29 Oktober 2013

Philipp S | 29. Oktober, 2013   






Flashback: 49-32 (.605), Platz 3 im Osten, Conference Finals

Nach anständigen Auftritten in den Playoffs '12 war man guter Dinge, doch nach Danny Grangers Verletzung hatte man keinen Plan, wer das entstandene Scoring-Loch füllen sollte. Nach einem sehr schleppendem Saisonstart brachten die immer besser werdenden Lance Stephenson und Paul George die Pacers wieder in die richtige Spur. Letzterer entwickelte sich derartig gut, dass er als MIP ausgezeichnet werden sollte. Schließlich beendete man die Saison mit einem starken dritten Platz, den so keiner vorhergesehen hatte. In den Playoffs überzeugte man erneut, scheiterte jedoch letztendlich auf Grund einer enttäuschenden Bank und einem überragenden LeBron James in sieben harten Spielen am späteren Meister aus Miami. Insgesamt war man aber sehr zufrieden mit der Saison in Indianapolis. Man hatte man in Paul George den nächsten Franchise Player gefunden. Dass Larry Bird nach seiner einjährigen Pause in diesem Sommer wieder ins Management einstieg, sorgte ebenfalls für eine positive Stimmung. Im Sommer feilten Bird und Partner Walsh schließlich an dem Team, um kommende Saison den finalen Schritt zu tun. 

Plus: Assistant Coach Nate McMillan (POR), Assistant Coach Popeye Jones, Luis Scola (PHO), Chris Copeland (NYK), C.J. Watson (BKN), Solomon Hill, Donald Sloan, Rasual Butler,

Minus: Associate Head Coach Brian Shaw (DEN), Assistant Coach Jim Boylen (SAS), D.J. Augustin (TOR), Gerald Green (PHO), Tyler Hansbrough (TOR), Miles Plumlee (PHO), Sam Young, Jeff Pendergraph (SA), Ben Hansbrough



Wichtigster Neuzugang: Luis Scola

Der erfahrene Argentinier stellt mit David West und Roy Hibbert eine sehr gefährliche Big-Man-Rotation. Mit seinem versierten Post-Game und seinem sicheren Midrange-Jumper (45.4%) ist er eine verlässliche Anspielstation im Post und im Pick & Roll. Der Bank gibt er vor allem Ruhe, Sicherheit und Konstanz in der Offense. Auf der Vier ergibt sich also kaum ein Qualitätsverlust, sollte West mal eine Pause brauchen. Scolas defensive Schwächen können hier in Indiana von Anderen kaschiert und als Team aufgefangen werden. 

Shining Star: Paul George

Nach dem kometenhaften Aufstieg im letzten Jahr ist Paul nun Star und Go To Guy seines Teams. Defensiv wird er seine Gegner weiterhin zu grausigen Wurfquoten zwingen, während er offensiv immer effektiver werden sollte. Den ganzen Sommer über hat PG an seinem Midrange-Game gearbeitet, um dort zukünftig hochprozentiger zu treffen. Mittlerweile besitzt George eben auch offensiv das gesamte Paket (lediglich sein Post-Game ist verbesserungswürdig) und ist als Iso-Spieler und Ballhandler im Pick & Roll elementar für diese Pacers-Offense.

Scouting: Die Defense wird auch mit Granger als Starter weiterhin eine der besten der Liga sein. Hibbert's "Verticality-Defense", also das legale Springen direkt nach oben, macht die Zone sehr dicht. George, Hill und Co versorgen die Flügel. Double-Teams sind hier unnötig, Aushelfen meistens auch. Da es immer noch an Playmaking mangelt, bleibt die Pace langsam und die Offensive simpel und strukturiert. George und Hill geben mit West, Hibbert und Scola ausgezeichnete Pick & Roll Paarungen ab. Generell wird die Big Man Rotation mit ihrem High-Low-Game brandgefährlich sein und die Gegner vor erhebliche Probleme stellen. Durch zusätzliche Schützen, wie Granger, Watson und Copeland, hofft man, endlich gutes Spacing für das Inside-Out-Game zu erzielen. George wird immer häufiger den Ball führen und einige Iso-Plays zugeschustert bekommen. Ein Problem besteht jedoch darin, dass sich die Gegner gut auf die Pacers einstellen können, weil es immer noch an innovativem Playmaking fehlt. Feste Setplays stehen wohl an der Tagesordnung. Dies wird vorerst durch viel Motion und sicheres Ballmovement ausgeglichen werden müssen.



