14 Dezember 2012




Vor genau 370 Tagen - es war kurz nach Ratifizierung des neuen Collective Bargaining Agreement und nur wenige Wochen vor dem Start der Lockout-Saison, erschütterte ein monumentaler Blockbuster-Trade die Association bis ins Mark: Chris Paul zu den Lakers, Pau Gasol nach Houston, und Martin/Odom/Scola plus Picks nach New Orleans. Haste nicht gesehen: David Stern legte am nächsten Tag sein Veto als Commissioner/Teambesitzer der Hornets ein und machte den Trade rückgängig. Der Eklat war nach dieser verheerenden Entscheidung, die aus einem klaren Interessenkonflikt heraus entstand und gegen alles verstieß, was der Liga jahrzehntelang hoch und heilig war, gewaltig. Auch wenn (fast) alle Parteien die Seite mittlerweile umgeblättert haben, sind die Auswirkungen bis heute spürbar.

Für Lakers-Fans zum Beispiel (aber nicht nur), die sich angesichts des miesesten Saisonstarts seit Menschengedenken (9-13) und fatalem Point Guard Play, dass sicherlich auch heute im Madison Square Garden für viele Transition-Punkte der Knicks sorgen wird, fragen: "Was wäre, wenn... der Trade damals tatsächlich über die Bühne gegangen wäre, wie vereinbart?"


• Mit Chris Paul hätten die Lakers nicht nur zum allerersten Mal seit Earvin Magic Johnson einen waschechten Floor General im Kader, sondern auch noch einen der härtesten Wettkämpfer in der gesamten NBA. Mentale und spielerische Aussetzer, wie man sie in den letzten Jahren regelmässig vom Lakers-Backcourt erlebt hat, würde es unter Paul's Führung so nicht geben.

Kobe Bryant hätte einen Backcourt-Partner auf Augenhöhe - sowohl, was spielerisches Potential als auch psychische Konstitution anbelangt. Dass dieser Rückraum zur All-Time Creme de la Creme gehört hätte, versteht sich von selbst. Vier Turnovers in Folge wie gegen Cleveland am Dienstag? Nicht möglich.

• Die Lakers hätten vermutlich mehr als 41-25 Siege eingefahren, schon allein deshalb, weil Paul im Alleingang knapp zehn pro Saison fabriziert. Kehrseite der Medaille: der höhere Setzplatz in den Playoffs 2012 und ein voraussichtliches Vordringen in die Conference Finals hätten zur Folge gehabt, dass Mike Browns Defizienzen als Head Coach unter den Teppich gekehrt worden wären und er immer noch an der Staples-Seitenlinie sitzen würde.

• Je mehr man darüber nachdenkt, desto weniger wäre das aber ein Problem. Vinny del Negro ist bei den Clippers auch nicht mehr als eine Marionette, die als Platzhalter dient, während Paul hinter den Kulissen die Richtung, Spieltaktik und Personalpolitik diktiert. Natürlich wäre del Negros Vertragsoption im Sommer niemals gezogen worden und die Clippers hätten sich jemand anderes als Head Coach geangelt - Mike D'Antoni, vielleicht?

• Das andere LA-Team, die Clippers, würden nach wie vor am unteren Ende der Western Conference vor sich hin krebsen und vielversprechende junge Spieler (Griffin, Bledsoe, etc.) gegen mittelmässige Veteranen oder Draft-Picks verscherbeln, um den Teufelskreis von Clippers-Nutzlosigkeit bis in alle Ewigkeit aufrecht zu erhalten. Donald Sterling würde darüber - gewohnt geistesabwesend - nur lachen und immer noch nicht verstehen, um was es eigentlich geht.

• Ohne Chris Paul hätten auch begehrte Championship-Puzzleteile wie Chauncey Billups, Matt Barnes oder Jamal Crawford und Grant Hill, die allesamt von CP3 rekrutiert wurden, niemals in Los Angeles angeheuert. Zumindest nicht bei den Clippers. Dafür aber vermutlich für's Minimum bei den Lakers.

• Dwight Howard wäre wohl trotzdem ein Laker. Mit Paul auf der Gehaltsliste, dafür ohne Gasol und Odom, könnten die Lakers den 1:1 Tausch, wie er in diesem Sommer über die Bühne ging, immer noch durchziehen. Realistisch wäre sogar ein Deal zur Februar-Deadline, bei dem Andrew Bynum entweder direkt nach Orlando gewandert wäre, oder aber über Umwege dennoch in Philadelphia landet, wo man ja Anfang März massive spielerische Probleme hatte und ohnehin kurz davor stand, Andre Iguodala zu traden. In Philadelphia hätte Bynum natürlich schon im März gebowlt, mit Nachbarn gestritten und sich eine "Pimp Named Slickback" Matte zugelegt, die er "ewig weiter wachsen lassen will."

• Ob die Lakers mit einer Paul-Bryant-Howard Lineup langfristig besser bedient wären? Ist Wasser nass? Kann Brot schimmeln? Im mindesten Fall wäre man nicht täglich mit Armageddon-Szenarien aus LA konfrontiert. Man hätte nicht 8-der-letzten-11 Partien verloren. Der Fairness halber sei erwähnt: das hätte eine gesunde Nash-Bryant-Gasol-Howard Lineup aber auch nicht.

• Apropos Steve Nash: der hätte um seiner Kinder willen in Phoenix verlängert und würde seine Karriere in der Suns-Irrelevanz beenden müssen. Oder er hätte von den Clippers einen 2 Jahres-/35 Millionen Dollar Free Agent Deal offeriert bekommen. "Vermutlich eher nicht" (Donald Sterling).

