27 Oktober 2013

Frank Becker | 26. Oktober, 2013    @frankbecker41






Flashback: 41-41 (.500), Platz 10 im Westen

„Wir sind finanziell variabel. Wir sind besser aufgestellt als zuvor. Wir sind davon überzeugt, eine gute Rolle spielen zu können.“ Es waren die immer selben Phrasen von Owner Mark Cuban, mit denen er versuchte, die Fans positiv zu stimmen. Doch spätestens nach der Hiobsbotschaft, dass Superstar Dirk Nowitzki mindestens die ersten 25-30 Saisonspiele ausfallen wird, war jedem noch so großen Fan der Mavs klar, dass das erreichen der Playoffs fast schon utopisch erschien. So kam, was kommen musste - die ersten Playoffs ohne die Mavericks nach zwölf Teilnahmen in Folge. Letztendlich war das kurze Aufbäumen nach dem All-Star Break zu wenig, um die Lakers oder Rockets noch abzufangen. Man schloß die Regular Season mit einer ausgeglichenen Bilanz auf dem undankbaren 10. Platz hinter den Utah Jazz ab. Keine Playoffs - kein vernünftiger Lottery Pick. Aber man wartete sowieso nur auf den Sommer, um Chris Paul und/oder Dwight Howard nach Dallas zu lotsen. Wie der Plan ausging, ist bekannt.

Plus: Monta Ellis (MIL), José Calderón (DET), Samuel Dalembert (MIL), Wayne Ellington (CLE), Devin Harris (ATL), DeJuan Blair (SAS), Ricky Ledo, Shane Larkin, Gal Mekel

Minus: Chris Kaman (LAL), Darren Collison (LAC), Elton Brand (ATL), Jared Cunningham (ATL), O.J. Mayo (MIL), Anthony Morrow (NOP), Dominique Jones, Rodrigue Beaubois, Mike James



Wichtigster Neuzugang: José Calderón

Endlich vorbei die Zeiten der Darren Collisons und Mike James‘. Mit Calderón kommt der Point Guard mit dem zweitbesten A/TO-Verhältnis der vergangenen Saison (4,1), der dem Spiel der Mavs wieder die notwendige Ordnung verleihen wird und anders als seine Vorgänger in der Lage ist, seine Mitspieler richtig einzusetzen. Eklatante Schwächen hat der beste Dreierschütze der abgelaufenen Saison (46,1%) dafür in der Defensive, wo er nicht in der Lage ist, seinen Gegenspieler vor sich zu halten.

Shining Star: Dirk Nowitzki

Der mittlerweile 35-jährige Superstar, der die Mavs noch vor zwei Jahren zum Titel führte, hat im letzten Jahr mit 17,3 Punkten und 6,8 Rebounds die statistisch schlechteste Saison seit seinem Rookie-Jahr abgeliefert. Nach kompletter Vorbereitung zeigt sich Nowitzki jedoch schon während der Pre-Season in bestechender Form und wird keinen Zweifel daran lassen, dass die letzte Saison ein verletzungsbedingter Ausrutscher war. Mit Nowitzki stehen und fallen die Chancen auf die Playoffs.

Scouting: Auch dieses Jahr wird Rick Carlisles Flow-Offense genügend Punkte generieren. Mit José Calderón holte man sich den so wichtigen Floor General für das System der Mavericks. Eine der großen Stärken wird das Zusammenspiel zwischen Ellis/Calderon und Nowitzki. Sowohl im Pick & Roll, als auch im Pick & Pop wird diese Kombi nur schwer zu stoppen zu sein. So gut die Offense auch funktionieren wird, so schlecht wird es vermutlich am anderen Ende des Courts. Der Backcourt aus Ellis und Calderon ist defensiv mit das schlechteste was in der Liga am Perimeter rumläuft, was die Westbrooks und Parkers dieser Welt auf den Plan rufen wird, die Mavs in schöner Regelmäßigkeit zu zerstören. Man kann sich auf viel Zonen-Defense bei den Mavs einstellen, um Drives zu verhindern, was zu haufenweise freien Würfen des Gegners am Perimeter führen wird. Das wäre vielleicht zu verkraften, wenn man gute Rebounder hätte, aber selbst die gehen den Mavs (von Blair abgesehen) ab. Carlisle steht hier vor einer riesigen Herausforderung.



