29 November 2012




 Blowout-Mittwoch: Elf Partien standen auf dem Programm, und acht davon waren bereits während des Tipoffs entschieden. Die Spurs holzen Orlando nieder (was sonst?), Brooklyn "schlägt" Boston, Detroit kloppt die Suns mit 40 (!), New York rasiert Milwaukee, die Bullen spiessen die Fohlen auf, Grizzlies fressen Dinos bei lebendigem Leib, die Jazzmusikanten spielen New Orleans das Lied vom Tod und die Thunder empfangen den verlorenen Sohn James Harden mit einer 22-Punkte Packung in Oklahoma City. Davon abgesehen war es aber ein verdammt spannender Abend... nicht.

 Stop the Beard: die Mission der Oklahoma City Thunder war von der ersten Sekunde an überdeutlich. Man wollte James Harden aus dem Spiel nehmen und ihm das Leben so unangenehm wie möglich machen. Gesagt, getan. Nonstop verfolgt von Kevin Durant oder Thabo Sefolosha und phasenweise von der gesamten Thunder-Mannschaft beschattet (in einer Szene packen alle fünf Thunder-Spieler die Strongside zu, alle Blicke in Richtung Harden gerichtet), verfehlte OKCs ehemals liebster Bart 13 seiner 16 Würfe aus dem Feld und produzierte 3 Turnovers. Sein bester Kumpel Durant kam derweil auf 37 Punkte bei 13-22 FGs. Und jetzt ratet mal, welches Team um den Titel mitspielt und welches nicht...

 Vier Fäuste für ein Hallelujah: Kurz vor der Halbzeit gingen die Gäuler mit Rajon Rondo und Kris Humphries durch. Der Nets-Forward foulte Kevin Garnett bei dessen Drive knapp 30 Sekunden vor dem Pausentee, Rondo war 'not amused' und schubste Humphries unter den Korb, wo der sich prompt revanchierte und ein kleines Massentechtelmechtel auslöste. Kevin Garnett und Gerald Wallace tauschten auch noch ein paar Nettigkeiten aus. Bilanz des schwarz-weissgrünen Meetings: technische Fouls für KG und Crash (für Wallace war es bereits das Zweite und damit die Aufforderung, frühzeitig duschen zu gehen) und Ejections für Humphries und Rondo. Letztere dürfen, angesichts von Stu Jacksons Vorliebe für empfindliche Spielsperren nach solchen Ereignissen, für's Wochenende also schon einmal andere Pläne machen. Garnett und Wallace eventuell auch.




 Genius des Tages: Rajon Rondo. In so einer Situation eine Schlägerei anzuzetteln und damit alle Chancen auf ein Comeback-W gegen die Nets in Halbzeit zwei aus dem Fenster zu werfen, ist schon beeindruckend genug. Auf die Art aber auch noch die eigene Jagd nach dem All-Time-NBA-Double-Digit-Magic-Johnson-Assistrekord zu sabotieren, ist definitiv smarter als Tommy Heinsohn erlaubt und damit absolut unbezahlbares NBA-Entertainment.

 Billups-Comeback: "Es wird eine Weile dauern, bis alles wieder beim Alten ist, aber es geht nichts über das Gefühl, wieder auf dem Platz zu stehen." Knapp zehn Monate nach seiner Achillessehnenruptur kehrte der ex-Finals-MVP - früher als erwartet - in die Startformation zurück und half den Clippers mit 8 Punkten und 3 Assists, eine 4-Spiele-Pleitenserie zu beenden. LA besiegte die Minnesota Timberwolves 101-95 dank eines perfekten Spiels von Chris Paul (23 Pts, 11 Ast, 1 TO)

 D-Fish-Comeback: Es rauschte schon gestern durch den Blätterwald und wurde heute bestätigt. Die Dallas Mavericks reagieren auf die Fingerverletzung von Darren Collison und verpflichten 'Old Man River' Derek Fisher. Der 83- 38-Jährige wollte ja eigentlich nur bei einem Contender unterschreiben. Rick Carlisles Frustration mit seinen "Point Guards" Darren Collison, Rodrigue Beaubois und Dominique Jones erreichte nach der Niederlage in Chicago aber einen neuen Tiefpunkt und zwang ihn zum Handeln. Das kann schon mal passieren, wenn man die mieseste PG-Rotation der Liga mit sich herum schleifen muss. Es würde mich nicht wundern, wenn Fisher bereits am Wochenende sein erstes Spiel als Mavs-Starter macht.

 Rubio-Comeback (fast): der Spanier erhielt von den Docs grünes Licht, im Training mit Vollkontakt mitzugehen. Coach Adelman will seinen etatmässigen Starter ca. zwei Wochen intensiv beobachten und währenddessen entscheiden, wann 'La Pistola' wieder in die Lineup zurück kehren darf. Definitiv vor Weihnachten, soviel steht fest.

 Byron Scott, Philosoph: Clevelands Coach mit einer erfrischend ehrlichen Einschätzung der mittelgrossen bis gigantischen Cavaliers-Probleme ohne Kyrie Irving (dafür aber mit Jeremy Pargo/Dion Waiters im Spielaufbau):




 Konfetti: Wizards win!!! Die Washington Generals Wizards "besiegen" nach hartem Kampf die angeschlagenen Portland Trail Blazers in eigener Halle mit 84-82 und retten damit unweigerlich den Arsch von Head Coach Randy Wittman, der bei 1-2 weiteren Niederlagen wohl freiwillig seinen Hut hätte nehmen müssen. Eigentlich war es weniger ein Sieg, als ein Überlebenstrip. Washington traf im Schlussviertel über sieben Minuten keinen Korb und kassierte einen 15-0 Lauf. Portland, das sich derzeit auf einer 7-Spiele Auswärts-Tour befindet, bekam aber ganz müde Beine und verpasste das Comeback-W. So dürfen wir wenigstens weiter hoffen, dass Wiz-Man Wittman das grosse Ziel erreicht: 8-74!

 Streaky: Atlanta (6W in Folge), San Antonio (5), Brooklyn (4) und Memphis respektive OKC (3) halten ihre Siegesserien aufrecht und stärken ihre Positionen als Spitzenteams ihrer Conference.

 Lineup d. Tages:
G  Chris Paul - 23 Pts, 11 Ast, 3 Stl, 1 TO, 7-13 FG
G  Jerry Stackhouse - 17 Pts, 5-6 FG, 5 Dreier, 3 Stl
F  Kevin Durant - 37 Pts, 7 Reb, 4 Ast, 13-22 FG
F  Josh Smith - 17 Pts, 13 Reb, 6 Ast, 3 Stl, 5 Blk
C  Serge Ibaka - 23 Pts, 9 Reb, 6 Blk, 11-13 FG
6  Ben Gordon - 26 Pts, 4 Reb, 3 Ast, 7 Dreier in 27 Min.

 Zitat d. Tages:
"Ich hätte niemals nach New York gehen sollen. Ich hätte in Phoenix ausharren und kämpfen sollen. Man bekommt nicht oft Gelegenheit, jemanden wie ihn (Nash) zu coachen. Das muss man würdigen, und das habe ich nicht getan. Wir waren frustriert, ich war frustriert. Wir waren immer so kurz davor, wir hätten es verdient gehabt, aber immer ist irgend etwas passiert. Vielleicht waren wir auch nicht gut genug, wer weiss. Und ich habe völlig unbedacht, direkt nach der Saison, gehandelt. Man sollte sich einen Monat Zeit lassen für solche Dinge. Ich hätte nicht weggehen dürfen. Das war alles meine Schuld." (Mike D'Antoni)