19 August 2012



Die langsamen Wochen des Jahres haben die Liga voll im Griff. Es scheint, als seien Free Agency und die Olympischen Spiele schon grenzenlos lange her. Es dauert noch 40 weitere Tage, bis die ersten Profis zum Medientag vor der neuen Saison antanzen müssen. Das sind Ewigkeiten! Und dennoch passiert hier und da mal etwas Bedeutendes. So zum Beispiel an diesem Wochenende, als der nahezu unfehlbare Adrian Wojnarowski via Yahoo enthüllte, dass die Oklahoma City Thunder sich mit ihrem Power Forward Serge Ibaka auf eine Vertragsverlängerung geeinigt haben. Die Extension bringt dem 22-Jährigen in den nächsten vier Jahren 48 Millionen Dollar ein und kickert zur Saison 2013-14.

Das sind dann umgerechnet 12 Millionen pro Jahr - wenn man davon ausgeht, dass der Verdienst gleichmässig auf die Laufzeit verteilt wird - und kommuniziert dem geneigten NBA-Beobachter gleich mehrere Dinge. Zum einen, dass Oklahoma City dank des perfekten Timings dieser Verlängerung einen Lokal-Rabatt erhielt und Ibaka sich mit einem Betrag zufrieden gab, der wohl unter seinem maximalen Marktwert liegt. Zum anderen: dass die Thunder keinen Deut von ihrem Langzeitplan abweichen werden. Sowohl 'Air Congo' als auch Mannschaftskollege James Harden sind nächsten Sommer offiziell Free Agents. Oder präziser: "wären geworden" (in Ibaka's Fall) und "könnten werden" (in Harden's Fall). Beide Spieler dürfen seit dem 1. Juli dieses Jahres Vertragsverlängerungen mit ihrem Heimatverein aushandeln. Und von beiden hatte man angenommen, dass sie als Free Agents einen Maximal-Deal angeboten bekommen (hätten). Harden wurde heuer als bester 6. Mann der Liga ausgezeichnet und gilt allgemein als All-Star Kaliber und Franchise-Typ, der sicherlich einen neuen Deal im Max-Level Bereich erhalten wird. Ibaka zählt zu den drei besten Verteidigern der Liga (7.5 Rebounds, 3.6 Blocks in 27.2 MPG) und scheint gleichzeitig durchaus befähigt, auch offensiv beizutragen (9.1 PPG, 54% FG). Angesichts seines zarten Alters, den schnellen Lernfortschritten bei den Thunder/in der spanischen Nationalmannschaft und seiner dokumentiert-perfekten Arbeitseinstellung fällt es nicht allzu schwer, ihn auf eine Stufe mit den Brook Lopez' (13.7 Mio. $), Emeka Okafors (13.4 Mio. $), Andrew Boguts und Nenes (je 13 Mio. $), Joakim Noahs (11.3 Mio. $), DeAndre Jordans (10.3 Mio. $) und Javale McGees (10 Mio. $) dieser Liga zu stellen, was seinen reinen Marktwert anbelangt. Das Jahr ist 2012, und so ziemlich jedes NBA-Team ist gewillt, für Impact Big Men horrende Summen hinzublättern. Dadurch, dass GM Sam Presti seinen Power Forward/Center der Zukunft gar nicht erst den offenen Markt erreichen liess (und/oder Ibaka sich mit 12 pro Jahr begnügt), sparen die Thunder bare Münze ein.

