07 November 2012


Nur zwei dieser drei talentierten Youngster haben langfristige finanzielle Sicherheit bei ihren Clubs (Photos: GAMEFACE)

Vergangene Woche begann nicht nur die 67. NBA-Saison mit einem Knall. Vergangene Woche lief auch die Deadline ab für jene Teams, die sich mit ihren Spielern aus dem 2009er Draft-Jahrgang auf eine Vertragsverlängerung einigen wollten. Alle Rookie-Deals in der NBA laufen zwei Jahre, mit Team-Option auf ein drittes. Will man danach weiter zusammen arbeiten, muss verlängert werden. Heisst im Klartext: die Spieler, die sich mit ihren Clubs nicht vor dem 1. November auf einen neuen Deal einigen konnten, werden im kommenden Sommer zu Restricted Free Agents. Das muss nicht zwingend heissen, dass sich besagte Spieler ein neues Team suchen müssen: die Möglichkeit, die 'offer sheets' anderer Teams abzugleichen, erhalten sich die Arbeitgeber nach wie vor. Dessen ungeachtet offenbarten die zum Teil verblüffenden Entscheidungen der Teams, wo ihnen der Kopf steht und wo vielleicht in den nächsten Monaten eine neue Richtung eingeschlagen wird.


1. Blake Griffin - Los Angeles Clippers (5 Jahre, 100 Mio. $)
Der Nummer Eins Pick unterschrieb schon vor Monaten einen neuen, lukrativen Max-Vertrag, der ihm in Los Angeles bis zu 100 Millionen Dollar einbringt, wenn er es ins All-Star Team oder in eines der drei All-NBA Teams schafft. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei dokumentierten 100 Prozent. Ein logischer Schritt der Clippers in dieser Situation: Folgeverträge für echte Superstars zählen direkt nach Rookie-Deals zu den lukrativsten in der NBA. Selbstläufer!

2. Hasheem Thabeet - Oklahoma City Thunder
Thabeet konnte nie die hohen Erwartungen an ihn erfüllen und wurde in seinen drei Profijahren herum gereicht wie der Sammelteller in der Sonntagsmesse. Oklahoma City verpflichtete ihn im Sommer für's Minimum und hofft auf den vereinzelten Blocked Shot, hier und da mal...

3. James Harden - Houston Rockets (5 Jahre, 80 Mio. $)
Der amtierende Sixth Man of the Year lehnte OKCs letztes Angebot (4 Jahre/54 Mio. $) ab und wurde kurz darauf nach Houston getradet. Harden behauptet, das Thunder-Management habe ihm nur knapp eine Stunde Bedenkzeit gegeben. So oder so: in Houston erhielt der dezente Bartträger das gewünschte fünfte Vertragsjahr und das Maximum an Gehalt, das ihm Sam Presti in Oklahoma nicht hatte bieten können (weil Westbrook bereits der designierte Nachwuchsspieler ist und immer nur ein junger Akteur pro Kader eine fünfjährige Verlängerung erhalten darf). Bei bisher 35 Punkten im Schnitt von Harden und zwei frühen Auswärtssiegen der Rockets kann man ruhigen Gewissens sagen, dass GM Daryl Morey diese Kohle bestens angelegt und hier sogar ein Schnäppchen gemacht hat.

4. Tyreke Evans - Sacramento Kings (kein neuer Deal)
Der Posterboy für enttäuschte Wunschvorstellungen. Nach einer spektakulären 20-5-5 Rookie-Saison und dem Titel des besten Frischlings seines Jahrgangs baute Evans spielerisch immer mehr ab. Die Kings waren sich offensichtlich nicht allzu sicher mit Evans und der Point Guard Sache und fingen an, ihn auf dem Court hin und her zu schieben. Mangelnde Vorbilder in Sacramento, aber natürlich auch Evans Charakter, trugen maßgeblich dazu bei, dass er spielerisch keinen Deut gewachsen ist und das Kings-Management nicht davon überzeugen konnte, langfristig in ihn zu investieren. Das Tischtuch ist noch nicht zerschnitten. Tyreke kann mit einer produktiven Saison seinen Marktwert erheblich steigern und sich bei anderen Mannschaften als lukratives Investitionsobjekt ins Gespräch bringen. Und die Kings können noch ein weiteres Jahr abwägen, ob Evans wirklich zu den Königen (... oder Sonics) der Zukunft gehören soll und es sich lohnt, ihn 2013 fürstlich zu entlohnen. Bisher kommt Evans in der neuen Spielzeit auf mickrige 11 Punkte im Schnitt bei 33 Prozent aus dem Feld. Werft die Trade-Maschinen an!

