04 November 2012


Es ist nie einfach, so viel Starpower auf Anhieb unter einen Nenner zu bringen. Fragt nur mal die Heat. (Illustration: CND)

von  Onur Alagöz   @NothingButNetDe

0-11. Kein Sieg, elf Niederlagen. Acht in der Preseason, drei in der regulären Saison. Schlechtes Omen? Gott, nein. Die Preseason ist die Preseason. Es hat einen Grund, wieso erst einmal Spiele zur Einstimmung und für Experimente genutzt werden, bevor die normale Spielzeit losgeht. Die Kader sind noch nicht endgültig feinjustiert, man hat noch 82 Spiele vor sich, in denen man seinen Rhythmus finden muss, bevor die Playoffs losgehen. Was zählt ist noch sechs Monate entfernt, ab April geht’s um die Wurst. Wer erwartet hat, dass die Geschichte bei den Los Angeles Lakers von Anfang an wie ein Schweizer Uhrwerk läuft, war mächtig schief gewickelt. So viel Starpower in einen Konsens zu bringen ist ein langsamer Prozess. 

Mitch Kupchaks Kaufrausch in der Offseason hat nicht nur Talent nach Tinseltown gebracht, sondern auch einige Fragezeichen. Auch, wenn die Lockoutsaison vorbei ist und wir normale Trainingscamps hatten, müssen hier ein neues Offensivsystem, ein neuer Center, ein neuer Point Guard und neue Bankspieler integriert werden. Coach Brown, bekannt für seine Kompetenz im defensiven Bereich, installiert die so genannte Princeton-Offense bei Lila-Gold. Das Angriffssystem basiert auf Teamwork, Bewegungen abseits vom Ball und benötigt gute Passfähigkeiten und Spielverständnis aller fünf Spieler auf dem Feld. Selbst ein Halbgott wie Steve Nash braucht einige Zeit, um so viele neue Einzelteile zu einer Einheit zu formen. Rollen müssen zugeteilt und etabliert werden, die Synergie untereinander muss entstehen.

Die Ansätze, die man gesehen hat, lassen einem jedoch das Wasser im Mund zusammenlaufen. Howard und Nash harmonieren beinahe perfekt. Es gibt keinen intelligenteren und vielseitigeren Spieler als Nash, was das Pick and Roll angeht. Egal, wie die Defense auf den Screen reagiert, Nash trifft in 99 von 100 Fällen die richtige Entscheidung. Sein Partner Howard ist beim PnR ohnehin kaum zu stoppen. Die schiere Kraft, die Athletik sind für einen einzelnen Spieler fast nicht zu verteidigen. Sobald ein wenig mehr Abstimmung da ist, gibt’s dann Lobs galore. Mit Gasol wartet im High Post der perfekte Komplementärspieler. Hochintelligent, ein begabter Passgeber und einen sicheren Jumper, den Pau sein Eigen nennen kann. Öfter wird die Offensive durch ihn laufen, was Nash, Kobe und Artest an der Dreierlinie umso gefährlicher macht. Die Vielseitigkeit Gasols ist auch der Grund, wieso man „in the clutch“ keine Bauchkrämpfe bekommen muss. Ohne Weiteres kann der lange Spanier auf der Fünf auflaufen, sollte man sichere Freiwürfe brauchen. Apropos closing: Kobe äußerte sich vermehrt in Interviews darüber, dass er mit der Rolle des Closers durchaus zufrieden ist. Vorbei die Zeiten – hoffentlich – in denen er die Offense alleine kreieren und die Last auf seinen langsam alternden Schultern tragen muss. Abseits des Balles wird er verheerend und mit Cuts und Screens und seinem Low Post Game stets gefährlich sein. Dass er aber immer noch ausgiebig punkten kann, wenn es sein muss, hat er in den ersten Partien der neuen Saison eindrucksvoll gezeigt. 

Defensiv braucht man sich auch nicht den Kopf zerbrechen. Allein die defensive Präsenz von Howard und Gasol – einem überdurchschnittlichen Verteidiger – bietet eine Art doppelten Boden für Nash. Auch wenn Kobe am eigenen Spielfeldende nachgelassen hat und auch Ron-Rons Verteidigung mittlerweile mehr Ruf als Tatsache ist, wird diese Truppe mindestens überdurchschnittlich in der Defense sein. Kein einziger Spieler der Welt kann so vielseitig verteidigen wie Dwight Howard. Beim Pick and Roll den Ballführer und den Screener verteidigen? Kein Problem. Etwa 10 Würfe pro Spiel von der Helpside aus verändern oder blocken? Aber gerne. Jeder der eigenen Spieler kann am Perimeter aggressiv zu Werke gehen, denn Howard steht unter’m eigenen Korb. Zumal er mit langen Rebounds und darauffolgenden Outletpässen den Fastbreak nicht nur einleiten, sondern auch schnell genug den gegnerischen Korb attackieren kann, um dort dann wieder selbst abzuschließen.

Die Niederlagen gegen Dallas, Portland und die Clippers waren zwar alles andere als schön, und auch die Stimmung scheint momentan gedrückt zu sein, aber wenn die ersten Siege kommen, kommt auch die Stimmung zurück. Dieses Team ist viel zu gut aufgestellt, um nicht zumindest dominante Phasen zu haben. Was bisher negativ auffiel, war die schlampige Ausführung. Atypische Fehlpässe und Unachtsamkeiten führten zu 24 Turnovern, aus denen zum Beispiel Portland am Mittwoch 29 Punkte, einfache Punkte, machte. 21 dieser Ballverluste gehen alleine auf das Konto der Starting Five. Steve Nash fühlt sich noch nicht ganz wohl, denkt noch zu viel anstatt seinen herausragenden Basketballinstinkten zu vertrauen. Des Öfteren versuchte er abseits des Balles die Offense zum Laufen zu bringen, dabei versanken die Lakers im Halbfeld und mussten sich Punkte schwer erarbeiten. 
Howard setzte sein erstes Ausrufezeichen mit 33 Punkten, 14 Boards und 5 Assists gegen die Blazers, schaffte es aber in der Defensive noch nicht, Ordnung reinzubringen und ein Mittel gegen Lillard und Batum zu finden. Die machten mit den Lakers, was sie wollten, drückten sowohl im Break als auch im Halbfeld permanent auf die poröse Lakersverteidigung und kamen so zu Punkten en masse. Was gegen Dallas die schlechte Defense war, war gegen Portland die fehlende Ballkontrolle. Hier muss sich der Coach noch dringend etwas einfallen lassen.

Vielleicht dauert es also noch einige Wochen, bis man den Großteil des eigenen Potentials ausschöpfen kann, aber spätestens in der zweiten Saisonhälfte läuft das Ding dann wie Usain Bolt. Auch die Heat brauchten mehr als eine Saison, um zusammenzuwachsen. In der Gesamtheit haben die Lakers nicht weniger Talent als Miami, im Gegenteil. Sicherlich muss viel angepasst werden, zu Beginn wird es frustrierend sein, die 70er Marke wird man auch nicht knacken können. Aber was in La-La-Land in den Startlöchern steht ist eine Mannschaft, die sich vor keiner anderen der Liga verstecken muss. Daran ändert auch ein 0-3 Auftakt überhaupt nichts.