02 Dezember 2012

von Niklas Dahl  |  @hoopcadabra

Die Woche nach Thanksgiving. Ein letztes Mal also das Bankkonto überprüft, sämtliche Kreditkartenrahmen erhöht, bevor sämtliche Warenhäuser ob der vielen Rabatte geplündert werden. Aber ich finde, es sollte auch die Zeit sein, dankbar zu sein. Wofür ich dankbar bin? Nun, zum einen dafür, nicht mitansehen zu müssen, wie Brandon Roy sein Comeback im Rose Garden gibt. Nicht, weil ich ihn nicht mag, oder ihm eine weitere Verletzung wünsche; nein, ich bin dankbar dafür, nicht zusehen zu müssen, wie er bei seinem Comeback nicht das so ans Herz gewachsene weiß-rot-schwarze Jersey trägt, sondern das der Timberwolves. Ein Anblick, den ich nur schwerlich hätte ertragen können. Außerdem bin ich dankbar für eure Kommentare zum ersten Rose Garden Report, auf die ich heute eingehen werde. Also, Mehl, Zucker und Eier vermengt, den Chefkoch-Ofen angeworfen und während die Plätzchen vor sich hinbacken, darüber philosophieren, was viele nach dem 1. RGR nicht verstanden haben: Wieso, zum Henker, kommt jemand auf die Idee, den Leader, den Allstar, den wohl besten Spieler im Kader der Blazers, LaMarcus Aldridge, traden zu wollen. Die Antwort gibt es jetzt. Herzlich willkommen und hereinspaziert zur 2. Ausgabe über das kühlste Team des Nordwestens.

Grundsätzlich gibt es zwei übergeordnete Gründe, warum ich mir einen Trade fast schon herbeisehne. Die da wären…

LaMarcus Aldridge

Eigentlich sinnvoll, mit dem Spieler zu beginnen, um den es hier heute gehen wird. Schaut man einmal tiefer in Aldridges Statistikbuch 2012-13, so kommt man nicht umhin, etwas ins Zweifeln zu geraten. Zwar ist es richtig, dass LMA derzeit Karrierebestwerte in Sachen Assists auflegt (3.0). Nur ist dies die einzige Kategorie, die sich im Vergleich zum Vorjahr zum Positiven verbessert hat. Die Punkteausbeute pro Spiel ist um gut einen Punkt gesunken, obwohl er knapp zwei Minuten pro Partie länger auf dem Court steht. Obschon nie ein großer Rebounder, ist jener Wert von 8.0 auf 7.4 gesunken. Sein Offensive Rating? Von 113 um zehn Punkte auf 103 gesunken. Sein Player Efficiency Rating beläuft sich auf 18.0 – dem gegenüber steht ein Wert von 22.7 im Vorjahr. Dieser Wert bedeutet zum gegenwärtigen Zeitpunkt Platz 19 unter sämtlichen Power Forwards. Zum Vergleich: Nach Ablauf der 2011/2012er Regular Season fand sich LMA auf Platz 3 unter allen Power Forwards wieder. Getoppt lediglich von Kevin Love und Blake Griffin.

Bisher nicht aufgezählt habe ich Aldridges Field Goal und True Shooting Percentage Werte. Die FG% zeigt derzeit einen Wert von .439 an – Karrieretiefstwert. Der TS% Wert sieht nicht besser aus. Und damit komme ich zum Hauptproblem von LaMarcus Aldridge: Meiner Meinung nach lassen sich sämtliche Tiefstwerte mit LMAs derzeitiger Wurfauswahl begründen.

Von 243 genommen Würfen feuert Aldridge momentan 123 aus der so unattraktiven Entfernung von 16 ft. bis hin zur Dreierlinie. Seine FG% aus jener Entfernung? .407. Gehen wir etwas näher zum Korb (10 bis 15 ft.) – von dort nimmt LMA bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt insgesamt 46 Würfe, getroffen hat er 19 (.413 FG%). Erst am Brett steigert sich seine Field Goal Percentage deutlich auf .649. Doch hier der springende Punkt: Von dort nimmt Aldridge lediglich 37 Würfe. Nur 15 Prozent aller Würfe nimmt Aldridge aus der erfolgversprechendsten Entfernung. Zum Vergleich: Blake Griffin nimmt gegenwärtig 30 Prozent aller Würfe unter dem Korb, Love sogar 36 Prozent. Sprich, knapp doppelt so viel.