Check: In Indiana dringt man anscheinend noch tiefer in den „Win-Now“-Modus. Der bereits 33-jährige West wurde teuer für drei weitere Jahre gehalten (36 Mio. $). Junge Talente wie Plumlee, und Draft-Picks wurden für erfahrene Spieler wie Scola und Watson, abgegeben. Mit Larry Bird zurück im Management, soll in den nächsten drei Jahren der erste NBA-Titel der Franchise geholt werden. Hilfreich wäre natürlich, wenn der 78-jährige Besitzer Herb Simon endlich mehr Geld locker machen würde. Dann könnte man nämlich zukünftig sowohl Granger als auch Stephenson behalten. Das ist unrealistisch. So stehen (leider) immer wieder Trade-Gerüchte im Raum, die vor allem in der Personalie Granger viel Staub aufwirbeln. Nichtsdestotrotz besitzt man für die kommende Saison einen Top-Kader, der deutlich ausgewogener ist als letztes Jahr.

Viel wird sich am Spiel selbst nicht ändern, doch besitzt Coach Vogel nun mehr Material zur Feinjustierung. Matchup-Probleme und offensive Leere sollten der Vergangenheit angehören. Mit Energiebündel Stephenson, Scola, Watson und Co. wird deutlich mehr Produktion von der Bank kommen, was letzte Saison praktisch non-existent war. Vor allem mit der starken Big-Man-Rotation werden viele Gegner Probleme bekommen. Vermutlich werden Gegner ihr Spiel vermehrt in den Backcourt verlegen und versuchen, Paul George mit schnellen und kleinen Guards vor Probleme zu stellen. Hier muss Frank Vogel gut coachen und Missmatches schnell und effizient beseitigen – die Mittel dazu besitzt er in seinen Reihen.

Dass man das Problem des Playmakings nicht besser angegangen ist, bleibt jedoch eine Sorge. Zwar ist George Hill ein passender Point Guard für die Pacers, doch bleibt er mit 8 Mio. $ im Jahr überbezahlt. Da Stephenson im Sommer wohl einen neuen Vertrag bekommen wird, könnten diese Backcourt-Probleme über die nächsten Jahre bestehen bleiben. Hier setzt man anscheinend sehr viel Hoffnung in Paul George, der vorzeitig seinen Max-Deal bekommen hat. Im besten Fall schafft er in den nächsten Jahren den Sprung zum verlässlichen Point-Forward und unter die besten Spieler der Liga. Schafft er es jedoch nicht und schafft man es generell nicht, in Richtung Titel vorzudringen, hat man kaum noch Möglichkeiten, sich zu verbessern. Der Salary-Cap ist bis 2016 lang gänzlich ausgeschöpft und Spieler wie West oder Hill haben kaum noch Potenzial nach oben. Dies kann natürlich im Umkehrschluss auch von Vorteil sein: sind diese Pacers noch besser als 2012/13, dann hat man diese erfolgreiche Truppe für einige Zeit beisammen. 

Dass man Mitte April in der Spitze des Ostens liegen wird, ist wahrscheinlich. Doch die Konkurrenz ist stark und die Pacers werden sich verbessern müssen, um den Erfolg des letzten Jahres zu wiederholen. Dabei spielt X-Faktor Granger eine große Rolle. Gelangt er zu annähernd alter Stärke, gibt es kein Limit für dieses Team. Letztendlich geht es in Indiana nur um die Playoffs, in denen man - das hat die abgelaufene Saison bewiesen - jeden Gegner schlagen kann. Gelingt es Vogel, die Offensive sicherer und vielschichtiger zu gestalten und bekommen die Pacers ihr Playmaking in den Griff, besitzt dieses Team keinerlei Schwächen mehr und ist ein Top-Kandidat auf den NBA-Titel.