05 August 2012



Am vierten von insgesamt fünf Vorrunden-Tagen intensivierte sich der Konkurrenzkampf mit den ersten (indirekten) Platzierungsspielen für's Viertelfinale.


Frankreich 73, Tunesien 69

Frankreich machte mit einem knappen 73-69 Sieg gegen Tunesien Platz zwei in Gruppe A klar (Argentinien muss noch gegen die US-Boys ran). Zwar war die Partie am Ende viel knapper, als die Blauen sich das vorgestellt hatten. Tony Parker hatte aber mit 13 seiner 22 Zähler im dritten Spielabschnitt für die de facto Vorentscheidung gesorgt - auch wenn die Afrikaner mit einem 29-13 Endspurt die Angelegenheit noch einmal spannend machten. Mohamed Hadiane liess es Dreier regnen, aber das 40-60 Loch war zu tief für die Tunesier. Nic Batum war neben Parker wieder einmal der auffälligste Akteur mit 19 Punkten und 8 Rebounds.

Russland 77, Spanien 74

Das absolute Highlight des Tages war sicherlich der knappe Comeback-Sieg der Russen gegen die hoch favorisierten Spanier. Ich hatte die Russen schon vor dem Turnier für eine Medaille eingeplant. Sieht ganz so aus, als müsste ich die Bronze-Prognose zu diesem Zeitpunkt aktualisieren, denn Platz 1 in Gruppe B garantiert, dass die Russen frühestens im Finale auf die Amis treffen können. Das Team von David Blatt erholte sich vom gigantischem 20-2 Rückstand zu Beginn und klotzte sich wieder ins Spiel zurück. Und das, obwohl Kirilenko (8) und Shved (0) blass blieben. Angeführt vom starken Vitaly Fridzon (24 Punkte) und einem ebenso selbstbewussten Anton Ponkrashov (14 Punkte, 11 Assists) dominierten die Russen das zweite und dritte Viertel 45-25 und machten im Q4 sogar einen 9-Punkte Rückstand wett. Pau Gasol vergab fünf Sekunden vor Schluss einen von zwei Freiwürfen zum Ausgleich. Die Chancen auf ein Final-Rematch von 2008 sind damit erheblich gesunken. Statt dessen könnte es zur hoch antizipierten Revanche für 1972 kommen, als die UdSSR in einem kontroversen Finale in München die USA auf Platz zwei verwiesen. Dieses Trauma haben die Amerikaner bis heute nicht überwunden.

USA 99, Litauen 94

Beinahe-Schock für den grossen Favoriten nach dem geschichtsträchtigen Park-Spaziergang gegen Nigeria. Nur zwei Tage nach dem Rekord-Sieg taten sich die NBA-Stars gegen intelligent operierende Litauer sichtlich schwer - weil die defensive Intensität und die Dringlichkeit fehlten und vorne jeder den Helden spielen wollte. So blieben die Balten über weite Strecken in Schlagweite und übernahmen im Q4 bei noch 7 Minuten auf der Spieluhr sogar die Führung (82-80) nach dem Dreier des starken Kleiza (...und danach noch einmal beim 84-82). Chris Paul und LeBron James rissen in der Schlussphase aber das Geschehen an sich. CP3 traf einen Dreier, verteilte drei Assists und schnappte sich hinten Rebounds und Steals, während James 9 der letzten 12 Punkte beim Team USA erzielte. Der Sieg wird den US-Boys sicherlich zu denken geben, während Head Coach Mike Krzyzewski im nächsten Training (freie Tage wird es angesichts der heutigen Leistung sicherlich keine mehr geben) vor allem die Defensive (58.5% FG und 21 Assists für die Litauer) und die Konzentrationsfähigkeit (nur 19-31 FTs) anprangern wird. Der Unterschied zugunsten der Amerikaner: 26 Punkte nach 23 erzwungenen Ballverlusten und 13 Offensivrebounds für viele leichte Zähler. Am Montag wartet gleich der nächste Test: Argentinien.

Brasilien 98, China 59

Brasilien machte mit den wieder einmal überforderten Chinesen kurzen Prozess - eine leichte Traningseinheit vor dem wichtigsten Spiel der Vorrunde gegen Spanien, das über Platz zwei in Gruppe B und damit indirekt über den einfacheren Weg ins Halbfinale entscheiden wird. Gegen China waren Leandro Barbosa mit 13 Punkten, Tiago Splitter mit 12 und Marquinhos Sousa mit 14 die wichtigsten Akteure in einem schwachen Spiel, das bei 25-9 bereits nach zehn Minuten entschieden war. Gähn!

Australien 106, Großbritannien 75

Ein absoluter Alptraum nach der Pause beendete die Olympia-Hoffnungen der Briten, die nach der deutlichen Niederlage gegen Australien keine Chance mehr auf's Weiterkommen haben. Dabei waren die Gastgeber nach 20 Minuten noch deutlich vorne (46-36) und hatten das Geschehen absolut im Griff. Bis zum Pausenpfiff. Die Aussies explodierten dann in Halbzeit zwei und zerbröselten die Briten mit einem unglaublichen 70-29 Lauf. Mann des Spiels war 1,83m Zwerg Patty Mills (San Antonio Spurs). Der erste Aborigine, der jemals ins australische Nationalteam (und natürlich auch in die NBA) berufen wurde, erzielte 39 Punkte - bisherige Turnierbestleistung und zwei mehr als Carmelo Anthony bei seiner 14-Minuten-Explosion gegen Nigeria am Donnerstag. Mills traf insgesamt fünf Dreier bei 14-22 aus dem Feld und führte seine Landesfarben damit ins olympische Viertelfinale. Ein Riesenerfolg!

Argentinien 93, Nigeria 79

Im letzten Spiel des Tages entledigten sich die Gauchos der athletischen Nigerianer ohne Mühen, stürmten zu einem 37-19 Auftaktviertel und spazierten zu einem nie gefährdeten 14-Punkte Sieg. Die Stars spielten nicht länger als 28 Minuten - genug, um mindestens Platz drei zu erreichen. Scola (22), Delfino (18), Nocioni (17) und Ginobili (13) machten deutlich, weshalb NBA-Spieler auf internationalem Niveau in der Regel dominieren. Im letzten Gruppenspiel bekommt es Argentinien mit den USA zu tun.


Lineup d. Tages:

G - Patty Mills (39 Pts, 5 Dreier, 14-22 FG)
G - Tony Parker (22 Pts, 3 Ast, 9-13 FG)
F - Linas Kleiza (25 Pts, 5 Reb, 3 Ast, 10-20 FG)
F - LeBron James (20 Pts, 5 Reb, 3 Stl, 9-14 FG)
C - Luis Scola (22 Pts, 7-11 FG in 25 Min.)
6. - Vitaly Fridzon (24 Pts, 3 Ast, 9-15 FG)

Spielplan Montag:

Australien - Russland
Tunesien - Litauen
Frankreich - Nigeria
Großbritannien - China
Brasilien - Spanien
Argentinien - USA