28 Oktober 2013

Marc Lange | 27. Oktober, 2013   






Flashback: 56–26 (.683), Platz 4 im Westen, 1. PO-Runde

Eine der erfolgreichsten Saisons aller Zeiten – und trotzdem eine herbe Enttäuschung. Die Clippers machten in der Regular Season vieles richtig und wirbelten die gesamte Liga auf: Ende des Jahres 2012 gab es einen 16-0 Lauf, alle vier Duelle gegen den Stadtrivalen Lakers konnten gewonnen werden und man sicherte sich den ersten Division Title in der Geschichte der Franchise. Am Ende stand man auf Platz 4 der Western Conference, hatte Heimrecht und traf auf die Memphis Grizzlies, die letzte Saison bereits in den Playoffs bezwungen wurden. Eigentlich ein gutes Omen für die hochgehandelten Clippers. Doch es kam bekanntlich alles anders, denn der Alley-Oop-lastige Lob City Basketball funktioniert(e) in den Playoffs nicht. Besonders nicht gegen ein Team mit so beinharter Defense, wie die der Grizzlies. Hinzu kamen die Schatten der jüngeren Vergangenheit: Blake Griffin tauchte unter, Del Negro wirkte an der Seitenlinie teils überfordert und CP3 war viel zu sehr auf sich allein gestellt. Dieser Mix führte zum frühen Playoff-Aus nach sechs Spielen, welches gleichzeitig auch das Ende für Coach Del Negro bedeutete.  

Plus: Head Coach Doc Rivers (BOS), J.J. Redick (ORL), Jared Dudley (PHO), Darren Collison (DAL), Antwan Jamison (LAL), Byron Mullens (CHA), Reggie Bullock

Minus: Eric Bledsoe (PHO), Caron Butler (PHO), Chauncey Billups (DET), Ronny Turiaf (MIN), Lamar Odom, Grant Hill, DaJuan Summers, Head Coach Vinny Del Negro



Wichtigster Neuzugang: Doc Rivers

Nachdem Vinny Del Negro für das frühe Scheitern in den Playoffs verantwortlich gemacht wurde und daraufhin seine Koffer packen musste, schafften es die Clippers Doc Rivers in die Stadt der Engel zu holen. Rivers soll seine Siegermentalität aus der Ära in Boston auf das Team übertragen und ihnen eine neue Kultur verpassen. Die Alley Oops der letzten Saison werden wohl nicht komplett aus dem Playbook der Clippers gestrichen werden aber es ist kein Geheimnis, dass Rivers ein Defense-First Coach ist und so seine Teams tougher, härter und vor allem erfolgreicher macht. Boston war unter Rivers immer mindestens in den Top-6 bei der Defensive Efficiency – etwas, das den Clippers gut zu Gesicht stehen würde.  

Shining Star: Chris Paul

Der Floor General der Clippers kam letzte Saison auf 16,9 Punkte und 9,7 Assists pro Partie. Außerdem führte er die Liga in Steals (2,4) an und wurde zum MVP der All-Star Games gekürt. Er ist der wichtigste Spieler für das Team aus Los Angeles und der Leader schlechthin. Nach der Verpflichtung von Rivers sind die Erwartungen hoch, aber CP3 sollte diesem Druck gewachsen sein und erneut sein A-Game abrufen. Paul ist ein Competitor und nährt sich von Match-Ups mit Gegnern auf Augenhöhe. Besonders interessant sollten dabei dieses Jahr die Duelle mit Rose, Rondo, Westbrook und Irving werden.

