23 Dezember 2012




DeMarcus Cousins hat es schon wieder getan. Ist schon wieder mit jemandem aneinander geraten und hat sich durch seine unkontrollierte Impulsivität nicht nur selbst ins Abseits, sondern sein Team dadurch noch tiefer in die Bredouille manövriert. Das wirklich Fatale an dieser neuesten Episode in der unendlichen Cousins/Kings Geschichte ist, dass es nicht einmal mehr überrascht, geschweige denn schockiert. Für Sacramento gibt es keinen Ausweg aus der Misere, weil die Ursachen viel tiefer sitzen und nur ganz schwer auszumerzen sind. Und für Cousins gibt es keinen Ausweg, weil er ist, wie er ist, und er bei diesem Verein keine Chance auf Besserung bekommt.

Cousins war am Freitag während des ersten Viertels bei den Los Angeles Clippers mit seinem Coach Keith Smart aneinander geraten. Das verbale Sparring setzte sich in der Halbzeitpause fort und eskalierte, als Cousins und Smart in einen ausgewachsenen Streit gerieten. Der 22-Jährige beleidigte seinen Trainer auf's Übelste und musste danach den Rest der Partie in der Kabine verbringen. "Wir versuchen einen gewissen Standard zu etablieren", wurde Smart nach der Partie zitiert. "All unsere Jungs wissen das. Und wenn da jemand nicht mitzieht, müssen wir entsprechend handeln." Zu allem Überfluss sah Cousins auch noch dabei zu, wie seine Mannschaftskollegen ohne ihn eine inspirierende Leistung boten und fast den Comeback-Sieg geschafft hätten. Obwohl es gegen die brennend heissen Clippers nicht reichte, war die befreiende Wirkung, ohne Cousins zu spielen, bei allen spürbar.

Befreiende Wirkung? Das heisst natürlich nicht, dass ein Kellerkind wie die Kings ohne einen talentierten, jungen Big mit gigantischen Ausmaßen und einem durchschlagskräftigen Low Post Game besser aufgehoben ist. Cousins etablierte sich vergangene Spielzeit als einer der besten Nachwuchs-Center weit und breit und drängte sich mit Durchschnittswerten von 18 Punkten und 11 Rebounds als einer der 'Most Improved Player' auf. Nach dem All-Star Break waren 20/10 an der Tagesordnung, und Optimisten sahen in ihm schon einen kommenden Star, der in diesem Jahr den endgültigen Durchbruch schaffen würde. Aber wie heisst es so schön: du kannst den Tiger aus dem Dschungel nehmen, aber nie den Dschungel aus dem Tiger.

Und dass Cousins unbelehrbar ist, das weiss man schon seit Jahren, schon seit er als High School Phänomen auf sich aufmerksam machte. Dominante Leistungen auf dem Hartholz gingen bei ihm stets einher mit einem harten Holzkopf, der es nie geschafft hat, Emotionalität und Temperament in die richtigen Bahnen zu lenken. Ob LeFlore High School in Alabama, Universität von Kentucky oder jetzt Sacramento, die Liste seiner Vergehen ist mittlerweile länger als Cousins' Errungenschaften als Basketballer. Hier ein Auszug, freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Sacramento Bee:


• (2010) Cousins gerät mit seinem Konditionstrainer verbal aneinander und erhält eine Geldstrafe

• (2010) Cousins zeigt während des Spiels gegen Golden State seinem Gegner Reggie Williams die berühmte Würgegeste

• (2011) Cousins prügelt sich mit Teamkollege Donte Greene im Teamflieger, weil dieser ihm gegen Ende der Partie nicht den Ball gepasst hatte

• (2012) Cousins wird vom damaligen Head Coach Paul Westphal nach Hause geschickt, weil er mehrmals einen Trade gefordert hatte

• (2012) Cousins beschimpft Blake Griffin als Baby und die Referees als Babysitter, die Griffin bemuttern. Die NBA verhängt eine empfindliche Geldstrafe

• (2012) Cousins führt die NBA während der Lockout-Saison mit 13 technischen Fouls an

• (2012) Cousins, der im USA Select Team mit trainiert, wird vom Vorsitzenden Jerry Colangelo als "unreif und kindisch" bezeichnet 

• (2012) Cousins drängt sich nach einer Niederlage in San Antonio an Sicherheitsleuten vorbei, stürmt zurück auf's Parkett und gerät in einen lautstarken Streit mit Spurs-Kommentator Sean Elliott, der ihn während der Partie im TV kritisiert hatte

