29 Oktober 2012


John Wall, immer noch hypnotisiert von den Eskapaden seiner alten Wizards-Kollegen (Photo: Jerome Frederick)

Letztes Jahr: 20-46 (.303)
Die Washington Bullets Wizards waren in den letzten Jahren wie eine schlechte Ausgabe der "Itchy & Scratchy" Show: viel Klamauk, viel Gewalt, und noch mehr Sinnlosigkeit. Wer dachte, dass nach Arenas und Crittenton nichts mehr Lustiges passieren würde, war falsch gewickelt wie ein schiefer Turban. Ob dicker Blatche, Javales Eskapaden oder Nick Youngs "Eff this shit" Mentalität, in Washington war für ausreichend Abendunterhaltung gesorgt. Irgendwann zwischen all den Highlights wurde auch noch der alte Coach gefeuert und mit dem Interimscoach ersetzt, der jetzt der neue Coach ist. Dass "Franchise-Spieler" Wall inmitten dieser Zirkus-Atmosphäre keine neuen Tricks lernte und null Fortschritte in seinem Game machte, muss nicht gesondert erwähnt werden. Die Playoffs konnte man in der Hauptstadt nicht einmal mit dem Fernglas erkennen.

Abgänge: Andray Blatche, Rashard Lewis, James Singleton, Morris Almond, Maurice Evans
Zugänge: Bradley Beal, Emeka Okafor, Trevor Ariza, Jannero Pargo, AJ Price, Martell Webster, Earl Barron

Kader:


Check:
Die gute Nachricht zuerst: die Wizards werden besser sein als letztes Jahr. Die Ankunft von Nene aus Denver signalisierte eine veränderte Sichtweise auf die Dinge in Washington. Mit Okafor und Ariza holte GM Ernie Grunfeld in einem spielerisch einseitigen Trade vor dem Draft zwei solide Rotationsspieler aus New Orleans. Dann wählte er Scharfschütze Brad Beal mit dem dritten Pick aus und füllte so eine grosse Dringlichkeit im Kader. Beal bildet nun mit Wall das anvisierte Backcourt-Traumpaar der Zukunft. Der eine kann werfen, der andere slashen und kreieren. Wenn beide Guards ihr Potential irgendwann in on-court Produktivität umwandeln, sieht's rosig aus für Washington. Einziges Problem: mit den Transaktionen des Sommers geht man mit diesem Kader "all in" und hat keinerlei finanzielle Spielräume mehr für grosse Anpassungen. Nene, Okafor, Booker und Seraphin formen eine gute Big Man Rotation, die solide verteidigt und den Fast Break laufen kann. Und Crawford, der noch nie allzu schüchtern war, bringt "Instant Offense" von der Bank. Versteht mich nicht falsch: es ist leicht nachvollziehbar, warum das Front Office nach Jahren des Klamauks und unzähligen Kindsköpfen im Kader nun die professionellere Route gegangen ist. Man will aus Wall das Maximale heraus kitzeln und feststellen, ob er als Franchise-Spieler überhaupt geeignet ist. Aber selbst, wenn er nach seiner Rückkehr von einer Knieverletzung die beste Saison seines Lebens spielt: wie gut kann Washington im Idealfall sein? Sind die Playoffs realistisch? Wohl nur, wenn alle Puzzlestücke zusammen finden, die Offensive besser harmoniert als letzte Saison (Platz 28) und die Defensive dank Okafor und Ariza Quantensprünge macht. Auch dann ist Runde eins das Höchste der Gefühle. Verzeiht mir also, wenn ich weiterhin skeptisch bleibe, auch weil Nene und Wall bereits vor dem ersten Tip angeschlagen sind.

Prognose: Platz 12, Eastern Conference