25 Oktober 2013

Florian Schaum | 24. Oktober, 2013    @Monsieur_Bobcat






Flashback: 21-61 (.256), Platz 14 im Osten

Wenn ein Team dreimal so viele Siege wie in der Vorsaison einfährt, kann man eigentlich davon ausgehen, es ganz oben in der NBA Nahrungskette zu finden. Doch in Charlotte ticken die Basketballuhren bekanntlich etwas anders - und vor allem langsamer. Und so beendeten Charlottes zahnlose Kätzchen trotz einer prozentualen Sieges-Zunahme von 200%  die Saison als zweitschlechtestes Team der Liga. Dabei hatte Charlotte nach einem hoffnungsvollen 7-5 Start schon kurz nach Saisonbeginn genauso viele Siege auf dem Konto wie im Vorjahr. Was darauf folgte waren allerdings 18 Niederlagen am Stück, die das ungeschriebene Gesetz erneut bestätigten, demzufolge die Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns höher ist als eine erfolgreiche Basketballsaison der Bobcats. Zudem kam es zwischen Coach Mike Dunlap und den Veteranen um Ben Gordon immer wieder zu harschen Auseinandersetzungen. Daher überraschte es kaum jemanden, dass Charlotte die einjährige Zusammenarbeit mit dem Rookie-Coach zum Saisonende beendete. Wenn die Bobcats etwas Positives aus dieser erneuten Pleitesaison ziehen konnten, war es die Erkenntnis, dass sich Talente wie Point Guard Kemba Walker oder Gerald Henderson in ihrem Spiel erkennbar weiterentwickelten. 

Plus: Headcoach Steve Clifford (LAL), Al Jefferson (UTA), Anthony Tolliver (ATL), Cody Zeller, James Southerland, Patrick O`Bryant

Minus: Headcoach Mike Dunlap, Tyrus Thomas (Amnesty), DeSegana Diop (CLE), Reggie Williams (HOU), Byron Mullens (LAC)



Wichtigster Neuzugang: Al Jefferson

What the hell?” fragten sich nicht wenige Basketballfreunde, als sie die Nachricht von Al Jefferson Vertragsunterschrift in Charlotte ereilten. War man davon ausgegangen, dass der Ex-Jazz bei einem Playoff-Aspiranten anheuern würde, unterschrieb der 28-jährige bei den Bobcats für drei Jahre und 40.5 Mio. Dollar. Während der Big Man vom Großteil der Liga von nun an in der Sparte „Geldsack“ gelistet wird, ist die Verpflichtung Jeffersons für Charlotte ein Glücksfall. Auch wenn der Center in der Defensive löcheriger als ein Schweizer Käse wirkt, eröffnet dessen breit vorhandenes Offensiv-Repertoire den Cats völlig neue Möglichkeiten. Ein Segen, wenn man bedenkt, dass auf dieser Position in den letzten Jahren neben den beiden offensiv limitierten Bismack Biyombo und Haywood u.a. die zwei zukünftigen Promi Big Brother Kandidaten Tyrus Thomas und DeSegana Diop ihr Unwesen trieben.

Shining Star: Al Jefferson

Selbst Vögel statten Charlotte eigentlich nur einen Besuch ab, wenn sie sich auf dem Weg in den Süden verfliegen. Mit Al Jefferson schafften die Macher das, was selbst zu Charlotte-Hornets-Zeiten unmöglich war: Ein namhafter Free-Agent unterschreibt einen Vertrag in Queen City. Auch wenn Big Al als überbezahlt gilt, ist der Big Man einer der besseren Center der Liga - und die wachsen in der NBA bekanntlich nicht gerade auf den Bäumen. Jefferson soll der Kopf und Anführer der jungen Truppe werden. Neben seiner Präsenz auf dem Feld wird der 28-jährige die beiden talentierten Big Men Cody Zeller und Bismack Biyombo unter seine Fittiche nehmen und als Mentor agieren.

