09 November 2012


Der wöchentliche, kompakte Blick auf die Rookie Tops und Flops des Draft-Jahrgangs 2012 (Stand: Woche 1)


1. Damian Lillard (Portland Trail Blazers): 19.3 Pts, 3.8 Reb, 8 Ast, 95% FT
Checkt nochmals die Rookie Previews und den Draft-Log: Lillard war schon früh auf meinem Radar, aus genannten Gründen. Nach durchschnittlichen 19/8 bisher dürften jetzt auch die letzten Gestrandeten mitbekommen haben: dieser Frischling hat Game und die Abgezocktheit eines langjährigen Veteranen. Nur zwei Spieler legten in ihren ersten drei Profipartien jemals 20 Punkte und 7 Assists auf's Parkett: 'The Big O' Oscar Robertson, und eben Lillard. Gegnerische Defensiven werden in den nächsten Wochen sicherlich ein wenig Luft aus Lillards Ballon lassen und den Jungspund extra hart angehen - alles Anzeichen von höchstem NBA-Respekt, den man einem Rookie nur entgegen bringen kann.

2. Anthony Davis (New Orleans Hornets): 14.5 Pts, 6.5 Reb, 1.5 Blk
Davis enttäuschte bisher nicht, ganz im Gegenteil. In seiner einzigen vollen Partie zeigte er mit 21 Punkten und 7 Rebounds gegen die Spurs, dass ihm eine lange, erfolgreiche Karriere bevorsteht. Leider knockte ihn sein eigener Teamkollege Austin Rivers nur zwei Abende später mit einem Ellbogen aus, Davis lief seitdem nicht mehr auf. Keine allzu grosse Sache - Gehirnerschütterungen haben aber so ihre Tücken. Die Braue wird spätestens am Wochenende in die Hornets-Lineup zurück kehren und dann so richtig durchstarten in die Saison. Ihr dürft Blocks, Rebounds und Alley-Oops en masse erwarten vom Nummer eins Pick, der im Ranking nicht viel weiter fallen wird.

3. Dion Waiters (Cleveland Cavaliers): 15.4 Pts, 2.6 Ast, 2.6 Dreier
Ich lag offensichtlich komplett daneben bei Waiters. Mochte nicht seine Selektion an Vier, mochte nicht sein Spiel in der Vegas Summer League (wo er eigenen Angaben zufolge völlig übergewichtig/ausser Form auftauchte) und noch weniger in der Preseason. Bisher liess mich der wuchtige Guard aber meine eigenen Worte fressen und setzte sich prompt neben Davis und Lillard in der Rookie Top-3 fest. Er schraubte seine Ballverluste herunter und sein Drei-Punkt Shooting schnellte in die Höhe - was zum Beispiel sieben Dreier und 28 Zähler beim Auswärtssieg in LAC eindrucksvoll belegen. Waiters ist die grösste Überraschung bisher und neben Backcourt-Kollege Irving mit ein Grund, warum Cavs-Fans bereits von den Playoffs träumen.

4. Michael Kidd-Gilchrist (Charlotte Bobcats): 8 Pts, 6.7 Reb, 1.7 Stl, 2 Blk
Der Nummer Zwei Pick reisst einen bisher nicht vom Hocker mit seinen Leistungen in dieser Saison, aber das hatte auch niemand erwartet. MKG ist der 'glue player', die Klebmasse im Spiel der Bobcats und erledigt lieber von allem etwas, als eine Sache hervorragend. Sein Offensivgame braucht noch Zeit, aber hinten macht der 2,01m Forward schon jetzt sein Ding: zwei Blocks (1.), 1.7 Steals (2.) und 6.7 Rebounds (1.) im Schnitt... produktiver ist in der Verteidigung kein anderer Rookie.

