14 November 2012



von  Onur Alagöz   @NothingButNetDe

Die Twitter-Community überschlug sich beinahe mit Gerüchten, angeblichen Tatsachen und voreiligen Analysen. Der Zen-Meister ist zurück, der Deal ist unter Dach und Fach, der Titel geht (wieder einmal) nur über L.A. Berichten zufolge hatten sich Jim Buss, Mitch Kupchak und Phil Jacksons Freundin und Tochter des Teambesitzers, Jeannie Buss, mit dem 67-jährigen Coach getroffen und ein Arrangement war „zu 95%“ sicher.

Pustekuchen. Am Montagmorgen ließen Quellen der L.A. Times als Erste verlauten, man habe sich stattdessen mit dem ehemaligen Phoenix Suns und New York Knicks Coach Mike D’Antoni auf einen Vier-Jahres-Deal geeinigt. Bevor nun Hasstiraden und Suizidandrohungen seitens der Lakers-Fans kommen, muss man sich eine unumstößliche Tatsache stets vor Augen halten: Kein Coach garantiert einen Titel. Auch Jackson, der immerhin elf dieser Schmuckstücke an seinen Fingern spazieren trägt, ist kein Übermensch, sondern nur ein exzellenter Coach. Jax‘ Motivationskünste und Buchempfehlungen mögen sondergleichen sein, aber kein Übungsleiter auf dem Markt wäre eine perfekte Verpflichtung für diesen Kader gewesen.

D’Antoni, zuletzt Assistant Coach des US-Olympiateams, bringt jede Menge Fachwissen, Können und Egomanagement mit ins Staples Center. Mit Kobe Bryant, Dwight Howard und Steve Nash sind drei der vier Stars bereits einmal unter seinen Fittichen in einem Erfolgsumfeld gewesen. Ob im Team USA respektive Phoenix Suns, D'Antoni ist unter diesen Spielern beliebt und besitzt die nötige Durchsetzungsfähigkeit, um eine Einheit zu formen.

Betrachtet man die verschiedenen Offensivphilosophien von Jackson und D’Antoni, fällt einem ins Auge, dass keine der beiden Herangehensweisen ideal wäre. Die Triangle Offense von Phil Jackson hätte Steve Nashs Spielwitz und –intelligenz beschneiden müssen, D’Antonis Ansatz nimmt dagegen ein wenig von Kobes individueller Klasse ab. Aber hier kommt der Kicker: Das ist durchaus in Ordnung so. MDA kann aus dem Dwight Howard-Steve Nash Tandem das Maximum heraus kitzeln, Pick and Roll-Orgien feiern und dabei aus Gasol einen besseren Boris Diaw formen. Es hat sich im Team USA gezeigt, wie effizient und spielentscheidend Kobe sein kann, wenn er sich auf Defense und freie Jumpshots konzentrieren kann. Zumindest aus der Starting Five lässt sich also die bestmögliche Offensivpotenz extrahieren.

Die Bank der Lakers ist nach wie vor ein Problem, was allerdings mit dem Personal und dessen Athletik, beziehungsweise dem eklatanten Mangel dessen, zusammen hängt. Immerhin hat man mit Jodie Meeks und Antawn Jamison zwei ordentliche Sniper, die den ein oder anderen Dreier einstreuen können. Chris Duhon hatte seine beste Saison unter D’Antoni in New York und Jordan Hill kann im Pick & Roll durchaus abschließen. 

Verschrien als reiner Offensivfetischist, wird in den nächsten Tagen hundertfach kritisiert werden, dass D'Antonis Defensive Anpassungen und Verbesserungen benötigt, nicht die Offensive. Letzte Saison rangierten die Knicks aber unter den Top 10 in der Defensive Efficiency mit Tyson Chandler als Anker und Koordinator der Verteidigung. Howard ist von den kommunikativen Fähigkeiten her nicht ganz wie Chandler, bietet aber als letzte Hürde Unmengen von Möglichkeiten für die Vorderleute, um aggressiv zu Werke zu gehen.

Wir sind in der NBA, hier werden Entscheidungen von kühl kalkulierenden Managern wie Mitch Kupchak nicht aus dem Bauch heraus oder auf Grund persönlicher Sympathien getroffen. Geschäft ist Geschäft. Mister Kupchak weiß definitiv, was er da tut. Mich würde es dennoch nicht wundern, wenn die ersten Spiele unter D'Antoni ein wenig holprig werden. Auch die ein oder andere Niederlage wird sich kaum vermeiden lassen. Letzten Endes wurde hier jedoch ein Zeichen gesetzt und eine Wahl getroffen, rechtzeitig und frühzeitig, um die Saison nicht weiter zu gefährden. Nach wie vor ist für die Lakers alles drin, schwieriger als zuletzt kann es kaum werden. Man wird schnell sehen, ob der neue Sheriff in der Stadt wieder Ordnung einkehren lassen kann.