28 Oktober 2013

Onur Alagöz | 27. Oktober, 2013    @LakersParadigm






Flashback: 47-35 (.573), Platz 6 im Westen

Eine der dominanten Feel Good-Stories der vergangen Saisons war definitiv die sympathische Jugendgang aus Oakland. Zweitjahrescoach und Prediger Mark Jackson konnte die Warriors erstmals seit 2007 wieder ins gelobte Playoffland führen. Gegen Denver reichte es in sechs Spielen für den Upset-Sieg, gegen die Spurs musste man nach ebenso vielen Partien den Sommerurlaub antreten. Dreh- und Angelpunkt der Dubs war und ist das Duo aus Stephen Curry und David Lee. Letzterer wurde All-Star, Curry hätte es werden müssen. Der 25-Jährige spielte sich ins Rampenlicht, indem er einen weiteren Satz nach vorne machte: 23 Punkte, 7 Assists und 3,5 Dreier pro Spiel landeten schließlich auf dem Statistikbogen. 54 Punkte hagelte es gegen die Playoff-Niederlage, inklusive sensationellen 11 von 13 von Downtown. Apropos Downtown: Den alten Rekord von Ray Allen stellte Curry mit 272 verwandelten Dreiern in der Saison ein, bei einer irrsinnigen Quote von 45,3%.  

Plus: Andre Igoudala (DEN), Marreese Speights (CLE), Toney Douglas (SAC), Jermaine O’Neal (Dachboden), Nemanja Nedovic, Seth Curry

Minus: Jarrett Jack (CLE), Carl Landry (SAC), Brandon Rush, Andris Biedrins, Richard Jefferson (alle UTA)



Wichtigster Neuzugang: Andre Igoudala

Mini-LeBron kam als Free Agent für ein absolut akzeptables jährliches Salär von 12 Mio. $ nach Oakland. Der athletische Swingman soll für dringend benötigte Defense auf dem Flügel sorgen und es ist auch kein Geheimnis, dass in ihm einer der besten Außenverteidiger der Liga steckt.
Enorm wichtig für eventuelle Playoffserien gegen OKC, Houston usw., wird er damit beauftragt werden, die Durants und Hardens der Liga zu checken. Igoudala ist enorm athletisch, defensiv sehr intelligent und ein Glue Guy vom Allerfeinsten. Offensiv limitiert, aber spielerisch vielseitig ist er für 12-15 Punkte, 5 Rebounds und 5 Assists immer gut. Der Nationalspieler soll Harrison Barnes in der Starting Lineup ersetzen und auf der Drei auflaufen, was der Bank mehr Potenz geben kann/soll. Dies ermöglicht Coach Jackson auch, eventuelle Defizite Klay Thompsons in der Defensive zu kaschieren, indem er Iggy auf den besten gegnerischen Wing loslässt.

Shining Star: Steph Curry

Der beste Shooter der Liga kann aus allen Lagen draufhalten. Pull-up-Dreier, Sprungwürfe aus der Mitteldistanz, Floater in der Zone – Curry ist offensiv kaum limitiert. Umso mehr defensiv, da seine 4mm-dünnen Sprunggelenke für seine laterale Geschwindigkeit eher nachteilig sind.
Als Passgeber nicht auffällig aber solide, konnte er in immerhin 15 Partien zweistellige Vorlagenzahlen auflegen. Der Trend zeigt auch hier weiter nach oben. Curry ist schnell, spielintelligent und so brandgefährlich im Scoring, dass der Gegner oft aushelfen muss, was für freie Würfe seiner Mitspieler sorgt. Letztes Jahr schaffte es Curry in 78 Partien aufzulaufen. Bestreitet er dieses Jahr eine ähnliche Anzahl an Spielen, ist das Rückgrat Golden States gesichert.

