27 Oktober 2013

Dennis Köhler | 26. Oktober, 2013    @NBACHEF_Nuggets






Flashback: 57-25 (.695), Platz 3 im Westen, 1. PO-Runde

Man nehme die Saison 2012-13 der Denver Nuggets und finde einen kurz und knackigen, aber zugleich treffenden Oberbegriff: Achterbahnfahrt. Von extrem hoch hängenden Vorschusslorbeeren bis hin zum neunten Erstrunden-Aus binnen zehn Jahren, es ging auf und ab. Nach anfänglichen Schwierigkeiten brachte sich das Team um Coach of the Year George Karl im Kalenderjahr 2013 immer mehr selbst in Position und belohnte sich mit 40 Siegen aus 50 Spielen am Ende mit einem dritten Platz im Westen. Das hieß Heimvorteil in den Playoffs. Hier war gegen ein bärenstark aufspielendes Team aus Oakland ein weiteres Mal nach sechs Spielen Sendepause und die Nuggets blickten auf eine kuriose, aber vor allem enttäuschende Saison zurück. Immerhin: Die meisten Siege der Vereinsgeschichte, zwei Awards und eine 15-Spiele-Siegesserie zauberten zwischendurch ein Lächeln auf die Gesichter der Goldklumpen-Anhänger. 

Plus:  Nate Robinson (CHI), Randy Foye (UTA), Darrell Arthur (MEM), J. J. Hickson (POR), Erick Green, Head Coach Brian Shaw (IND), General Manager Tim Connelly (NOP)

Minus: Andre Iguodala (GSW), Kosta Koufos (MEM), Corey Brewer (MIN)
Head Coach George Karl (ESPN), General Manager Masai Ujiri (TOR)



Wichtigster Neuzugang: J.J. Hickson

Der Neuzugang aus Oregon verleiht dem Team auf den großen Positionen die vermisste Tiefe und Vielfalt. Auch, wenn die Starter-Jobs fürs Erste wohl an McGee und Faried gehen, wartet mit Hickson schon ein laufendes Double-Double (2012-13: 12,7 PPG und 10,4 RPG) in den Startlöchern. Als ein ähnlicher Spielertyp wie Faried hat Hickson neben drei Jahren mehr Erfahrung bei den Profis auch das deutlich ausgeprägtere Offensivspiel, sei es im Post oder aus der Mitteldistanz. Sollte Mozgov als Back-Up Center versagen, wird Hickson sich mit seinen 2,06m auch mit den Cousins' und Howards der Liga auf der Fünf messen (müssen).

Shining Star: Ty Lawson

Der Ex-Tar Heel konnte seinem neuen, dicken Vertrag im vergangenen Jahr definitiv gerecht werden und stellt spätestens jetzt das Gesicht der Franchise. Seine Schnelligkeit und der tödliche Midrange-Jumper, kombiniert mit einem schnellen Release sorgen nicht selten dafür, dass sein Gegenüber nur noch auf den Fehlwurf hoffen kann. Die Frage, die sich nun stellt: Kann Lawson auch in einer Halfcourt-Offense überzeugen und das Team mit seiner noch nicht ganz ausgereiften Courtvision führen? 

Scouting: Showtime-Basketball in Mile High ist ferner Geschichte, Freunde des League Passes - jetzt gehts ans Eingemachte! Trainer-Frischling Brian Shaw sammelte fast ein gesamtes Jahrzehnt wertvolle Eindrücke an der Seitenlinie, von keinem geringeren als Phil Jackson und zuletzt Pacers-Erfolgstrainer Frank Vogel. Shaw galt schon zu aktiven Zeiten eher als "Oldschool-Player" und wird dem jungen Nuggets-Team neben eisenharter Defense auch noch ein gut strukturiertes Offensiv-Schema aufzwängen. Was, wenn wir ehrlich sind, genau das ist, was dieses Team bitter benötigt(e) und Karl ihm nie hätte beibringen können. Aber, wie wird so ein strukturiertes Offensivschema aussehen? Die Nuggets werden ein Inside-Out-Spiel aufbauen und vor allem, aufgepasst, JaVale McGee im Post füttern, bis dieser platzt. Und das könnte sich auszahlen: McGee hat die Länge, per Hookshot über jeden Center der Liga abzuschließen. Von seinen athletischen Vorteilen mal ganz zu schweigen! Draußen warten dann geduldig die altbekannten und eingekauften Schützen á la Robinson, Gallinari, Foye und Chandler. 



