22 Dezember 2012


So hatte sich Mikhail Prokhorov das sicher nicht vorgestellt. Der milliardenschwere Besitzer der Brooklyn Nets pumpte im vergangenen Sommer mehr als 300 Millionen Dollar in seine Starting Lineup, um seinen aggressiven Fünf-Jahres Plan schon bald mit einer Meisterschaft krönen zu können. Nicht zwingend in dieser Saison, das gab der Russe selbst zu. Aber mit dem Aufstellen der Conference Finals als Minimalziel wurde recht deutlich, wo Prokhorov die Messlatte für 2013 abgelegt hatte.

Und seine rundum erneuerten Nets stürmten wie die Feuerwehr ins „Abenteuer Brooklyn“ und in den NBA-November, gewannen 11-4 Partien und etablierten sich im Handumdrehen als ernst zu nehmender Herausforderer im Osten. Die erste Fünf harmonierte, die Bank überzeugte und die Offensive trug Brooklyn zu zwei separaten Fünf-Siege-Serien und bis hinauf auf Platz zwei. Es ist erst drei Wochen her, da spielte dieses Team in Miami zwischenzeitlich um die Krone in der Eastern Conference.

Und dann kam der Dezember und raffte plötzlich alles dahin. Ein paar knappe Niederlagen hier, der verletzungsbedingte Ausfall von Center Brook Lopez da, und schon mutierten der Hype und die grosse Erwartungshaltung in Brooklyn zu beschwerlichem Pflichtdenken und immensem Druck, mit dem die Nets nicht mehr fertig zu werden scheinen. Ohne Lopez brach die zuvor gute Defensive (Platz 11 im November) völlig in sich zusammen. Im Dezember belegt das Team von Avery Johnson hinten einen peinlichen 28. Rang. Und obwohl die Offensive bei genauerem Hinschauen (also auf die Effizienz) immer noch solide dasteht (zwar erzielen die Nets nur 95,3 Punkte pro Partie, spielen aber auch den langsamsten Ball der NBA), sind auch da Kollateralschäden erkennbar. “Wir laufen einfach nicht unsere Sets, oder eben nicht zu Ende. Das bringt uns um”, analysierte Joe Johnson nach der Niederlage gegen die New York Knicks, schon der achten für Brooklyn in den letzten zehn Partien. Anstatt den Gegner wie noch zu Beginn träge-methodisch einzulullen, wird zur Zeit überhastet drauf geballert – und verworfen. In der Verteidigung werden derweil Rotationen verschlafen, die Hilfe bleibt aus, Spieler dürfen ungehindert zum Korb ziehen. Es fehlt an klarer Richtung, Einsatz, Selbstvertrauen und Führungsqualitäten.

Letzteres fällt auf zwei Männer zurück, die nicht erst seit dem kurzen Medienintermezzo zu Wochenbeginn im Mittelpunkt des Interesses stehen: Deron Williams und Avery Johnson...

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