5. Ricky Rubio - Minnesota Timberwolves
Da Rubio erst 2011, also zwei Jahre, nachdem er von GM-Legende David Kahn gedraftet wurde, über den grossen Teich wechselte, kommt er frühestens 2014 für seinen ersten dicken Zahltag in Betracht. Es ist das am schlechtesten gehütete Geheimnis der NBA, dass Kahn einen irren Mancrush für Ricky entwickelt hat und ihn mit goldenen Dukaten nur so überhäufen wird (5 Jahre Max Deal. Siehe auch Griffin, Blake), wenn der Extension-Tag endlich kommt. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb Kevin Love nur einen 4-Jahres-Deal erhielt, mit Ausstiegsklausel nach Jahr drei: Kahn schätzt Rubio weitaus höher ein als All-NBA Forward Love.

6. Jonny Flynn - ohne Verein
Der zweite PG-Pick in Folge des verkannten Genies Kahn, den ihr niemals begreifen werdet. Flynn scheiterte in Minnesota, Houston und Portland und spielt mittlerweile in Australien. Dort steht man übrigens auch auf Point Guards.

7. Stephen Curry - Golden State Warriors (4 Jahre/44 Mio. $)
Bist du der "Glas halb voll" oder "Glas halb leer" Typ? Je nachdem kann man Currys neuen 4-Jahres Deal bei den Dubs nämlich als Schnäppchen oder als grosses Desaster bezeichnen. Bleibt Curry gesund, dann sind knapp zehn Millionen pro Jahr für einen Fast-Allstar und Franchise-Spieler fast schon geschenkt. Wenn Curry spielt - das hat er schon häufig bewiesen - gehört er zu den tödlichsten Schützen und vielseitigsten Playmakern in der NBA, der sein Team auf dem Parkett besser macht und zu Siegen führt. Einziges Problem: seine Sprunggelenke sind aus Pappmaché. Sollte Curry seine Karriere also aufgrund seiner chronischen Beschwerden frühzeitig beenden müssen oder aber einen Großteil seiner Produktivität einbüßen, haben die Warriors ein ernstes 44 Millionen Dollar Problem. No Risk, no Fun, oder?

8. Jordan Hill - Los Angeles Lakers
Hill wurde ursprünglich von den New York Knicks selektiert und nach Houston getradet, wo er nie den Sprung zum Starter schaffte und via Derek Fisher Trade bei den Lakers landete. LA unterbreitete dem Big Man bereits in diesem Sommer eine zweijährige Verlängerung und bezahlt ihm dafür acht Millionen Dollar.

9. DeMar DeRozan - Toronto Raptors (4 Jahre/38 Mio. $)
Verblüffende Entscheidung aus Toronto, vor allem zu diesem Preis. Zehn Millionen pro Jahr für einen eindimensionalen Spieler, der dieses Team keinen Deut weiter bringt? Kann ich nicht begreifen. Colangelo glaubt in Toronto nach wie vor, in DeRozan einen künftigen Star vor sich zu haben, und lässt sich nur allzu leicht blenden von dessen überragender Athletik. Das Scoring ist zwar da - bei einem Team, das offensiv so am Hungertuch nagt auch nicht weiter verwunderlich - aber alle metrischen Daten suggerieren, dass DeRozan nie den erhofften Sprung machen wird. Seine Trefferquote (von 50 auf 42%) und seine Reboundrate (von 7.9 auf 5.6) sind seit seinem Rookie-Jahr stetig gesunken, den Dreier hat er noch immer nicht in sein Repertoire aufgenommen, und seine Defense ist höchstens Mittelmaß. Schlimmer noch: Toronto manövriert sich somit langfristig über den Cap, ohne hier überhaupt in Zugzwang gewesen zu sein. DeRozan hätte man gut und gerne erst im Sommer verlängern und noch ein weiteres Jahr evaluieren können. Ist er knapp 40 Millionen überhaupt wert? Das alte, stupide "Sich-Selbst-Überbieten-Spiel" eben. Es sind Deals wie diese, vor denen man die NBA-Besitzer eigentlich schützen wollte.