Scouting: Offensiv ist die Mannschaft enorm vielseitig. Sie hat den besten Shooting-Backcourt der Liga mit Curry und Thompson, dazu einen potenten Frontcourt mit Iggy, All-Star Lee und Pivot Andrew Bogut. Eine starke Lineup aus Shootern um David Lee wird Jackson sicherlich mit ans Taktikbrett nehmen. Douglas, Curry, Thompson, Barnes und David Lee ist sicherlich ein Experiment wert. Letztes Jahr hatten die Dubs mit 40,3% die beste Quote der gesamten Liga von Downtown, auch die 79% von der Freiwurflinie reichten für Rang 4 ligaweit. Das Problem liegt offensiv in der Zone: Nur Dallas und Washington verwandelten weniger Würfe direkt am Ring (14,5 FGM) als die Warriors. Verwunderlich, wenn man bedenkt, dass ihre Spielgeschwindigkeit, also die Pace, die fünftschnellste der Liga war. Defensiv laufen zu viele schlechte Einzelteile herum, um sie alle verstecken zu können. Curry und Thompson werden ihre Gegenspieler selten wirklich eindämmen können, von David Lee ganz zu schweigen. Der erreichte zweifelhaften Ruhm als Kirk Goldsberry von Grantland ihn als schlechtesten Big Man-Verteidiger der Liga entlarvte. Gegnerische Power Forwards und Center werden also weiterhin Amok laufen, besonders wenn Bogut eine Pause braucht.



Check: Die Bay Area hat erstmals wieder hohe Erwartungen an ihr Team. Das ist brandgefährlich und jederzeit in der Lage, glühend heiß zu laufen. Passiert das, können sie die Besten der Besten schlagen. Curry ist vielleicht jetzt schon ein Star. Der Killer mit dem Babyface besitzt nicht nur die Fertigkeiten und Fähigkeiten, sondern auch den Willen, um sein Team anzuführen. Mit Igoudala hat man defensiv aufgestockt und auch Neuzugang Toney Douglas gehört auf der Aufbauposition zu den besten Verteidigern am Ball.

Allerdings ist auch das Überraschungsmoment der letzten zwei Jahre weg. Keiner hatte antizipiert, dass die Warriors San Antonio so viel abringen würden. Teams werden besser vorbereitet sein und kaum noch einmal den Fehler machen, diese Truppe zu unterschätzen. Harrison Barnes muss beweisen, dass er die Leistung aus den Playoffs imitieren und ein fester Bestandteil als Sixth Man sein kann. Das Rebounding und die Verteidigung, vor allem im Small Ball, ist essentiell für die Dubs. Ebenso Klay Thompson: sein Spiel muss er offensiv definitiv verbreitern, seine Defense mindestens auf Durchschnittsniveau anheben.

Bogut wird in seinem letzten Vertragsjahr wohl solide Leistungen aufs Parkett zaubern, um sich für einen eventuellen neuen Arbeitgeber zu empfehlen. Der lange Australier versucht an alte Tage anzuknüpfen, als er noch einer der drei besten Defensivcenter der Liga war.
Auch wenn die Starting Five relativ breit aufgestellt ist und vielseitig agieren kann, ist Curry der bereits oben angesprochene Fixpunkt dieser Bande. Immer und immer wieder bleibt jedem Warriorsfan das Herz stehen, wenn er einen Cut macht. Ob die Knöchel halten? Die Bank ist auf den Guardpositionen erschreckend dünn, was bei Currys Krankenakte schon ein wenig Kopfschmerzen bereitet. Der angesprochene Douglas ist ein solider Verteidiger und Shooter, aber allenfalls für 16 bis 18 Minuten pro Partie gut. Steph musste vergangene Saison 38 Minuten abreißen, in den Playoffs sogar 42, was bei den ca. 90 Spielen der Saison einfach eine zu hohe Belastung bringt, wenn es gen Playoffs geht. 

Man sollte die Hoffnungen also nicht zu hoch ansetzen. Lieber vorsichtig träumen als groß enttäuscht zu sein. Teams werden ausprobieren, ob sie Curry mit sehr physischer Defense aus seinem Rhythmus bringen können. Schränkt man ihn ein, kann man sich im Post auf David Lee konzentrieren und die Mitspieler zwingen, sich ihren eigenen Wurf zu kreieren. Recht viel mehr als 47 bis 49 Siege und möglicherweise die zweite Runde in den Playoffs ist bei den Warriors wohl nicht drin. Oberflächlich ganz ansehnlich und sicherlich ein League Pass Dauerabo, lässt der Mangel an Erfahrung und Starpower neben Curry die Warriors am Ende schlechter dastehen als die Thunder, Clippers, Rockets und Spurs.