29 Oktober 2013

Big Ben | 29. Oktober, 2013   






Flashback: 29-53 (.354), Platz 11 im Osten

Die letzte Saison der Detroit Pistons zeigte Licht, aber leider auch viel Schatten. Während man zu Beginn eine 7-Spiele-Niederlagenserie hinlegte, die mit zu den schlechtesten Starts der Franchise überhaupt zählte, leistete Rodney Stuckey seinen Beitrag und traf in den ersten Spielen so gut wie gar nichts. Im Grunde ein recht schlechter Kader, in dem einzelne Talente dennoch immer wieder Hoffnungen weckten. Das Playmaking war eine der großen Schwächen des Teams. Die talentierten Big Men unterm Korb wurden kaum mit Pässen gefüttert. Mitte der Saison mischte man sich deshalb in einem recht spektakulären 3-Team-Trade ein und lotste Jose Calderon nach Detroit. Im Gegenzug gab man Tayshaun Prince nach Memphis ab. Mit ihm verlies auch der allerletzte Spieler der 2004er Meistermannschaft das Team. Das Spiel wurde nun durch den erfahrenen Calderon besser gelenkt. Der Froncourt mit den beiden talentierten Big Men Greg Monroe und Andre Drummond zeigte nun durchaus ansprechende Leistungen. Bei all den positiven Erkenntnissen der letzten Saison muss man aber auch festhalten, dass die Playoffs nicht erreicht wurden und man gerade gegen Ende der Saison (1- 12 im März) enorm schwächelte. Nach einer weiteren enttäuschenden Spielzeit und einigen Unstimmigkeiten zwischen Mannschaft, Trainer und Management wurde Lawrence Frank nach der Saison entlassen. 

Plus: Josh Smith (ATL), Brandon Jennings (MIL), Luigi Datome, Kentavious Caldwell-Pope, Tony Mitchell, Peyton Siva, Chauncey Billups (LAC), Josh Harrellson, Head Coach Maurice Cheeks (OKC), Assistant Coach Rasheed Wallace ("Ball Don't Lie!")

Minus: Brandon Knight, Khris Middleton, Viacheslav Kravtsov (alle MIL), Jose Calderon (DAL), Correy Maggette, Jason Maxiell (ORL), Kim English, Head Coach Lawrence Frank (BRK)



Wichtigster Neuzugang: Brandon Jennings

Der ehemalige Point Guard der Milwaukee Bucks steht nach seinen ersten Jahren in der Liga nun am Scheideweg. Wird er ein Scoring Guard, der das Spiel an sich reißen will oder zeigt er, dass auch ein Playmaker in ihm steckt und er sich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft stellen kann? In Interviews vor der Saison betonte er mehrmals, dass er sich nun vermehrt auf seine Rolle als Spielgestalter konzentrieren will. Dass er das kann, hat er schon mehrfach bewiesen (letzte Saison 6,5 APG), wenn auch nur über kurze Strecken. Zu sehr wurde er als Scorer bei Milwaukee gebraucht, als dass er sich als Pass-first-Guard präsentieren konnte. Vielleicht liess es aber auch sein Ego nicht zu. An Jennings scheiden sich weiterhin die Geister. Schafft er es als Aufbauspieler, das Spiel der Pistons zu denken und zu lenken, die Big Men einzusetzen und gute Defense zu spielen, dann schafft er den nächsten Schritt in seiner Karriere. Ballert er weiterhin so wild drauf los wie in Milwaukee, dann wird er es schwer haben in Detroit.

Shining Star: Andre Drummond

Hoffnungsträger, Top-Talent, Next Superstar... Drummond wird von allen Seiten mit Lob überschüttet. In der Summer Leauge hieß es, es sähe aus, als ob ein Mann gegen Kindern spielt. Der talentierte Center hat sich schnell einen Namen gemacht. Dabei hat er, geplagt durch mehrere kleinere Verletzungen, sein volles Potenzial noch nicht ansatzweise abrufen können. Nun wird der nächste Schritt von ihm erwartet. Drummonds Stärken liegen vor allem in der Defense. Mit 4,8 Defensiv-Rebounds, 1,6 Blocks und 1,0 Steals in nur 20,7 MPG deutete er hier an, was viele von ihm erwarten: harte Defense und die Pistons zu alter Stärke zurück führen. In der Offensive wird er vor allem Second-Chance Punkte machen und krachende Alley-Oop Dunks verwerten. Einzig die Freiwurfquote (37,1% FT) ist noch jenseits von Gut und Böse. 

