03 August 2012



Der bisher höchstklassige Olympia-Tag ging mit einem weiteren, späten Spiel des Team USA zu Ende (sorry, 6 Uhr Frühaufsteher!). Man hätte aber schon nach dem 1. Viertel einfach aufrunden können. Zuvor entkamen die Spanier nur knapp einer Blamage gegen die Hausherren, nachdem sich die Russen und Brasilianer das wildeste Duell des Turniers geliefert hatten.


Frankreich 82, Litauen 74

Die Franzosen profitierten einmal mehr von ihrem starken NBA-Duo Parker/Batum und fertigten dank eines vorentscheidenden 20-9 Q3 die Litauer ab. Batum traf 8 seiner 11 Wurfversuche dank harter Drives zum Ring, während Parker sich mehr und mehr erholt zeigt von den Strapazen seiner Augenverletzung. Das Tempo kommt zurück, zusammen mit der Kondition und seiner bemerkenswerten Court Awareness. Nach dem Sieg gegen die Litauer (und zuvor gegen Argentinien) haben sich die Franzosen als zweitplatziertes Team hinter den USA für's Achtelfinale qualifiziert.

Australien 81, China 61

Die Aussies hatten absolut keine Mühen gegen unterklassige Chinesen, die ohne Yao Ming einfach keinen ernst zu nehmenden Basketball spielen können. Wang Shipeng war zwar on fire von Aussen (7-10 Dreier), aber Patty Mills (20) und David Andersen (17), die NBA-Cracks der Kangaroos, machten gegen die Asiaten, was und wann sie wollten. Während die Chinesen das Turnier ohne Sieg beenden werden - vor allem angesichts der Knieverletzung von Yi Jianlian - kämpfen die Australier im direkten Duell mit den Briten am Samstag um einen Platz im Viertelfinale.

Argentinien 92, Tunesien 69

Die Tunesier explodierten aus den Startlöchern und trafen zu Beginn jeden Wurf. Nach dem ersten Spielabschnitt stand es 28-14, die Trefferquote der Afrikaner lag bei unglaublichen 61%. Ich schrieb noch: Quote nicht haltbar. Und siehe da, die Tunesier verloren die nächsten drei Viertel mit kumulativen 78-41. Manu Ginobili setzte sein verschärftes Olympia-Turnier fort und machte mit 24 Punkten, 6 Rebounds, 3 Assists, 2 Steals, 9-12 FG, 4-4 Dreier und 0 TOs in 25 Minuten ein perfektes Spiel. Delfino erzielte 21, Scola war mit dem 20/10 Double Double ebenfalls stark. Alles nach Plan für die Argentinier, die sich und ihre alten Knochen für die Medaillenrunde schonen.

Russland 75, Brasilien 74

Das beste Spiel des noch jungen Turniers lieferten sich die Russen und die Brasilianer. Ein offener Schlagabtausch mit noch offenerem Visier, in dem sich kein Team entscheiden absetzen konnte. Die NBA-Stars standen im Rampenlicht: vielleicht-bald-LA-Laker Barbosa (16) bei den Brasilianern. Nugget Mozgov (18/7) und die beiden Neu-Timberwolves Kirilenko (19) und Shved (17) bei den Russen. Kurzzeitig hatte es so ausgesehen, als ob die Südamerikaner gewinnen würden, nachdem erst Barbosa, dann Larry Taylor auf 72-67 erhöht hatten. Shved netzte fünf in Folge ein, ehe Marcelinho Huertas mit einem lächerlich gut angeschnittenen off the glass Layer sechs Sekunden vor Schluss auf 74-72 erhöhte. Russland-Coach David Blatt ging auf's Ganze und zeichnete einen letzten, entscheidenden Dreier auf Reisbrett, den Vitaly Fridzon mit ein paar extra Haltungspunkten in der B-Note veredelte. Trotz Bodenfeger, der - wie vieles andere in dieser Partie - von den Refs nicht oder falsch geahndet wurde. Nicht nur, dass die Russen bisher wie ein echter Medaillenkandidat aufspielen. Gegen Spanien können sie am Samstag den Gruppensieg perfekt machen und dem Team USA so bis zum Finale aus dem Weg gehen.

Spanien 79, Großbritannien 78

Zweite Beinahe-Herzattacke für die Spanier bei diesem Tournament. Sie liessen GB erst viel zu lange in der Nähe herum lungern und hatten dann Glück, dass die Hausherren a) unerfahren, b) überfordert und c) qualitativ zu schlecht sind, um solche Geschenke anzunehmen. Deng und Freeland hatten die Briten in einem furiosen Schlussviertel Treffer für Treffer wieder heran gebracht, während die Spanier sind schlicht und ergreifend ideenlos agierten. Am Ende übernahm aber Jose Calderon mit acht Punkten (6-6 Freiwürfen) und einem Steal das Kommando und führte die Spanier zum knappen 79-78 Sieg. Souverän ist anders. Die Briten haben jetzt noch eine allerletzte Chance auf's Weiterkommen: am Samstag gegen Australien.

USA 156, Nigeria 73

War das deutlich genug? 49 Punkte im ersten Viertel und 156 Punkte insgesamt - die meisten Punkte aller Zeiten in einer Olympia-Partie. Das sind ganze 18 mehr als der vorherige Rekord (aufgestellt von den Brasilianern 1988 gegen Ägypten) und 29 mehr als der Original Dream Team Rekord. Die 83 Punkte Differenz waren 15 mehr als die alte Bestmarke (68). 68 war auch die alte Team USA High Trefferquote, die heute (71%) verbessert wurde. Noch nie hat eine amerikanische Mannschaft mehr Dreier in einer Partie segeln lassen (46), noch nie hat jemand mehr getroffen (29). Die Treffer von Downtown überboten die alte Bestmarke um 223%. Kein Spieler des Team USA leistete sich mehr als 1 Ballverlust (insgesamt nur 7). Alle US-Akteure ausser Davis, Chandler und LeBron James trafen mindestens einen Dreier. Der irrsinnigste Videospielcharakter war mit Sicherheit Carmelo Anthony, der in 14 Minuten Einsatzzeit 13-16 aus dem Feld und 10-12 von der Dreierlinie für insgesamt 37 Punkte verwandelte. Das bekommt ihr so in der Art doch nicht einmal auf eurer Videospielkonsole hin...


Lineup d. Tages:

G - Tony Parker (27 Pts, 5 Reb, 9-14 FG)
G - Manu Ginobili (24 Pts, 6 Reb, 4-4 Dreier, 9-12 FG)
F - Luol Deng (26 Pts, 9 Reb, 7 Ast, 10-20 FG)
F - Nicolas Batum (21 Pts, 6 Reb, 8-11 FG)
C - Luis Scola (20 Pts, 10 Reb, 5 Ast)
6. - Carmelo Anthony (37 Pts, 10 Dreier in 14 (!!!) Min.)

Spielplan Samstag:

Frankreich - Tunesien
Spanien - Russland
USA - Litauen
Brasilien - China
Großbritannien - Australien
Argentinien - Nigeria