist - glaubt es ruhig - Minnesota. Obwohl die Tatsache, dass Kahn einen Erstrundenpick verscherbeln muss, nur um einen weiteren seiner katastrophalen hohen Draft-Picks nach zwei Jahren wieder abstossen zu können, ein weiteres Zeugnis seines erbärmlichen GM-Résumés ist, wollte Head Coach Rick Adelman einen ganz bestimmten Spieler unbedingt verpflichten: Andrei Kirilenko. Dazu mussten die Wolves aber zuerst Salary Cap Platz freibuddeln. Nach den Abzügen von Johnson und dem Erstrundenpick im nächsten Jahr blieb auf den Penny genau genug Geld übrig, um dem Russen 20 Millionen für zwei Jahre anzubieten. Kirilenko, der die letzte Saison in Europa spielte und dort bei CSKA Moskau MVP der Euroleague wurde, gibt den Timberwolves genau das, was sie auf dem geplanten Weg in die Playoffs suchen: einen vielseitigen Flügelspieler, der mehrere Positionen spielen kann und zusätzlich zu den besten Verteidigern der NBA zählt.

In zehn NBA-Jahren stand AK-47 drei mal im All-Defensive Team, führte die Liga zwischen 2004 und 2006 bei den Blocks an und ist bis heute der einzige Spieler neben Hakeem Olajuwon, der ein sogenanntes 5x6 zustande brachte (mindestens 6 Punkte, Rebounds, Assists, Steals und Blocks in einer Partie). Seine Karriere-Statistiken in 681 Partien für die Utah Jazz liegen bei 12.4 Punkten, 5.6 Rebounds, 2.8 Assists, 1.4 Steals und 2.0 Blocks in 30.8 Minuten pro Spiel. Nachdem die Portland Trail Blazers das Wolves-Angebot für RFA Nicolas Batum abglichen, wanderte Adelman's Interesse sofort zu Kirilenko, der zwar älter, dafür aber defensivstärker, teamdienlicher und ausgebuffter spielt als der Franzose. Die zehn Millionen Jahressalär (Kirilenko hat eine Spieleroption für 2013/14, die er natürlich ziehen wird) sind im Übrigen der exakte Markwert, den ein Small Forward von AK's Kaliber in der NBA nun einmal kassiert (siehe Nic Batum, Gerald Wallace, Shawn Marion, Stephen Jackson, etc.) und immer noch in einer Grössenordnung angesiedelt, die spätere Trades, falls notwendig, immer noch ohne Weiteres ermöglicht. Kirilenko ist weitaus produktiver, als es Beasley oder Johnson je hätten sein können und verleiht dem Wolves-Kader, der jetzt bis zum zehnten Mann hinunter tief und ausgeglichen besetzt ist, die nötige Portion Härte und Veteran Leadership, um zum ersten Mal seit 2004 ein Erreichen der letzten beiden Playoff-Plätze zu ermöglichen. "Ich bin begeistert, in die NBA zurück zu kehren", sagt der 31-Jährige. "Die Minnesota Timberwolves haben einen der besten Coaches der Liga in Rick Adelman und ich denke, dass meine Spielweise perfekt zu seinem Spielstil passt. Ich mag auch das Talent in dieser Mannschaft. Zusammen mit Spielern wie Kevin Love und Ricky Rubio werden wir Grosses erreichen."


nbachef meint: Vorteil Minnesota, New Orleans, Phoenix