10 Juli 2012




Marcus Camby ist wieder ein Knickerbocker. Der Cambyman kehrt zum zweiten Mal an den Ort seiner grössten Erfolge zurück und soll im Big Apple die Championship-Hoffnungen nähren. Der 38-Jährige kommt im Tausch für Toney Douglas, Josh Harrelson, Jerome Jordan und zwei Zweitrundenpicks aus Houston. Damit ist der Verteidigungsspezialist schon der zweite ältere Neuzugang in New York, wo man vor wenigen Tagen Jason Kidd aus Dallas loseisen konnte und sich mit diesen Personalmanövern im oberen Drittel der Eastern Conference festsetzt.

Camby ist natürlich längst nicht mehr der Spieler, der er bei seinem ersten Engagement in New York City von 1998 bis 2002 war. Damals kam ein junger, agiler Center aus Toronto und half den Knicks als Reservespieler beim Erreichen der NBA-Finals '99 - die bisher letzte Endspielteilnahme der Traditionsfranchise und der mit Abstand grösste Erfolg in den letzten 18 Jahren. Nichtsdestotrotz zählt der langarmige Defensivspezialist nach wie vor zu den besten Reboundern der NBA und kann ein Spiel unter den Körben immer noch entscheidend prägen. Ob abgeblockte Würfe, ein Tip-in oder ein entscheidender Tap-Out am offensiven Brett, Camby macht seine Präsenz bemerkbar. Er war noch nie der robusteste, aber in New York wird er hinter Tyson Chandler und Amare Stoudemire nicht mehr als 20 Minuten pro Spiel abreissen müssen und dementsprechend keine schwere Last zu tragen haben. In der letzten Saison kam Camby in Portland und Houston auf insgesamt 4.9 PPG, 9 RPG, 1.8 APG und 1.4 BPG. Zahlen, die einen sicherlich nicht mehr vom Hocker reissen, im chronisch unterrepräsentierten Knicks-Frontcourt aber dennoch gern gesehen werden. Camby's Länge, Spielintelligenz, Professionalität und sein defensiver Impact stehen einem Playoff-Team immer gut zu Gesicht. Er erhält in New York einen Drei-Jahres-Vertrag, der rund 13 Millionen Dollar wert sein wird, aber so strukturiert ist, dass nur die ersten beiden Jahre garantiert sind (zu je 5 Mio. $) und er 2014 terminiert werden kann.

Houston sammelt in Person von General Manager Daryl Morey weiterhin alles ein, was ligaweit bei Drei nicht auf den Bäumen ist und jagt so weiter seinem grossen Traum hinterher: Dwight Howard (oder Andrew Bynum). Da die Verträge von Jordan und Harrelson nicht garantiert sind, können beide Spieler einfach entlassen oder gleich weiter verscherbelt werden, im Tausch für weitere Anlagegüter, die Morey dann ummünzen will. Douglas, der vor Kurzem in New York noch als nächste grosse Point Guard Hoffnung gegolten hatte, traf letzte Saison nur 32% aus dem Feld und blieb mit 6.2 PPG weit hinter den Erwartungen zurück. Er wurde von PG-Sensation Jeremy Lin ans hintere Ende der Ersatzbank gespielt und machte, wenn er dann nach Verletzungen der Leistungsträger doch einmal ran durfte, einen durch und durch lausigen Eindruck. Die Rockets, die Lin einen Vier-Jahres-Deal in Höhe von 30 Mio. $ offerierten, den die Knicks mit Sicherheit matchen werden, haben nach den Abgängen von Goran Dragic nach Phoenix und Kyle Lowry nach Toronto urplötzlich grossen Bedarf auf der Eins. Gut möglich also, dass Douglas längerfristig gebunden wird. Die beiden Zweitrundenpicks sind die Entschädigung für die Rockets, deren Fans mit der neuen Rolle als Abfallhalde für Playoff-Teams nicht einverstanden sind. Die Hoffnung bleibt weiterhin, dass Morey nach der Akkumulation unzähliger Trade-Assets mindestens einen Blockbuster-Deal in petto hat. Am liebsten den für Howard.


nbachef meint: Vorteil New York