02 November 2012


Nur 51-52 in der Melo/Amare Ära und dem Altersheim näher als dem NBA-Titel: die New York Knicks (Photo: Knicksjournal)

Letzte Saison: 36-30 (.545)
In a New York Minute: die Saison begann mit hohen Vorschusslorbeeren nach der Akquisition von Free Agent Tyson Chandler, der auf magische Art und Weise alle klaffenden Wunden zusammenflicken sollte. Die Defensive verbesserte sich dank Chandlers Einfluss in der Tat bis auf Platz 5... der höchste Wert seit den glorreichen Tagen von Pat, Patrick und Oak. Unter Mike D'Antoni ging ausgerechnet offensiv alles schief, was schief gehen konnte. Anthony und Stoudemire passten weiterhin schlechter zusammen als Wurst und Nutella. Die Knicks starteten mit 8-15. Dann kam Lin der Erlöser, direkt vom Himmel von Fields' Couch in den Garden geflogen und versetzte die Basketballwelt in helle Aufregung. Bei Stoudemires Rückkehr in die Lineup lief alles noch rund, weil Lin/Stoudemire im Two Man Game harmonierten. Dann kam Melo, und die markante MSG-Hallendecke stürzte ein. Bei allem Talent seiner beiden Alphaspieler wurde immer schmerzhafter klar, dass es offensiv einfach nicht zusammen funktionieren kann. 'Pringles' hatte aber gar keine Möglichkeit mehr, die notwendigen Anpassungen vorzunehmen: er verlor den Machtkampf mit Anthony und Teambesitzer James Dolan und musste gehen. Sein Nachfolger Woodson machte es nicht viel besser. Die Knicks blieben dank Chandler defensiv stark, vorne aber ein ausgewachsenes Geschwür (19. in Off. Eff.) und meilenweit vom Erreichen der eigenen Zielvorgaben entfernt. Das Aus gegen Miami verdeutlichte den grossen Unterschied zwischen den jeweiligen 'Big Three': während die Heat zum zweiten Mal in Folge ins Endspiel rauschten, verloren die Knicks ihr achtes Playoff-Spiel in neun Versuchen seit dem Trade mit Denver.

Abgänge: Jeremy Lin, Landry Fields, Toney Douglas, Josh Harrelson, Jared Jeffries, Dan Gadzuric, Jerome Jordan
Zugänge: Ronnie Brewer, Jason Kidd, Pablo Prigioni, Rasheed Wallace, James White, Marcus Camby, Raymond Felton, Kurt Thomas

Kader:


Check:
Das Jahr der Wahrheit. Für die Knicks, für Anthony, für Woodson, für Felton, für Stoudemire, für alle eigentlich. Jeder Protagonist, der eines dieser neuen, fantastisch vereinfachten Knicks-Trikots tragen wird, hat in '12/13 etwas zu beweisen. Die gute Nachricht vorneweg: New York hat ein gutes Basketballteam. Und ich rede nicht von den Nets, die mindestens ebenso gut sein werden. Die Knicks-Defensive war letztes Jahr gigantisch (über den Effekt von Chandler auf die D habe ich ausreichend und gegen viele Widerstände berichtet) und hat durch Brewer, Camby und Thomas weiter an Qualität hinzu gewonnen. In der Verteidigung müssen die 'Bockers ebenso stabil bleiben, dann können sie auch in den Playoffs für Furore sorgen. Dazu muss aber die Offensive produktiver werden. Besonders in der Pflicht: na wer wohl? Das Superstar-Tandem Stoudemire/Anthony. Der eine fällt nach Knieproblemen schon wieder sechs bis acht Wochen aus (Hand hoch, wer den Film schon gesehen hat). Das heisst: Melo startet auf Power Forward, zumindest bis Dezember. Das hat schon letztes Jahr hervorragend geklappt und dürfte auch heuer frühe Dividenden abwerfen. Dass der 28-Jährige zu den fünf besten Scorern der Liga gezählt werden muss, egal von wo er seien Schaden anrichtet, ist klar. Weiterer Vorteil: so kommen sich Anthony und Stoudemire nicht in der von beiden bevorzugten 'extended elbow area' in die Quere, es bleibt mehr Platz für das neue Point Guard Triumvirat Felton-Kidd-Prigioni, um die restlichen Knicks-Spieler (und die Dreierschützen Novak und Smith) in den Angriff zu integrieren. Felton war bereits vor zwei Jahren der Starter auf der Eins. Die Knicks-Offensive eilte damals zu 106.5 PPG und landete in Hollingers Effizienz-Ranking auf Platz 5. Das wird dieses Jahr nicht passieren. Nicht, wenn man mit Kidd, Thomas, Camby, Prigioni und Rasheed Wallace eine komplette Ü-55 Lineup aus der Seniorenresidenz entführt hat. Macht aber nichts. Zieht man nur den Basketball in Betracht, ohne Punkte für Ansehnlichkeit, Teamdienlichkeit oder Effizienz vergeben zu müssen (obwohl die Knicks den fünftschnellsten Ball spielten, hatte man nur den 19.-besten Angriff der Liga), kann man nicht anders, als New York unter den Top-5 im Osten anzusiedeln. Zwischen Platz 2 und 7 sind die Teams so verdammt nahe beieinander; gleich vier Mannschaften konkurrieren um die Krone in der Atlantic Division; da springt also im Idealfall sogar ein Platz unter den ersten Drei heraus. Wie realistisch das dann im Endeffekt ist, das erörtere ich in Kürze ausführlich mit Rob Jerzy vom Knicksjournal. Weil es sich aber immer noch um Dolans Knicks handelt, CAA weiterhin überall vor und hinter den Kulissen hinein pfuscht, Isiah Thomas wieder in der Nähe ist und keines der eklatantesten Probleme vom letzten Jahr völlig ausgemerzt wurde, geht's nur zwei Spots 'rauf - mit grundsoliden Chancen auf die zweite PO-Runde... Das wäre für NY immer noch die höchste Platzierung seit 2001.

Prognose: Platz 5, Eastern Conference