Münze, die der Club für eine weitere, dringende Vertragsverlängerung benötigt: James Harden ist für zukünftige Erfolge des amtierenden Western Conference Champions mindestens ebenso wichtig wie Ibaka. Und in der Tat kann man diese Extension hier nicht isoliert betrachten, sondern muss aus Thunder-Sicht auch auf die Personalie Harden eingehen. Die Befürchtung vieler Fans war ja schon vor langer Zeit, dass Oklahoma City, einer der kleinsten Märkte der Liga, unmöglich Durant, Westbrook, Harden und Ibaka langfristig halten können wird. Ich habe es aber schon die ganze Zeit über, auf allen erdenklichen Plattformen, fast mantraartig wiederholt: doch, sie können! Zum einen wissen wir nicht, ob Teambesitzer Clay Bennett nicht einfach die Luxussteuer bezahlen wird, egal, wie hoch diese auch ausfallen mag. Immerhin kosten Championship-Contender Geld. Und Bennett, der den ganz harten Weg einer Relocation (und das damit verbundene Kidnappen/Traumatisieren eines klassischen NBA-Marktes im hohen Nordwesten) ging, scheint mehr als gewillt zu sein, die Bankkonten zu öffnen, um einen Winner zu finanzieren. Zum anderen hat OKC immer noch genügend Zeit, um seine anderen Optionen zu untersuchen. Vielleicht schlägt ja eines der vielen billigen Big Men Versuchskaninchen irgendwann an (Cole Aldrich, Perry Jones, Hasheem Thabeet, Daniel Orton, etc). Vielleicht tradet man Kendrick Perkins, der in den nächsten drei Jahren die ihm noch zustehenden 27 Millionen Dollar wohl kaum rechtfertigen wird (obwohl dieses Szenario nach dem Wechsel von Dwight Howard in den Westen weniger realistisch geworden ist). Es bleibt auch noch die Möglichkeit, Perkins einfach via Amnesty Clause zu entlassen, falls die Cap-Mathematik trotz der Einsparungen durch die Verlängerungen für Ibaka und Westbrook im Januar (beide haben im Prinzip Geld auf dem Tisch liegen lassen) nicht hinhaut. Die Luxussteuern werden ab der kommenden Saison unerbittlich, und jeder eingesparte Dollar könnte unter'm Strich dann mehr als dreimal so viel wert sein.

Oklahoma City hat mit der Verlängerung für Serge Ibaka bewiesen, dass man den Plan, sich langfristig mit dem Durant-Westbrook-Harden-Ibaka Nukleus ganz oben zu positionieren, mit Nachdruck verfolgt. Auch wenn dieser Vierer-Nukleus ab 2013/14 umgerechnet mehr als 58 Millionen Dollar kosten wird (17.8 für Durant, 14.7 für Westbrook, ca. 12 für Ibaka, minimum 13.5 für Harden). Man wäre bis mindestens 2017 Jahr für Jahr der Favorit, was das Erreichen des Western Conference Finals anbelangt. Presti hat bereits betont, dass er fleissig mit Harden's Repräsentanten weiter verhandelt, weil er den Bart als essentiellen Teil seines Teams ansieht, und dass das Timing dieses Ibaka-Moves reiner Zufall war: "Diese Dinge haben ihre ganz eigene Dynamik. Wir werden natürlich weiterhin mit James (Harden) weiter verhandeln. Wir schätzen ihn sehr hoch ein. Wir wünschen uns, dass er auch in Zukunft ein Teil unserer Organisation bleibt. Wir sind begeistert, ihn bei uns zu haben und hoffen, dass er noch viele weitere Jahre hier sein wird." Und Harden hat schon im Juni indirekt darauf hingewiesen, ebenso wie Westbrook und jetzt Ibaka mehr als gewillt zu sein, auf Max-Geld zu verzichten, um seinen Traum von einer Meisterschaft in Oklahoma City verwirklichen zu können (ähnlich, wie es auch die grossen Drei in Miami getan haben, die ebenfalls unter Marktwert unterschrieben, um zusammen zu spielen): "Ich liebe es hier. Das hier ist etwas ganz Besonderes. Eine Dynastie entsteht hier. Wir gewinnen, haben zusammen Spass und sind wie Brüder. Das alles kann dir kein Geld der Welt kaufen!" Man darf sich also sicher sein, dass Presti, Harden und die Oklahoma City Thunder irgendwie schon einen Weg finden werden. Irgendwie.