Check: Fakt ist, die Nuggets haben einen Sommer der Veränderung im Rücken. Wäre da nicht noch der Kern um Lawson, Faried und Gallinari, könnte man schon fast von einem Rebuild sprechen. Auch, wenn das Thema Rebuild nicht mal nach der MELOdramatik 2011 ein Thema war.

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich ein Corey Brewer 25+ Minuten Einsatzzeit durch schlechtes Gamble und noch schlechtere Shot Selection "verdient". Vorbei sind die Zeiten, in denen die Big Men im Post eigentlich nur als Dekoration dienen. Vorbei sind aber wohl auch die Zeiten, in denen die Nuggets ihren Gegner nach Strich und Faden aus der Halle rennen, mal locker die 110-Punkte-Marke knacken und 90% ihrer Punkte mit krachenden Dunks oder Hangtime-Lay-Ups erzielen. Das, was die Nuggets nun aufbauen, hat Hand und Fuß. Möglicherweise ein paar Jährchen zu spät, aber besser spät als nie! Während das Management sowie der Coaching Staff fast komplett ausgetauscht wurden, wurde auch an der Depth Chart ordentlich gefeilt. Die Schwächen von jenseits der Drei-Punkte-Linie wurden endlich ausgemerzt und wir blicken auf einen 15-Mann-Kader, welcher auf jeder Position mindestens doppelt besetzt ist. 

Young Guns wie Jordan Hamilton, Quincy Miller oder auch Evan Fournier dürfen sich über den Abriss von George Karls Hundehütte freuen. Trotzdem müssen sie auch weiterhin an der Leine gehalten werden - denn wir wollen ja nicht, dass sie auf die Masse losgehen. Zumindest noch nicht. Alles soll seinen Lauf nehmen! Shaw gilt als Players Coach und durfte sich in Indiana ordentlich Credit bei Roy Hibbert, Most Improved Player Paul George und Lance Stephenson für deren großartige Entwicklung einstecken. Vor allem auf Quincy Miller hält Shaw große Stücke und geht sogar so weit, ihn als nächsten Paul George zu deklarieren. 

Die vermutliche Starting Five wird wohl in etwa so aussehen: Lawson/Foye/Chandler/Faried/McGee. Zumindest so lange, bis mit Danilo Gallinari "la macchina" in die erste Fünf zurückkehrt. Dann könnte es interessant werden, denn auf keiner anderen Position herrscht so viel Klärungsbedarf wie auf der Zwei: Sieht Shaw das Potential in Fournier und kann dieser es auch abrufen? Oder macht Foye seinen Job als Veteran-Shooter gut? Eine andere Möglichkeit wäre sogar, dass Chandler den neuen Shooting Guard mimt. Witzig, wenn man bedenkt, dass WC in den vergangenen Playoffs noch auf der Fünf gegen Bogut drücken durfte. 

Letztendlich stellt sich dann nur noch die Frage: Sind die Nuggets überhaupt ein Playoffteam? Meine Antwort: Ein klares Ja! Die Abgänge von Brewer und Iguodala schmerzen lediglich defensiv und auch nur als Individuum. Verbessern die Nuggets ihre Team-Defense und legen die "Switch-everything"-Defense von Karl ad acta, steht man defensiv besser da als vorher. Offensiv hat das Team mit Robinson, Foye und auch Hickson neue Möglichkeiten. Auch Lawson wird endlich den Freiraum haben, sich zu entfalten, weil nun Spieler auf den großen Positionen sind, die das Spiel in die Breite ziehen. Das Team scheint im Gesamtpaket nur noch stärker, von den Spielern bis hin zum Mann auf der Trainerbank. Warum also den Kopf in den Sand stecken? It's time to dig in!