5. Jae Crowder (Dallas Mavericks): 8.6 Pts, 3 Reb, 50% FG
Einer der Garanten für Dallas' heissen Start, auch ohne Dirk Nowitzki, ist der bezopfte Rookie-Forward von den Marquette Golden Eagles. Crowder hält sich zwar noch vornehm zurück, legt aber eine verblüffende Effizienz an den Tag: 50 Prozent aus dem Feld und von jenseits der Dreierlinie, minimum acht Punkte in jeder seiner bisher fünf Partien, und - noch beeindruckender - erst ein Ballverlust insgesamt. Der Ausfall von Shawn Marion eröffnet dem Energiebolzen mit der 32 noch mehr Spielzeit, zumindest für den Rest der Woche. Der Zweitrundenpick ist bisher der Draft-Day-Steal überhaupt.

6. Tyler Zeller (Cleveland Cavs): 7.5 Pts, 4.5 Reb, 50% FG
Pech für die Cavaliers: ihr zweiter Rookie nach Waiters, Tyler Zeller, wurde von einem DeAndre Jordan Ellbogen vollständig zerhackstückelt und fällt nach Jochbeinbruch und Gehirnerschütterung länger aus. Dabei fügte sich der Rookie Big Man sehr gut in die NBA ein und bewies, dass sein College-Game auch bei den Profis effektiv sein kann. Vor allem sein Rebounding dürfte ihn auch nach seiner Rückkehr weiterhin unter den produktivsten und nützlichsten Debutanten platzieren.

7. Kyle Singler (Detroit Pistons): 9.4 Pts, 2.8 Reb, 55% FG
Ich würde liebend gerne mehr Pistons-Spiele verfolgen, ehrlich. Aber das hält kein normaler Mensch über längere Strecken aus. Einer der wenigen Lichtblicke im Dunkeln: Kyle Singler. Sein Spiel ist in Echtzeit genauso so spannend, wie Brot beim Schimmeln zu beobachten, aber Singler erhält von Coach Frank 22 Minuten pro Abend und platziert bei den Punkten unter den Top-Rookies des Jahrgangs. Solide, überraschend solide...

8. Jonas Valanciunas (Toronto Raptors): 8 Pts, 5 Reb, 0.8 Blk
Auch Valanciunas wurde, wie Singler, 2011 gedraftet und verbrachte vergangene Saison in Europa. Einmal in Toronto angekommen, hat sich der Litauer aber schnell seine Nische als Rebounder und Verteidiger heraus gearbeitet und verbessert sich von Spiel zu Spiel (18 Pts, 6 Reb gegen Oklahoma City). Es wird noch dauern, ehe der kantige Center gelernt hat, weniger zu foulen und länger auf dem Parkett zu bleiben als 20 MPG. Für den Moment aber können Raptors-Fans aufatmen: Valanciunas präsentiert sich wie ein waschechter NBA Big Man.

9. Alexey Shved (Minnesota T'wolves): 6.8 Pts, 2.3 Reb, 2.5 Ast
Shved hatte so seine liebe Mühe in seinem ersten NBA-Spiel (0 Punkte, 0-3 FGs), fand aber schnell seinen Platz in der Wolves-Lineup. 'Rubio light' war beim 107-97 Comeback-Sieg in Brooklyn der gefeierte Mann, als er mit 10 Punkten (zwei Dreier) im letzten Abschnitt die Wölfe fast im Alleingang zum Sieg schoss. Solange der Russe seine freien Würfe von aussen trifft, wird er in Minnesota unter dem Guard-freundlichen Coach Rick Adelman genügend Spielzeit erhalten, um von der Bank produktiv zu bleiben.

10. Jared Sullinger (Boston Celtics): 4 Pts, 4.8 Reb, 0.8 Blk
Sullinger hatte eine starke Preseason und scheint schon früh eine prominente Rolle in der Rotation der Boston Celtics zu spielen. Schon nach seiner zweiten NBA-Partie ernannte ihn Doc Rivers zum Starter auf der Vier anstelle von Brandon Bass, der auf die Bank rückte. Ob der reboundstarke Rookie aber auf Dauer in der ersten Fünf auflaufen darf, wird sich noch zeigen: 'Sully' spielt noch viel zu schüchtern. Er nahm in keiner Partie mehr als fünf Würfe aus dem Feld und erzielte nie mehr als sechs Punkte.


Aussen vor:
Bradley Beal (3.), Thomas Robinson (5.), Harrison Barnes (7.), Terrence Ross (8.), Andre Drummond (9.), Austin Rivers (10.)