• (2012) Cousins wird für seinen Tiefschlag in OJ Mayos Sicherheitszone von der NBA gesperrt

• (2012) Cousins wird von den Kings auf unbestimmte Zeit gesperrt, nachdem er seinen Coach während der Halbzeitpause auf's Übelste beleidigt hatte


Cousins entschuldige sich zwar umgehend beim Team und seinen Kollegen, aber der Schaden war angerichtet. Die Kings suspendierten ihn auf unbestimmte Zeit. "Ich hätte die Klappe halten sollen, einfach nicht zurück antworten. Ich hätte akzeptieren sollen, was zu mir gesagt wurde. Ich habe Mist gebaut. Ich entschuldige mich und werde aus meinen Fehlern lernen", zeigte sich der designierte Franchise-Spieler reuevoll.

Die Frage ist: ändert all das irgend etwas? Kann Sacramento seiner schier aussichtslosen Situation und chronischen Erfolglosigkeit irgendwie entkommen? Die Trade-DeMarcus Rufe, sie werden in den nächsten Tagen und Wochen wieder unüberhörbar laut werden, wie schon so oft. Aber während die halbe Welt Trade Machine Szenarien in den Äther pumpt, werden die Kings untätig bleiben, wie so oft schon. Sie wissen nur allzu gut, dass Cousins' laute und destruktive Art unverbesserlich ist. Sie wissen, dass viele seiner Teamkollegen seiner ständigen Mätzchen längst überdrüssig sind, dass sie ihm im Spiel häufig den Ball zupassen und ihn machen lassen, um einfach ihre Ruhe zu haben. Sie wissen jetzt auch, dass Cousins sogar für Smart, einer seiner wenigen Befürworter, der immer hinter ihm gestanden hatte, keinen persönlichen Respekt übrig hat.

Die Aufmüpfigkeit kann natürlich mit Smarts Inkompetenz als Coach zu tun haben, und sie ist sicherlich auch vom vergifteten Verlierer-Umfeld auf und ausserhalb des Parketts motiviert. In einer Saison, in der die Kings junge Spieler weiter entwickeln, eine fruchtbare Teamkultur etablieren und um die Playoffs zumindest mitspielen wollte, war Sacramento schon im November wieder ein Fall für die Sondermülltonne. Die Fans bleiben in Scharen weg, das Management um Geoff Petrie ist inkompetent, und die Maloof-Brüder sind die mit Abstand schwachsinnigsten Besitzer im US-amerikanischen Profisport. Wenn die Frucht schon an der Wurzel völlig verschimmelt, kann oben niemals etwas Schmackhaftes erblühen. Tyreke Evans und DeMarcus Cousins, Thomas Robinson, Jimmer Fredette und Isaiah Thomas... die Liste der talentierten Youngster, die bei den Kings vor die Hunde gehen, wird von Jahr zu Jahr länger.

Das Team kann also Cousins suspendieren. Es kann besonderes Augenmerk darauf legen, dass DMC in diesem Jahr uninteressiert und ineffizient spielt, nur 41% aus dem Feld wirft und häufig überhaupt keine Lust auf Verteidigung hat. Oder darauf, dass er kürzlich in einem Interview zugab, "keinerlei Selbstvertrauen" zu haben und alles andere als der Franchise-Führungsspieler zu sein scheint, für den man ihn hielt. Es kann Smart - einen unterdurchschnittlichen Übungsleiter - feuern und ohne grosse Anstrengungen ersetzen, so wie es das mit Paul Westphal und mit Kenny Natt vor ihm getan hatte. Es kann Cousins traden, oder Evans traden, oder beide traden, und an gleicher Stelle mit Veteranen oder neuen, abermals vielversprechenden Spielern einen Neuanfang wagen. Aber all das wird absolut nichts bringen, solange sich die Parameter hinter den Kulissen, also die Macher an der Basis, nicht ändern. Heisst im Klartext: neues Management, neue Teambesitzer, neue Stadt. Komplettabriss, Komplettsanierung, kompletter Neuanfang. Eine Definition von Wahnsinn ist: "Immer das Gleiche, immer und immer wieder zu tun, und dabei auf unterschiedliche Ergebnisse zu hoffen." Die Sacramento Kings sind der Inbegriff des NBA-Wahnsinns.