Nun kann man sicherlich damit argumentieren, dass Aldridge aus Angst vor einer weiteren Verletzung gegenwärtig noch auf lange Zweier setzt. Oder es an Lillards hoch angesetztem Pick & Roll liegt. Dem würde ich auch gerne zustimmen. Problematisch ist allerdings, dass seit 2010 eine Entwicklung eingesetzt hat, die den oben genannten Trend eher bestätigt denn entkräftet. So nahm LMA 2010 noch knapp 34 Prozent aller Würfe unter dem Korb, 2011 nur noch 28. Und das kann ein großes Problem in Zukunft werden. Zwar glaube ich nicht, dass Aldridge noch mehr in Richtung purer Shooter gehen wird (wie denn auch), allerdings ist solch ein Aldridge in meinen Augen a) niemand, um den man ein Team bauen sollte und b) lediglich eine 2. Option im Angriff. Die Tatsache, dass diverse Bedenken um seine Gesundheit stets im Hinterkopf sind, macht die Sache rund um LMA nicht besser. Aber kommen wir nun zum zweiten Punkt…

Die Western Conference

„We're not looking for quick fixes. We're not looking for aging veterans that can slide us into the eighth spot.” Mit diesen Worten hat sich Neu-GM Neil Olshey im Juni diesen Jahres der Medien und Fanlandschaft vorgestellt. Daraus lese ich zwei Dinge:

1) Überteuerte Verträge für Spieler, die die Franchise lediglich kurzfristigen Erfolg versprechen (bei langfristiger Laufzeit), sind Geschichte

2) Olshey will mittel- bis langfristig in die Top-4 der Western Conference vorstoßen

Zwei ehrbare Ziele, die jedem Trail Blazers Fan ein Lächeln auf die Lippen zaubern sollten. Untersuchen wir mal die beiden Punkte ob ihrer Erfüllbarkeit:

(i) Der vergangene Free Agent Sommer hat bereits gezeigt, welche Art von Spielern Neil Olshey versucht, in den Nordwesten zu lotsen: Junge, talentierte Spieler, die das Team mit ihren jeweiligen Stärken entscheidend nach vorne bringen können (lies: Roy Hibbert). Welche Spieler gab es bis vor kurzem, die jene Anforderungen erfüllten? James Harden, Chris Paul und Dwight Howard. Ersterer hat bereits seinen Vertrag verlängert, letztere werden Portland sicherlich nicht in Betracht ziehen. Hieße also, dass lediglich Bank- und Rotationsspieler kommen könnten. Aber wie viele könnten sich ein Engagement in Portland vorstellen? Bei so viel attraktiveren Alternativen? Ich habe meine Zweifel…

(ii) Auf den Plätzen 1-4 in der Western Conference befinden sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Grizzlies, die Spurs, die Thunder und die Clippers. Nun bin ich mir ob der Aussagekraft der derzeitigen Bären-Leistung für die zukünftigen Jahre nicht wirklich sicher, die drei Teams dahinter sehe ich jedoch auch in den kommenden Jahren in der Westspitze (zumindest, im Fall der Clippers, wenn Chris Paul gehalten werden kann). Nicht zu vergessen: Die Lakers (solange Kobe, Nash und Howard in diesem Team spielen, sollte man nicht so vermessen sein, sie irgendwo in den hinteren Regionen anzusiedeln). Und natürlich auch ein Mix aus Warriors, Timberwolves, Jazz, Nuggets, Rockets, Suns, Mavericks und Hornets, die ihrerseits sicherlich in den nächsten 2-3 Jahren um die Playoff-Plätze spielen werden. Etwaige Verletzungen wichtiger Spieler werfen natürlich jedes Team zurück, doch wenn gesund, glaube ich nicht, dass diese Blazers imstande sind, sich dauerhaft in der Westspitze zu etablieren.

Welche Mittel hat Neil Olshey denn dann, um die Blazers dauerhaft in die 2. Playoffrunde zu befördern? Meiner Meinung nach zwei. Da wäre der oft erwähnte Weg des Retools. Mithilfe von kleineren, jedoch wichtigen, Ergänzungen  könntest du dein jeweiliges Team entscheidend nach vorne bringen, ohne den Kern auseinanderzubrechen. Das Problem (wie oben angerissen): Ich sehe keine Free Agents, die der Franchise weiterhelfen würden und die gleichzeitig Portland in den engeren Kreis der Favoriten zählen.