Check: Nach dem man die letzten zwei Jahre die Zeit damit vergeudet hat, schlechte Spieler für ein Jahr zu verpflichten, um im Sommer die ganz großen Fische (Howard, CP3, D-Will) an Land zu ziehen, hatte Cuban diesen Sommer ein Einsehen. Nach der Absage von Dwight Howard entschied man sich vernünftigerweise dazu, nicht weiter vergeblich auf den nächsten Superstar zu warten, und den Kader mit langfristigen Verträgen in der Breite zu verstärken. Also genau das zu tun, was die Mavs zwölf Jahre hintereinander in die Playoffs gebracht hatte. Über das Signing von Calderon und Ellis als Backcourt Partner lässt sich sicherlich streiten, da die Beiden auf dem Papier absolut nicht zusammen passen. Die Verträge sind jedoch sehr moderat. Auch die Verpflichtung von Blair und Ellington, sowieso die Verlängerung von Brandan Wright waren smarte Entscheidungen von Cuban und Nelson. Mit Sam Dalembert hat man sich den einzig noch halbwegs fitten verfügbaren Center geschnappt, der defensiv zwar ein klares Upgrade zu Kaman sein sollte, aber auch nicht die Kohlen aus dem Feuer holen wird.

Auch im Front Office tat man etwas, um sich weiterzuentwickeln und sich für die Zukunft aufzustellen. Man sicherte sich die Dienste von Gersson Rosas, der von den Houston Rockets kam und in Zukunft den Posten des General Managers besetzt. Dieser war im Grunde seit dem Abgang von Donnie Nelson Sr. vakant und interimsmäßig durch Sohn Donnie Jr. besetzt. Der 35-jährige Kolumbianer Rosas ist einer der talentiertesten Manager und wird in Zukunft an der Seite von Donnie Nelson arbeiten.

Rätselhaft ist dagegen der langfristige Plan von Cuban. Man verschwendet zwei Jahre seines Franchise Players, um sich nun einen Ellis/Calderon-Backcourt auf Jahre ans Bein zu binden. Zwar werden durch die auslaufenden Verträge von Nowitzki und Marion im Sommer gute 30 Millionen an Cap frei - ein Spieler, der das fehlende Puzzleteil zu einem weiteren Titel sein könnte, ist jedoch nicht in Sicht. Die Tendenz der nächsten Jahre geht für den Moment klar in Richtung „Mittelmaß“, sprich: Kampf um die Playoffs inkl. Erstrunden-Aus und unbrauchbarer Draftpick. Auch wenn Cubans Loyalität gegenüber Dirk Nowitzki absolut ehrenwert ist, muss so langsam ein Umdenken in Big D stattfinden.

Für diese Saison ist das Erreichen der Playoffs das Höchste der Gefühle. Man wird sich auf eine lange Spielzeit und einen harten Kampf um die letzten Playoff-Plätze einstellen müssen, welche man nur erreicht, wenn alles zusammenpasst. Dirk Nowitzki muss unbedingt gesund bleiben. Eine längere Ausfallzeit wäre das Ende aller Playoff-Träume. Darüber hinaus liegt es an Rick Carlisle, die Mavs defensiv halbwegs vernünftig aufzustellen. Carlisle ist nach wie vor einer der besten seines Fachs und versteht es, die Schwächen seiner Spieler bestmöglich zu kaschieren. Greifen alle Zahnräder ineinander, sehe ich die Mavs mit mind. 45 Siegen zwischen Platz sechs und acht in den Playoffs. Gespannt darf man aber sein, ob es zu Paniktrades im Februar kommt, sollte man dann nicht wie geplant auf Playoff-Kurs liegen.