05 Juli 2012




Steve Nash ist ein LA Laker. Der achtfache Dauer-Allstar und zweimalige Most Valuable Player errang vor weniger als einer halben Stunde einen Sign & Trade Deal mit seinen Phoenix Suns, die ihn im Tausch für vier Draft-Picks und etwas Cash (drei Millionen Dollar) nach Los Angeles schicken. Zwei der Picks, die Phoenix erhält, sind garantierte First Rounder (in 2013 und 2015). Die anderen beiden sind für die zweite Runde bestimmt (in 2013 und 2014).

Nash erhält einen neuen Drei-Jahres Vertrag in Höhe von 27 Millionen Dollar. Der Deal ist so strukturiert, dass ihn die Lakers ganz geschmeidig via ihrer 8.9 Mio. $ Trade Exception (aus dem Lamar Odom Dezember-Trade mit den Dallas Mavericks) absorbieren können und geht als Sign & Trade über die Bühne, damit die Suns auch etwas davon haben. Der 38-Jährige zählt zu den besten Point Guards aller Zeiten und spielt entgegen aller Erwartungen und der biologischen Uhr immer noch auf allerhöchstem Level. In der abgelaufenen Saison, in der er die horrenden Phoenix Suns im Alleingang auf Playoff-Kurs hielt, erzielte Nash 12.5 Punkte und 10.7 Assists im Schnitt bei gewohnt absurden Quoten. Die bringt er jetzt seit sieben Jahren im 50-40-90er Bereich. Diese Zahlen unterstreichen seinen Ruf als einer der besten Schützen und Vorlagengeber aller Zeiten. Bei den Lakers stopft Nash auf Anhieb die grössten Lücken der letzten Jahre: Spielintelligenz, Outside Shooting, Kreativität, Sympathiewerte. Wer nicht glaubt, dass Kobe Bryant und Nash im Backcourt koexistieren können und zusammen mit Pau Gasol und Andrew Bynum die vielleicht imposanteste Starting Lineup der Liga bilden, der ist schiefer gewickelt als ein Turban. Die Lake-Show ist definitiv zurück!

Es schien ein schleppender, ereignisloser Tag vier in dieser wilden Free Agency Phase zu werden, ehe John Gambadoro von 'Sports 640 KTAR' die Meldung in den Äther dudelte: anstatt wie erwartet nach New York oder Toronto zu wechseln, entschied sich Nash für Los Angeles. Die Gründe für diesen speziellen Deal waren vielfältig, sagte sein Agent Bill Duffy später. So habe Nash einen Drei-Jahres Vertrag angestrebt, den ihm die Suns nicht geben wollten. Dazu wollte er im Falle eines Trades zu einem Contender wechseln, Phoenix ein paar Handelsgüter im Tausch einbringen und so nahe wie möglich bei seinen Kindern in Arizona bleiben (Nash ist geschieden). Als die Lakers und Chefanwerber Kobe Bryant vor zwei Tagen ihre Bemühungen um Nash intensivierten, begann der Deal zustande zu kommen. Die Suns und ihr Besitzer Robert Sarver, die viel zu lange an ihrem Franchise-Spieler festgehalten hatten, entschieden zum allerersten Mal rational und taten das, was für die Franchise am Besten ist. Unter'm Strich toppte das Angebot der Lakers dasjenige der New York Knicks, die ursprünglich Landry Fields anbieten wollten, ehe der von den Toronto Raptors ein übertrieben grosses 'offer sheet' unterbreitet bekam und als Trademasse disqualifiziert wurde. Auch ein Paket aus Iman Shumpert und restlichem, absolut wertlosen Knicks-Treibgut konnte sich am heutigen Mittwoch nicht durchsetzen, obwohl ein Deal fast zustande gekommen wäre. Die Raptors, die die Messlatte für Nash bereits am Sonntag mit einem 3 Jahre/36 Mio. $ Angebot schon extrem hoch angelegt hatten und folgerichtig lange favorisiert wurden, hätten sich über eine Verpflichtung des Kanadiers ebenso gefreut wie die Dallas Mavericks, die nach der gestrigen Absage von Deron Williams den Notfallplan für Nash aus der Schublade geholt hatten. Im Endeffekt waren es die Mavs, die den Lakers mit ihrem erfolglosen Lamar Odom Trade vor einem halben Jahr den TPE-Gutschein zugeschustert und die heutige Transaktion überhaupt erst ermöglicht hatten.

Nash lässt insgesamt fast zehn Millionen Dollar auf dem Tisch liegen, um in erster Linie in der Nähe seiner Familie zu bleiben (ein Flug von LAX nach Sky Harbor dauert keine 90 Minuten) und in zweiter Linie mit Kobe, Bynum, Pau und Purpur-Gold nach dem Titel zu greifen. Eine "ekstatische Sache" (Zitat Bill Duffy) für Nash, der hierfür sogar über seine jahrelange Rivalität mit den Kaliforniern hinweg sehen kann. Noch vor zehn Tagen hatte Nash in einem Interview gesagt: "Ich bin old school. Es wäre schwer, ein Lakers Trikot anzuziehen nach den ganzen Playoff-Duellen. Aber ich habe den allergrössten Respekt vor dieser Organisation, was die Sache eigenartig macht. Als Free Agent darf man ja hin, wohin man will. Ich müsste mir also alle Optionen durch den Kopf gehen lassen - egal, was in der Vergangenheit mal war oder noch kommen mag."

Das Urteil des Komitees (ich selbst) fällt einstimmig aus: ein immens guter Trade der Lakers, die nur selten still da sitzen und der Konkurrenz dabei zusehen, wie sie besser wird. Phoenix drückt den Reset Knopf und begnügt sich über den finanziellen Spielraum und vier zusätzliche Draft-Picks. LA versteht es einfach, bei gebeutelten Kellerkindern ganz opportunistisch nach begehrten Anlagegütern zu fischen und meldet sich nach diesem Deal mit nur einem Schlag wieder im Meisterschaftsrennen zurück. Bleibt für Laker Nation nur zu hoffen, dass David Stern sein Veto-Kartenset diesmal verlegt hat und nicht so schnell wieder findet...


nbachef meint: Vorteil Los Angeles