Oder aber der von mir gewünschte Weg des Rebuilds. Ein harter Schnitt, 2-3 Jahre am unteren Ende der jeweiligen Conference zocken, im Idealfall einige hohe Picks mitnehmen, junge Spieler entwickeln und einen Teamgeist aufbauen. Oft erwähntes Vorbild: Oklahoma City. Mit Lillard hat man einen jungen, vielversprechenden Point Guard, der im besten Fall der nächste Chauncey Billups wird. Mit Batum jemanden, der in den ersten 10 Spielen dieser Saison gezeigt hat, wozu er fähig sein kann. Mit Leonard jemanden, der vielleicht die Lösung auf Center ist. Diesem Kern könnte man mittels eines Trades weitere junge Spieler hinzufügen, ihn wachsen lassen und mit hohen Picks ergänzen. Denn: Dieses Team würde verlieren. Gerade weil die Western Conference momentan so tief, so gut besetzt ist. Nur würde man auch verlieren, wenn Aldridge im Kader wäre.




Und daher wünsche ich mir nicht nur, nein, ich fordere, einen Aldridge Trade. Lasst doch die anderen Teams ihr Salary Cap füllen, sich knappe Duelle um 3-4 Playoffplätze liefern. Lehnt euch doch zurück, seht eurem Team zu, wie es sich entwickelt. Und führt neue Talente ans Team heran. Ganz kurz: 2013 winken Zeller, Noel und Muhammad; 2014 Wiggins und Parker. Wer würde diese Leute nicht gerne im eigenen Team wissen? Welche Teams kämen denn überhaupt für einen Trade infrage? Im Moment komme ich auf drei:

1. Houston: Seit dem Harden Trade ist klar, wohin die Richtung gehen soll. Doch fehlt noch die wirkliche zweite Option im Angriff. Und hier käme Aldridge ins Spiel. Zusammen mit Lin und Harden hätte Houston einen schönen Nukleus zusammen, die Playoffs wären drin. Mittels eines Pakets aus Jones, Motiejunas und Pick könnte man Aldridge sicherlich aus Rip City lotsen.

2. Toronto: Bargnanis Tage sind sicherlich gezählt. Nicht umsonst mehren sich die Gerüchte um/Forderungen nach einem Bargnani/Gasol Trade. Doch wieso nicht Aldridge statt Gasol? Toronto ist zwar Oklahoma City einen 2013er 1st Round Pick schuldig, doch einen ungeschützten 2014 Pick mit entsprechenden Klauseln könnte man sicherlich aushandeln.

3. Washington: Zitat NBAChef: „Nenê du, so wird das nix... Da kann sich Maybyner Rodney Hilario noch so abrackern und den Mentor für seine jungen Teamkollegen geben. Solange Randy Wittman dort das Sagen hat, bleiben die Wiz unter Generals-Niveau.“ Jo. Doch mit einem Aldridge/Nenê Frontcourt plus anderem Trainer plus einem seine Erwartungen erfüllenden John Wall könnte es vielleicht für Platz 7-8 im Osten reichen. Ein entsprechender Pick aus Washington kann ob dieser Aussicht mit Sicherheit losgelöst werden.

Ebenfalls noch erwähnenswert: Oklahoma City. Ich finde, dass Presti lieber in den Win-now Modus schalten sollte, auch um seine beiden Stars bei Laune zu halten. Der geschützte Pick aus Toronto ist daher meiner Meinung nach für die Thunder weniger wert, als für ein Portland Team, das im Rebuild ist. Sicher, für OKC dürften bessere Gegenwerte zu haben sein. Ein längerer Telefonanruf sollte aber doch im Bereich des Möglichen liegen.

Long story short: Ich denke, es ist durchgeklungen, dass ich LaMarcus Aldridge nicht für eine untradebare erste Option halte, um die man einen Rebuild beginnen sollte. Eher denke ich, dass er sich aufgrund seines sich wandelnden Spieles und sich häufenden Verletzungen zu einer guten Nummer 2 im Angriff wandelt. Eine Nummer 2, die ein Team sicherlich in die Playoffs befördern kann. Der gute Kontrakt plus sein relativ junges Alter tun ihr übriges. Für Portland ist er allerdings nicht mehr der richtige Spieler. Und damit verabschiede ich mich mit dem Wunsch, LMA ab Februar/März in einem anderen Jersey zu sehen (gleichwohl ein nicht ganz angenehmes Gefühl, jedoch besser als bei Roy) und wünsche euch auf diesem Weg einen entspannten 1. Advent. Haut rein!