10. Brandon Jennings - Milwaukee Bucks (kein neuer Deal)
Überraschung, Überraschung! Entweder planen die Bucks den ganz harten Reset im Sommer und erachten nicht einmal ihren Top-10 Point Guard als Keeper-Material. Oder aber, man will Jennings ohne Vertrag schmoren lassen und ihn so künstlich motivieren, noch einen Schritt weiter nach vorne und in die All-Star Elite zu machen. "Er muss effizienter werden. Das wird ein wichtiges Jahr für ihn", lässt Coach Scott Skiles, der ebenfalls nur noch bis Juni unter Vertrag steht, keinen Zweifel an den Vorstellungen der Bucks. Im Gegensatz zu Spielern wie Evans und DeRozan wurde Jennings von Jahr zu Jahr immer ein wenig besser und gipfelte bei zuletzt 19.1 PPG und 5.5 APG. Eigentlich nicht schlecht, aber immer noch zu wenig für Milwaukee, das von Jennings noch mehr All-Around Spiel und höhere Trefferquoten erwartet. Der 23-Jährige scheint zu ahnen, was die Stunde geschlagen hat: "Kein Problem für mich. Dann spiele ich eben bei allen anderen Teams vor und behandle die Saison wie ein sechs Monate langes Casting." Jennings wird im Sommer absahnen. Ob in Wisconsin oder ganz woanders, ist ihm offensichtlich völlig egal.

17. Jrue Holiday - Philadelphia 76ers (4 Jahre/41 Mio. $)
Zehn Millionen pro Jahr für einen 22-Jährigen, der bisher nicht geglänzt hat, scheinen zwar riskant zu sein. Zumal Holiday in seinem dritten Jahr einen Schritt zurück machte (von 14 PPG/6.5 APG auf 13.5 PPG/4.5 APG). Aber die Sixers glauben an ihren neuen, jungen Kern um Holiday und Bynum. Den einen haben sie zwar noch nicht verlängert (und bisher noch nicht einmal auf dem Parkett gesehen), aber wenigstens bleibt der 22-jährige Point Guard bis mindestens 2017 in Philly. Ohne die abgewanderten Andre Iguodala und Lou Williams hat Holiday jetzt mehr Möglichkeiten zu glänzen, als je zuvor. Kann er das in einer full-time Rolle? Philly ist überzeugt. Riskanter Move, aber nachvollziehbar.

18. Ty Lawson - Denver Nuggets (4 Jahre/48 Mio. $)
Wer aufmerksam war, dem ist sicher aufgefallen, dass Lawson hinter Griffin und Harden das meiste Geld einsackte. Zurecht: der Nuggets-PG ist der wohl wichtigste Mann in Denver, der Motor, der den Highspeed-Sportwagen auf Hochtouren hält. Zwar nur knapp 1,80m gross und langfristig sicherlich kein Superstar in dieser Liga, ist Lawson in diesem Grössenbereich aber vielleicht sogar unterbezahlt. Nach 16.4 PPG und 6.6 APG in der letzten Saison und lukrativen neuen Deals für Danilo Gallinari und Javale McGee war die Extension für Lawson ein Selbstläufer. Der Spielmacher ist erst 25, kommt jetzt in sein bestes Basketballer-Alter und zählt zum Lineup-Kern, mit dem George Karl im Westen angreifen will.

26. Taj Gibson - Chicago Bulls (4 Jahre/32 Mio. $)
Kein schlechter Deal für den 26. Pick, der sich in Chicago durch harten Einsatz und 100%ige Professionalität unentbehrlich gemacht und dieses Geld mehr als verdient hat. Er scort wenig, zählt aber zu den besten Reboundern und Verteidigern auf pro-Minute Basis und hätte im kommenden Sommer unzählige Angebote von anderen Teams erhalten. Nachdem die Bulls erst kürzlich Omer Asik durch so eine Free Agency "Giftpille" an Houston verloren hatten, wollten sie das Risiko kein zweites Mal eingehen und machten schnell den Deal mit Gibson klar. Für acht Millionen Dollar pro Jahr hat man bei seinem nächsten Starter auf der Vier sogar ein waschechtes Schnäppchen gemacht. Carlos Boozer wird im Sommer mit ziemlicher Sicherheit amnestiert. Gibson rückt dann - sehr zur Freude von Defensivliebhaber Tom Thibodeau - in die Starting Lineup.