02 Dezember 2012



Obwohl es zum Ende des Monats drei Niederlagen in Folge setzte, bleiben die Bobcats (7-8) eine der grössten Überraschungen bisher - nicht nur, weil sie schon im November genauso viele Siegen erzielten, wie in der gesamten vergangenen Saison zusammen genommen. Haben die Verantwortlichen in North Carolina endlich einmal gute Arbeit geleistet? Hat diese Franchise die Kurve gekriegt? Muss man Charlotte jetzt sogar ernst nehmen? Robert Jerzy vom Knicksjournal und der Chefkoch konferierten. 


Rob: Ich bin verwirrt .... und mehr noch beängstigt! Wir sind im Jahr 2012, das Kühlregal mit Ben & Jerry's Chocolate Fudge Brownie Eis im teuersten Lebensmittelladen hier um die Ecke ist kontinuierlich leergefegt und die Charlotte Bobcats haben jetzt schon annähernd viele Siege wie in der ganzen letzten Saison. Die Bobcats!!! Deren Inhaber - seit dem Ende seiner sportlichen Karriere - den Gary Coleman der NBA mimt und von einem Unglück ins Nächste zu fallen scheint. Und doch stehen sie nun da, mit einem 5-4 Record, frisch vom Sieg gegen die Bucks gestern Nacht. Meine Vermutung, dass die Mayas mit ihrem Kalender die größte "Nobody believed in us" Saison feiern, nimmt immer größere Formen an. Waren wir denn nicht alle schnell dabei, die Bobcats als ewige Loser darzustellen, nachdem der Commissioner äh ich meine die Lottery den Hornets den Number 1 Pick (read: Unibrow Selection) spendierte? Fünf Monate später und wir fragen uns langsam. ob Michael Kidd-Gilchrist nicht der einzig wahre Number One Pick ist und die Bobcats ein Geschenk des Himmels - also des Commishs - erhielten. Ich weiß, statistisch steht AD weit besser da als MKG (wir leben in einer Welt von Akronymen .... benötigst du mehr Beweise für die Weltuntergangstheorie?!?), dennoch ist Kidd-Gilchrist a) konstanter und b) erfolgreicher mit seiner Mannschaft... ganz zu schweigen davon, dass Davis die körperliche Stabilität vonBriefpapier zu besitzen scheint. Könnte MKG der neue Scottie Pippen unserer Ära werden??? Sag was ....

Seb: Dürre 2,01m gross, 230 Pfund schwer, athletisch und effektiv in der D. Und dazu mit einem Energiebalken ausgestattet, der nie leer wird... das alles hört sich für mich stark nach Pip-Parallelen an. Ich schrieb vor dem Draft über Kidd-Gilchrist: "...der 18-Jährige ist ein echter Winnertyp, der bisher auf jedem Level seiner Spielerkarriere triumphiert hat. Diese Qualitäten färben auf Teamkollegen ab - man hat fast keine andere Wahl, als ebenso hart und emotional zu spielen (...) Dank seiner Länge, Sprungkraft und Schnelligkeit kann er vier Positionen auf dem Platz verteidigen. Ich sehe ihn zunächst auf der Drei, wo er in bester Scottie Pippen Manier (...) die vielen kleinen Dinge erledigt, die Spiele gewinnen. Rebounden, Verteidigen, Fastbreaks laufen, das Hustle Spiel eben."Und siehe da: viel schneller als erwartet hat der erst 19-Jährige seinen Platz in der NBA gefunden, spielt bisher smart und effektiv (PER 19.46 in 27 MPG) und hat die zuvor lethargischen Bobcats mit seiner schieren Präsenz schocktherapiert. Mindestens ebenso wichtig für diesen Monsterstart scheint mir aber Kemba Walker zu sein...

Rob: Charlotte scheint tatsächlich einen Weg aus dem Tal der Tränen herausgefunden zu haben. Nummer 20 in Points allowed (weit entfernt von ... Nummer 30) und Platz 7 im Rebounding.
Letztes Jahr Kemba, in diesem Jahr MKG, dazu ein Ben Gordon, der anscheinend doch nicht tot ist, Ramon Sessions, Byron Mullens (!!!) .... Liegen die Gründe im Kader oder beim neuen Trainer Mike Dunlap? Vielleicht sind die Bobcats ja nur ein Strohfeuer, die bisher noch niemand ernst genommen hat. Heute Nacht gegen Toronto dann noch 2 mal Atlanta und OKC in diesem Monat. UND ... ein Team das DeSagana Diop, Brendan Haywood, Bismack Biyombo UND Tyrus Thomas featured kann.nicht.gut.sein. Die Welt geht unter .... bald, in einem Monat! Ist MKG nun der eigentliche Number One Pick? Und komme mir bitte nicht mit Lillard ....