Scouting: Die Bobcats gehören seit Jahren zu den schlechtesten Shooting-Teams der Liga. Letzte Saison trafen die Cats nur unterirdische 42.5% ihrer Würfe aus dem Feld (Rang 30) sowie 33,5% vom Perimeter (Rang 27). Dieser Punkt soll in diesem Jahr grundlegend geändert werden. Denn die neuen Big Men Al Jefferson und Cody Zeller werden nicht nur für jede Menge Punkte in der Zone sorgen, sondern auch das Spacing und Shooting der Bobcats verbessern. Da Charlottes Frontcourt in der Vergangenheit essentiell kaum vorhanden war, konzentrierte sich die gegnerische Verteidigung bisweilen vorwiegend auf die Guards der Bobcats und zwang diese so zu schlechten Würfen. Mit dem offensivstarken Jefferson sowie Rookie Cody Zeller besitzen die Cats nun aber ganz neue Waffen auf den großen Positionen.

Der Gegner wird mit den beiden Big Men alle Hände voll zu tun haben, sodass Walker und Henderson viele offene Würfe bekommen und erfolgreicher abschließen können. Die Präsenz von Big Al wird zusätzlich den Druck von den jungen Guards nehmen, beide werden befreiter und unbekümmerter als zuletzt auftreten. Zusätzlich wurde Mark Price als Shooting-Coach verpflichtet. Der ehemalige Dreier- Champion soll im Sommer besonders intensiv mit Michael Kidd-Gilchrist gearbeitet haben, um dessen wackeligen Sprungwurf (27,2 Prozent) zu verbessern. In der Preseason sah man davon allerdings herzlich wenig, wo Kidd-Gilchrist vieles traf, nur nicht den Korb. In dieser Verfassung droht dem Small-Forward zu Saisonbeginn ein Platz auf der harten Bobcats-Bank, auch weil Jeff Taylor in bestechender Form ist und zu „dem Sleeper überhaupt“ unter den Rotluchsen avancieren könnte.


Check: In dieser Saison wird das letzte Kapitel der Bobcats in Charlotte geschrieben - und man muss kein Hellseher sein, um zu prognostizieren, dass dieses Buch ein Ladenhüter wird. Obwohl die Cats mit Al Jefferson und Cody Zeller an  Qualität und Talent dazugewonnen haben, werden die Katzen auch in diesem Jahr das Schwimmen nicht lernen und erneut zu den schlechteren Teams der NBA zählen. Dennoch wächst langsam aber sicher ein zartes Pflänzchen in Charlotte heran. Die Starting-Lineup der Rotluchse ist blutjung, aber äußerst talentiert. In der nächsten Saison werden die Youngster um Kemba Walker, Gerald Henderson, Michael Kidd-Gilchrist, Cody Zeller und Bismack einen großen Sprung machen. Mit dem neuen Headcoach Steve Clifford soll endlich wieder Kontinuität auf der Trainerposition einkehren.

Das Team wird sicherlich nicht so desolat auftreten wie in der Vergangenheit, wirkliche Quantensprünge sind aber auch 2013/2014 nicht zu erwarten. Die Bobcats werden weiterhin zu den fünf bis zehn schlechtesten Teams der NBA zählen und so die Chance wahren, in der kommenden Draftklasse ein weiteres Talent an Land zu ziehen. Auch wenn einige Entscheidungen des Managements oft so absurd wirken, als würde ein zugedröhnter Shawn Kemp die Geschicke im Front Office leiten, werden die Bobcats in den nächsten Jahren personell gut aufgestellt sein.

Nachdem das unrühmliche Buch über die Charlotte Bobcats im nächsten Jahr geschlossen wird, will die Franchise ab 2014 einen echten Bestseller schreiben. Mit der Umbenennung der Bobcats in Hornets (schon von 1988-2002 trug die Franchise erstmals den Namen) soll endlich wieder der Glanz und der Erfolg einkehren, der Charlotte in den 90er Jahren zu den beliebtesten Teams der NBA machte. Für die Fans heißt es noch eine weitere Saison stark bleiben, mehr als dreißig Siege sitzen für die Bobcats auf ihrer letzten Reise nicht drin. Was bleibt ist die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Und vor der muss dem Basketball-Fan in Charlotte bei weitem nicht bange sein.