12 Juli 2012



Dorell Wright ist ein Philadelphia 76er. Jarrett Jack ist ein Golden State Warrior. Und die Hornets sparen Geld (und sichern sich die Rechte am Bosnier Edin Bavcic). Das sind die Parameter eines Tauschhandels, der ursprünglich schon am Dienstag zwischen den Dubs und den Sixers initiiert wurde und heute mit der zusätzlichen Komponente New Orleans an die Ligazentrale weiter geleitet wurde. Nicht sonderlich spektakulär, aber dennoch der Rede wert. Dazu später mehr.

Wright ist der neueste Neuzugang in Philadelphia, wo die Zeichen auf Veränderung stehen. Neben der heutigen Akquisition gab es ja auch noch die Verpflichtung von Shooting Guard Nick Young zu vermelden, der von den Los Angeles Clippers kam. Gleichzeitig wurden die Kontrakte von Lavoy Allen und Spencer Hawes verlängert, während man Lou Williams, Jodie Meeks und Elton Brand ziehen liess. Die Intention der 76ers ist glasklar: Cap Space freischaufeln, um im Sommer 2013 in die Vollen zu gehen und mindestens einen hochkarätigen Free Agent zu ergattern. Sowohl Wright (4.1 Mio. $ Gehalt in der kommenden Saison) als auch Young passen mit ihren Ein-Jahres-Deals perfekt ins Beuteschema.

Spielerisch gesehen ist der 2,06m Forward Wright kein achtes Weltwunder: er ist lang, spielt durchschnittlich gute Defense und ist ein solider Schütze. Gesichertes Mittelfeld, mehr nicht. Überhaupt scheint Wright nach jetzt acht Profijahren ein prototypischer Durchschnittsspieler geworden zu sein. Abgesehen von einer exzellenten Saison - der vorletzten - als in Golden State alles für ihn zusammen kam, er mit 194 erfolgreichen Dreiern die Liga anführte und Dritter bei der Wahl zum Most Improved Player wurde, haut keine seiner Spielzeiten sonderlich vom Hocker. Seine wohl augenfälligste Fähigkeit als NBA-Spieler ist sein Jumpshot und sein stabiles Rebounding von der Small Forward Position. Bei den Warriors kam er unter dem neuen Coach Mark Jackson nicht mehr ganz so effizient zum Zug wie im Jahr zuvor. Angesichts des Konglomerats auf der Drei in der Bay (Harrison Barnes, Draymond Green, Richard Jefferson, Brandon Rush) wird Wright den Sixers also mehr nützen. Auch dort reiht er sich in eine lange Reihe von Flügelspielern ein (Andre Iguodala, Thad Young, Sam Young, Nick Young, Moe Harkless, Evan Turner), deckt aber mit seinem Drei-Punkt Shooting eine klare Nische ab und wird wohl um die 20 MPG abreissen dürfen.

Die Warriors sollten ursprünglich mit dem bosnischen Forward/Center Bavcic kompensiert werden. Bavcic ist bereits 28 Jahre alt und wurde vor sechs Jahren als 56. Spieler gedraftet, wagte aber nie den Sprung über den Teich. 2009 spielte er kurz für die Köln 99ers, ohne aber jemals die Hütte abzufackeln. Man muss also kein Hellseher sein, um zu prognostizieren, dass der Bosnier niemals in die NBA wechseln wird. Obwohl es kurzzeitig danach aussah, als würden die Warriors hier nur finanziell profitieren, schickten sie die Draft-Rechte an Bavcic (und die damit verbundene 5.4 Mio. $ Salary Cap Entlastung) mir nichts, dir nichts nach New Orleans und ergatterten im Gegenzug Jarrett Jack. Und hier wird's plötzlich spannend.

Jack füllt einen dringenden Bedarf im Warriors-Backcourt und bringt den mit hohen sportlichen Erwartungen in die neue Saison startenden Kaliforniern weitaus mehr als ein wenig Atemfreiheit unter dem Salary Cap. Oder Dorell Wright, was das betrifft. Jack ist ein Veteran, der seit sieben Jahren in der NBA spielt und zuletzt bei den Hornets seine individuell erfolgreichste Saison hatte. Mit 15.6 Punkten, 3.9 Rebounds und 6.3 Assists pro Spiel war der Point Guard der konstanteste Hornet in der verkürzten Lockout-Saison. Besonders beeindruckend war seine sehr gute Assist/Turnover Quote (2.8) und seine Professionalität in einer schweren Saison für die Bees. All dies demonstriert, dass sich die Warriors im Tausch für einen entbehrlichen Flügelspieler einen begabten Backup Point Guard ertauscht haben, der sowohl selber punkten als auch für seine Mitspieler vorbereiten kann. Jack wird hinter Steph Curry und Klay Thompson von der Bank kommen und den Playoff-Hoffnungen der Dubs einen erheblichen Schub verleihen. Mit einem auslaufenden und moderat bepreisten 5.4 Mio $ Deal stellt Jack auch keine Belastung für den Salary Cap dar. Ein definitiver Steal also für Golden State.

Verwunderlich, dass die Hornets nicht einmal einen Draft-Pick für einen durch und durch soliden Veteranen ergattern konnten, der in dieser Preiskategorie sicherlich genug zahlungskräftige Interessenten angelockt hätte. Vielleicht haben sie im Big Easy zu schnell gehandelt, vielleicht wollten sie klare Veränderungs-Signale aussenden. Sei's drum: dieser de facto Rauswurf von Jack signalisiert natürlich auch, dass die Bees ihrem Erstrundenpick Austin Rivers die Point Guard Zügel gleich von Beginn in die Hand drücken werden und ihn schon jetzt als klare Option auf der Eins sehen. Die Zukunft ist jetzt!


nbachef meint: Vorteil Golden State