Seb: So weit würde ich nicht gehen, auch wenn folgendes Argument durchaus seine Legitimation besitzt: "Kidd-Gilchrist war beim letztjährigen Titelgewinn der Wildcats mindestens ebenso instrumental wie Anthony Davis". Die Gründe (Hustle, Intangibles, Nonstop-Energie) haben wir ja bereits angerissen. Insgesamt hat Davis aber die Braue vorne. Denn: ein Nummer eins Pick muss schon dieses Franchise-Gen mit sich bringen (oh, Hi, Michael Olowokandi) und einen Club von Grund auf tragen können. So ein Anker wird MKG nie sein, auch und vor allem, weil es nicht zu seiner Persönlichkeit passt. Aber All-Star eines Tages? Durchaus realistisch. Mike Dunlap ist mit Sicherheit einer der Gründe für den Aufschwung. Im Gegensatz zu "Night of the Living Dead" Statist Paul Silas, der letztes Jahr durch die Saison schlafwandelte, fordert Dunlap seine Spieler mit hartem Training und indem er ihnen Vertrauen schenkt. Was dann alles möglich ist, zeigen talentierte Youngster wie Kemba Walker. Du merkst vielleicht: ich dräng' dir Kemba ganz dezent solange weiter auf, bis du dich mal zu ihm äußerst...

Rob: Aber ein Spieler, der ein ganzes Team positiv beeinflussen kann und von seinem Coach recht bald die nötige Unterstützung erhält, kann zu einem Franchise Player werden - auch ohne Scoring (siehe KG in Boston). Gerade auf der Small Forward Position sind Stat Stuffer (siehe Rudy Gay) heutzutage Gold wert. Seine Persönlichkeit liegt doch in der Fähigkeit, alles für den Erfolg und das gemeinsame Ziel zu geben. Und Dunlap könnte da den richtigen Schupser geben. Und spätestens wenn wir den Satz lesen "MKG drains 20-foot jumper" reden wir über Scottie 2.0. Und kommen wir zu Kemba ... ich hatte ihn im letzten Jahr in meinem Fantasy Team und er hat mir mit seiner Inkonstanz den Verstand geraubt. Wahrscheinlich darf man eine Lockout Saison nicht als Gradmesser nehmen. Kemba in einer Führungsrolle zu sehen scheint natürlich - er besteht den Augentest und hat den Richtungspfeil von Nate Robinson weg zu Kyle Lowry/Ty Lawson kind of gedreht. In der NBA, das weißt du besser als jeder andere, geht es um die sogenannten "Pieces" für den Aufbau eines Kaders. Sowohl Kemba als auch MKG sind feste Säulen. Ich zähle auch den aus dem Koma erwachten Ben Gordon dazu, sowie Ramon Sessions, Gerald Henderson und Byron Mullens. Der Carrol/Warrick Trade ist untergegangen, für Charlotte jedoch kein schlechter, ist Warrick ein Banger unter dem Brett mit Expiring Contract. Jetzt muss man nur noch einen Hitman auf Tyrus Thomas Vertrag ansetzen (oder ihn amnestieren) und schon steht MJ mit nem dicken Bündel Kohle vor der Tür einiger Free Agents. Charlotte macht Spaß - früher als gedacht. Heute Nacht gegen Atlanta kann das 6-4 stehende Team mal zeigen, was es drauf hat.

Seb: Was jetzt natürlich auf keinen Fall passieren darf, ist ein Repeat-Szenario von 2007. Damals spülte man den eigenen Rebuild-Prozess komplett das Klo hinunter, um mit zu teuren, mittelmäßigen Spielern einmal Playoff-Luft zu schnuppern (2010). Ein kurzes, mieses Hoch, für das man alle eigenen Draft-Picks und Perspektiv-Spieler verscherbelte. Den Preis hat man bitter gezahlt. Klammert man die letzten beiden Jahre aus, ist aus den ersten sieben der Franchise-Historie nur noch Gerald Henderson übrig geblieben. Soviel zum Thema "nachhaltiger Teamaufbau."Walker, Gilchrist und Henderson, das sind meine drei Keeper, mit denen ich auf den kleinen Positionen startklar für die Zukunft bin. Next Step: ein paar nützliche Bigs besorgen, die genau das Gegenteil von dem machen, was Mullens und TT so auf's Parkett zaubern. Also Rebounden, Verteidigen und ab und zu Austeilen. Bewaffnet mit der Amnesty für Thomas und nur 18 Millionen Dollar an wirklich garantierten Verträgen (durch die vielen Optionen sind so um die 46 realistischer) sowie der Aussicht auf einen der vielen Langen im nächsten Draft sind die Möglichkeiten reichlich. Der grösste Vorteil heute: Rich Cho hat, im Gegensatz zu MJ und Bernie Bickerstaff, ein wenig Ahnung von diesem GM-Ding. Solange er in Ruhe arbeiten darf, wird alles gut. Dass es nicht in diesem Erfolgstempo weiter gehen wird, ist denke ich jedem klar. Aber: in Charlotte passiert etwas. Das hätte man vor einigen Monaten noch für absolut unmöglich gehalten.