14 August 2012



HF1: Spanien 67 - Russland 59

Es hatte lange Zeit so ausgesehen, als würden die Russen ihrer Favoritenrolle im Vorfeld des Halbfinals gerecht werden und - angesichts ihres Standings als klar zweitbeste Turniermannschaft - das anvisierte Finalduell mit den US-Amerikanern erreichen. Spanien war in Hälfte eins eiskalt und hatte vor dem Seitenwechsel nur mickrige 20 Punkte erzielt. Die Russen führten da schon 31-20. Im Gegensatz zur Vorrunde, als die Spanier sich gegen die selben Russen einen 18-Punkte Vorsprung noch nehmen liessen, scharten sich die Iberer aber diesmal um ihren Anführer Pau Gasol zusammen und bissen sich ins Spiel zurück. Der All-Star Center erzielte neun seiner 16 Punkte (plus 12 Rebounds, 2 Assists und 1 Block) in Hälfte zwei. Jose Calderon traf vier riesige Dreier für insgesamt 14 Zähler. Spanien glich kurz vor Ende des dritten Abschnitts aus und legte in der Defensive gleich mehrere Gänge zu. Russland schaffte es einfach nicht, das Verteidigungsbollwerk am Perimeter zu durchbrechen und blieb - wie schon Frankreich im Viertelfinale - fast sieben Minuten ohne Treffer aus dem Feld. Die zuvor bärenstarken Neu-Timberwolves Kirilenko und Shved verfehlten 15 ihrer 18 Wurfversuche aus dem Feld und blieben blass. Spanien dominierte die zweite Halbzeit 47-28 und machte am Ende seine zweite olympische Finalteilnahme in Folge klar.


HF2: USA 109, Argentinien 83

Die goldene Generation der Argentinier sammelte sich zum letzten Gefecht in dieser Konstellation. Lange, lange ist es jetzt her, dass die Gauchos bei der Weltmeisterschaft 2002 und später bei den Olympischen Spielen 2004 die übermächtigen Amerikaner besiegten und dort einen bis heute bitteren Nachgeschmack hinterliessen. Man könnte sagen, dass sich die Argentinier schon damals, natürlich unwissentlich, ihr Grab in London geschaufelt hatten: angetrieben von der Schmach in Athen etablierte Jerry Colangelo das neue Team USA Programm, das seit 2005 nachhaltig arbeitet und nur noch die besten Profis zu internationalen Turnieren abbeordert. Die Argentinier kämpften, wie schon in der Vorrunde, tapfer und hielten sich knapp 25 Minuten sehr gut. Der wieder einmal brillante Ginobili (18 Pts) hielt seine Farben zusammen mit Scola und Delfino (je 15) im Spiel (51-46), ehe Kevin Durant (19 Pts, 5 Dreier) und James (18/7/7) genug gesehen hatten und beschlossen, das Halbfinale Nummer zwei ad acta zu legen. Die zwei aktuell besten Basketballer unseres Planeten erzielten gemeinsam alle Zähler in einem vorentscheidenden 13-2 Lauf, der die Amerikaner auf 72-53 davon und damit ausser Reichweite katapultierte. Anthony traf später noch seine patentierten Dreier von der Ersatzbank. Insgesamt netzten die US-Boys 18 von Aussen ein und kurvten so einem letztlich ungefährdeten 109-83 Sieg entgegen. Damit war das Final-Rematch von 2008 gegen unverwüstliche Spanier perfekt.


Bronze: Russland 81, Argentinien 77

Normalerweise geht es im Spiel um Platz drei nicht mehr um allzu viel, und dementsprechend leger nehmen die meisten Mannschaften das Duell um die Bronzemedaille, die nur selten darüber hinweg trösten kann, dass man das Halbfinale zuvor verloren hat. Argentinien und Russland bildeten gestern eine erfreuliche Ausnahme zur Regel und duellierten sich 40 Minuten lang unerbittlich, bis tumultartige Szenen nach Spielschluss das Schicksal der goldenen argentinischen Generation besiegelten. Dieses gefährliche und sehr erfolgreiche Team wird so in dieser Form wohl nie wieder bei Olympia zusammen spielen (vielleicht gar nicht mehr international). Da tut die Art dieser Niederlage kurz vor dem Ende natürlich besonders weh. Der wieder einmal bärenstarke Ginobili (21 Punkte) schoss seine Farben 43 Sekunden vor Schluss zur 77-76 Führung, ehe der an diesem Tag noch stärkere Alexey Shved (13 seiner 25 Punkte im letzten Viertel) die Russen mit einem seiner insgesamt sechs Dreier wieder in Führung brachte. Die Gauchos hatten noch zwei Chancen: zuerst verfehlte Andres Nocioni einen Dreierversuch, und später verloren die Argentinier auf völlig absurde Weise ihren Ballbesitz, als unzählige Körper in einem Gedränge an der Mittellinie übereinander herflogen. Foul? Kein Foul? Die Refs liessen weiter laufen, der Ball landete bei den Russen und Vitaly Fridzon stellte mit einem Korbleger den finale Unterschied her. Die Südamerikaner bedrängten die Refs, Scola, Ginobili und Nocioni plädierten auf Foul, während Prigioni wie ein argentinischer Esel um sich trat und die Spieluhr auf's Parkett beförderte. Die Russen feierten währenddessen ihre erste Medaille bei einem olympischen Basketballturnier seit dem Ende des kalten Krieges und dem Zerfall der Sowjetunion. Mit diesem jungen, talentierten Team (Kirilenko, Shved, Mozgov, dazu Fridzon, Ponkrashov, Monya, Khryapa und Kaun), das gerne zusammen spielt, den Ball gut laufen lässt und gerne und hart verteidigt, sieht die Zukunft des internationalen russischen Basketballs wieder rosig aus.



Gold: USA 107, Spanien 100

Im spannendsten Olympia-Finale seit 1972, als die UdSSR gegen die Amerikaner noch 51-50 triumphiert hatte, sicherte sich das Team USA die Goldmedaille dank eines hart umkämpften 107-100 Sieges gegen exzellent mitspielende Spanier. Es war nicht einfach, und es sah zu keinem Zeitpunkt so spielerisch leicht und unbedrängt aus... (Hier weiterlesen)