• Die Phoenix Suns könnten ein weiteres Jahr so tun, als sei der Rebuild nach Nash auf unbestimmte Zeit verschiebbar, ohne dass daraus weitreichende Lineup-Konsequenzen für die Zeit danach entstünden. "Mal sehen: keine Scorer, keine Verteidiger, keine Low-Post Präsenzen im Kader... Yep, sieht gut aus, lasst uns auf Steves Karriereende warten. Das wird schon alles!"

• Houston hätte Pau Gasol in der Lineup, inklusive dessen intaktes Selbstbewusstsein, das mittlerweile nur eine blasse Erinnerung ist. Gasol hätte die uneingeschränkte Führungsrolle bei den Rockets inne und würde ca. 18/10/5 im Schnitt auflegen. Keiner würde an den Fähigkeiten des filigranen Spaniers zweifeln und sein fragiles Gemüt mit tonnenschweren Erwartungen belasten, wie man das in LA seit 2010 tut.

• Neben Gasol hätten die Rockets auch noch Maybyner Rodney Hilário verpflichtet. Der wäre immer noch ständig verletzt, nur eben in Rot. Der Nuggets-Wizards-Clippers Deal im März hätte nie stattgefunden. JaVale McGee wäre kein Nugget, sondern vermutlich immer noch in Washington. Seine Mutter würde ihn dennoch für einen All-Star halten. Nick 'Swaggy P' Young hätte uns niemals während der Playoffs mit seiner "Swaggigkeit" beehren können. Washington würde sich nach wie vor mit den Kings um die inoffizielle "exklusivste Ansammlung von Armleuchtern in einem einzigen Team" Trophäe streiten. Unschlagbare Ironie des Ganzen: die Wiz hätten dennoch mehr als drei Siege auf ihrem Konto.

• Die Rockets hätten mit Kyle Lowry und Courtney Lee verlängert und sie zusammen Gasol und Nene an die Seite gestellt. Houston hätte nicht zum dritten Mal in Folge trotz .500 plus Bilanz die Playoffs verpasst.

• Die Rockets-Kolumne "With the 14th Pick..." und diese Story hätten niemals das Licht der Welt erblickt.

• "Linsanity" wäre nie passiert. Die Rockets hätten zwar genug Platz gehabt, um den Harvard-Absolventen zu halten, hätten ihn aber bei erfolgreichem Trade vermutlich niemals 'off waivers' von Golden State beansprucht (Transaktion am 11.12.11), das ihn kurz zuvor vor die Tür setzte. Lin wäre von irgend einem anderen Team aufgeschnappt worden, vielleicht ja New York. Oder aber heute CEO eines Fortune-500 Unternehmens, das mit der NBA über eine Umverteilung der TV-Gelder ab 2019 verhandelt.

• Rockets-GM Daryl Morey hätte im Sommer weder einhundert Draft-Picks eingesammelt, noch Samuel Dalembert getradet, noch tödliche offer sheets an Lin und Omer Asik unterbreitet. Houston hätte nicht so hoch (an 12, 16 und 18) gedraftet und gefühlte zweihundert Versuche unternommen, sich noch weiter nach oben zu traden. Der/die jeweiligen Rookies im Kader würden aber vermutlich trotzdem mehr als 10 MPG pro Abend spielen.

Royce White wäre wohl niemals gezogen worden, obwohl sein spielerisches Talent "Top-5 Pick" suggerierte. Morey, McHale und die Rockets waren angeblich das einzige Team, welches bereit war, sich auf das White-Experiment einzulassen.

• James Harden wäre kein Houston Rocket. In Oklahoma City aber mit ziemlicher Sicherheit auch nicht mehr. Welcher 23-jährige lehnt schon ein um 25 Millionen $ besseres Angebot ab? Wenn nicht Houston, hätte ein anderes Team dieses bescheidene Sümmchen nur zu gerne auf den Tisch gelegt. Vielleicht ja die Washington Wizards? Halt nein, die hatten ja kein aufrichtiges Interesse, obwohl er ihnen sogar angeboten wurde. Macht ja nichts, die hätten ja in dem Fall immer noch McGee und Swaggy P.

• Nummer eins Pick Anthony Davis wäre nicht bei einem Team, das sich schon bald in Wasservögel mit großen Schnäbeln umbenennen wird, sondern in Charlotte. Also ab nächstem Jahr dann ironischerweise auch wieder bei den Hornets. So verwirrend alles. Mit Dragic, Scola und Martin hätten die Hornissen zumindest etwas länger um die Playoffs mitgespielt, als die gefühlten zwei Minuten vergangene Saison, um sie letztendlich aber doch zu verpassen.

• Eric Gordon wäre noch bei den Clippers, die ihn im Sommer für das 5-Jahres-Maximum verlängert hätten (wegen dem Blake Griffin für Kris Humphries Trade mit Brooklyn, um Griffin nicht "für lau" als Free Agent zu verlieren). Gordon säße aber vermutlich genauso oft in Straßenklamotten auf der Bank, wie heute und die Clippers in einem weiteren 80 Millionen Grab.

• Lamar Odom wäre immer noch hauptberuflicher Reality-TV Star, zu dick und als Basketballspieler mittlerweile fast zu nichts mehr zu gebrauchen.


Unter'm Strich sähe es heute also wohl so ungefähr aus: ein Team aus LA wäre dank Chris Paul auf dem Weg ins Conference Finale, das andere im Tabellenkeller. Houston würde um die letzten Playoff-Plätze mitspielen. Und die Hornets kämen in der Southwest Division über Platz 5 einfach nicht hinaus.

Je mehr sich die Dinge ändern...