Scouting: Eine Schwäche der Clippers wurde bereits angedeutet: Defense. Coach Rivers sollte dieses Problem aber mit der Zeit in den Griff kriegen. Gute Individualverteidiger mit Paul, Jared Dudley und Kettenhund Matt Barnes sind bereits vorhanden. Verbessern müssen sich in diesem Bereich vor allem Blake Griffin und DeAndre Jordan, denen öfters die fehlende Toughness vorgeworfen wird. Mit Dudley und Redick wurden außerdem zwei gefährliche Außenschützen verpflichtet, die das Parkett noch weiter spacen und Platz in der Zone schaffen können. Die Frage ist nur noch: für wen? Griffins Post-Move Repertoire ist (bisher) beschränkt und Jordan glänzte noch nie durch Dreamshakes oder Offensivgeist. Das größte Problem könnte allerdings wieder ein mentales werden. Viele Leistungsträger der Clippers sind in den großen Spielen nicht präsent. Dies ist ein Punkt an dem besonders gearbeitet werden muss. Als Clippers-Anhänger kann man wohl auch hier optimistisch sein, dass Rivers seinen Teil zur Besserung beitragen wird.  



Check: Die Clippers sind im Win-Now-Modus. Unter anderem verließ Point Guard Talent Bledsoe das Team und es wurden dafür bereits fertige Spieler in die Mannschaft integriert. Der Kader ist in der Breite unglaublich gut bestückt – sogar noch besser als in der letzten Saison. Dort produzierte die Bank bereits 40,1 Punkte pro Spiel und rangierte damit auf Platz drei in der NBA. Ein Wert, der dieses Jahr vielleicht sogar noch einmal übertroffen werden kann. Das Front Office scheint den möglichen Erfolg in der Tiefe der Mannschaft zu sehen, anstatt den beiden Stars Paul und Griffin einen dritten Hochkaräter an die Seite zu stellen. An den Neuzugängen gibt es ansonsten nichts zu meckern.

Seinen Lieblingsspieler hat sich Coach Rivers bereits ausgesucht: DeAndre Jordan. Sein Aufenthalt im Team USA Camp und der Zuspruch von Rivers scheinen Jordan bereits einen kleinen Push gegeben zu haben. In der Preseason scorte Jordan ordentlich, war am Ring aktiv, und das alles in noch sehr begrenzter Einsatzzeit. Dabei kommt der erhobene Zeigefinger erst jetzt zum Einsatz: Jordan traf nämlich sogar seine Freiwürfe. Bestätigt Jordan diese Leistungen nun auf konstanter Ebene auch in der regulären Saison, sind die Clips nochmal um ein Vielfaches ernster zu nehmen. 

Wo wir bereits beim Thema Potenzial sind: Dies wird auch eine wegweisende Saison für Blake Griffin. Niemand würde ihm unterstellen, dass er nicht hart arbeitet. Problematisch wird es erst, wenn die harte Arbeit zu keiner Weiterentwicklung mehr führt. Ja, Griffin hat letztes Jahr seinen Wurf aus der Mitteldistanz und von der Freiwurflinie verbessert. Trotzdem ist immer noch Luft nach oben. Auch unter dem Korb muss Griffin endlich lernen, nicht nur von seiner Athletik zu leben, sondern auch durch fundamentale Dinge bzw. Bewegungen effektiv zu sein. Letzte Saison kam Griffin auf Career Lows mit 18 Punkten und 8,3 Rebounds im Schnitt. Allerdings sollte man sich über diese Zahlen keine allzu großen Sorgen machen, da er viel Unterstützung von der Bank bekam und so wenig spielte wie noch nie. Wichtiger ist es auch bei ihm, 18 und 8 konstant abzurufen und grobe Leistungsschwankungen abzustellen.

Insgesamt wird dies eine sehr spannende Saison aus Clipper-Sicht. Nach dem ersten Divisionstitel sind die Weichen für den ersten Western Conference Titel eigentlich gesetzt. Man besitzt den besten puren Point Guard der Liga, einen der besten Coaches und eine der tiefsten Bänke der NBA. Entwickeln sich Griffin und Jordan insofern weiter, dass die Clippers mehr besitzen als nur deren Potenzial und teure Verträge, ist nicht auszurechnen, wann die Saison für Lob City endet.