Scouting: Die Pistons haben sich auf vielen Positionen auf und neben dem Feld gut verstärkt. Joe Dumars hat sich endlich mal wieder ins Zeug gelegt und mit Jennings, Billups, Smith, Cheeks und Wallace gleich fünf große Namen nach Detroit gelotst. Auch wenn die meisten der Neuzugänge umstritten sind, muss man jedoch anerkennen, dass sie durchaus den Kader aufwerten. Durch die vielen neuen Namen, besonders auf dem Trainerstuhl, lässt sich nur schwer vorhersagen, wie die Pistons spielen werden. In den ersten Pre-Season Spielen hat sich jedoch schon ein Muster angedeutet. Der Ball soll möglichst unter den Korb zu Monroe oder Drummond. Smith kommt als Small Forward öfter nach oben und bildet eine Art Verbindungsstück zwischen Backcourt und Frontcourt. Jennings als talentierter Point Guard wird unter dem ehemaligen Elite-Aufbauspieler Cheeks sicherlich eine tragende Rolle spielen. Dennoch mangelte es in der Preseason an vielen Ecken und Enden. Die Defensive war löchrig, die Offensive ineffektiv. Billups, Jennings, Datome, Smith und Singler sind allesamt gute Schützen. Die Big Men werden deshalb oft auf den Rebound gehen und versuchen, über den zweiten Versuch zu punkten, sollte die Zone dicht sein. Das Zusammenspiel der drei Big Men Drummond, Monroe und Smith wurde oft diskutiert und kritisch betrachtet. Bisher hat sich Smith als fähiger Allrounder bewiesen, der als Small Forward und Power Forward auftreten kann und das passende Verbindungsstück in diesem gigantischen Frontcourt darstellt.



Check: Dumars hat eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt, die einen Mix aus Erfahrung und Talent mitbringt. In Detroit heißt das Ziel: Rückkehr in die Playoffs. Nach Jahren der Draft-Hoffnungen und einem langsamen Rebuild hat man nun einen Gang höher geschaltet. Jennings und Smith passen dank ihrer relativen Jugend gut in ein Team, in dem nur Will Bynum und Chauncey Billups auf der anderen Seite der 30 stehen. Dennoch sind beide Spieler, obgleich ihres riesigen Potenzials, tickende Zeitbomben. Beide haben in ihren bisherigen Stationen gezeigt, dass sie schnell überdrehen, egoistisch aufspielen und so ziemlich jeden Wurf nehmen können, der sich auch nur im Entferntesten anbietet. Die Gefahr besteht natürlich auch in Detroit, jedoch zeigt auch hier die Preseason, dass sich beide am Riemen reißen und sich in den Dienst der Mannschaft stellen wollen.

Die Rückholaktion von Billups als erfahrener Point Guard und Finals-MVP von 2004 hat mehrere positive Faktoren. Zum einen soll er als Lehrmeister für Jennings und Siva fungieren und sie das Handwerk eines richtigen Floor Generals lehren. Als solider Schütze mit hohem Basketball IQ wird er neben Jennings auf der Zwei starten und kann sowohl im Playmaking aushelfen, als auch den ein oder anderen Dreier einstreuen. Zum anderen wird Billups nach wie vor in Detroit vergöttert. Der Titel 2004 hat ihn zur lebende Legende für Pistons-Fans gemacht. Dasselbe gilt für den neuen Assistenz-Trainer Rasheed Wallace. Die beiden verkörpern den Ruhm und Erfolg vergangener Tage, und man hofft durch ihre Anwesenheit diesen Erfolg zurück holen zu können. 

Einige Talente wie Peyton Siva, Luigi Datome und Lotterie-Pick Kentavious Caldwell-Pope werden die Gelegenheit bekommen, sich zu beweisen. Detroit will wieder zurück in die Playoffs und hat dafür viel Geld in die Hand genommen, um den Kader ordentlich umzubauen. Ob alle Rädchen ineinander greifen und ob alle Spieler an einem Strang ziehen werden und sich dem gemeinsamen Erfolg unterordnen, wird sich zeigen. Der Kader hat viele Stärken, einige Schwächen und sehr viele unbekannte Faktoren. Die Zukunft in Detroit ist ungewiss, aber rosiger als zu diesem Zeitpunkt vor einem Jahr. Das Ziel ist klar. Ob man mit dem vorhandenen Material dieses Ziel erreichen kann, wird man nach der Saison wissen. Hat Dumars den Grundstein für eine neue Dynastie gelegt oder wieder nur Geld in große Namen gepumpt?