27 Oktober 2013

Onur Alagöz | 26. Oktober, 2013    @LakersParadigm






Flashback: 45-37 (.459), Platz 7 im Westen, 1. PO-Runde

Die anstrengendste Saison in der illustren Geschichte der Lakers hat auch jetzt noch einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Unbeschreibliches Verletzungspech, interne Querelen und viel viel Theater vor und hinter den Kulissen: Mit Sicherheit eine der am meisten enttäuschenden Spielzeiten, die Fans von Lila-Gold je ertragen mussten. Nach anfänglichen Freudensprüngen über die Verpflichtungen von Steve Nash und Dwight Howard wurde relativ bald aus verhaltener Besorgnis ausgewachsene Panik. Lediglich der Post-All-Star-Lauf von 20 Siegen in 28 Spielen machte einen Einzug in die Playoffs überhaupt noch möglich. Das Team klickte nie wirklich, konnte kein bisschen Synergie entwickeln und enttäuschte auf ganzer Linie. Überstar Kobe Bryant hielt die Mannschaft im Rennen mit einer bis dato ungesehenen Leistung für einen Spieler seines Alters. Das Bewachen des besten gegnerischen Perimeterspielers, das enorme Punkten und die generelle Last von teilweise 48 Minuten Spielzeit forderten aber ihren Tribut, als sich Kobe kurz vor den Playoffs die Achillessehne riss. Ohne ihren emotionalen und spielerischen Anführer waren die Lakers nur Kanonenfutter für die Spurs in der ersten Runde, wurden aus der Halle gekehrt und verloren dann Dwight Howard in der Offseason an die Houston Rockets.

Plus: Chris Kaman (DAL), Nick Young (PHI), Wesley Johnson (PHX), Jordan Farmar (Anadolu Efes), Ryan Kelly (Duke), Elias Harris (Gonzaga)

Minus: Dwight Howard (HOU), Metta World Peace (NYK), Earl Clark (CLE), Chris Duhon



Wichtigster Neuzugang: Nick Young

Der gebürtige Angeleno Nick Young ist die Wundertüte der kommenden Lakers-Saison. Explosiv sowie athletisch soll er vermutlich auf Small Forward starten und den dringend benötigten Scoring-Punch liefern. Defensiv eher fragwürdig als herausragend, die Wurfauswahl oft zweifelhaft, aber dennoch in der Lage, jederzeit heiß zu laufen: Das ist Nick Young. Spannend bleibt, ob er unter Kobes und Nashs Fittichen ein wenig mehr Professionalität aufs Parkett bringen kann. Dennoch: Jederzeit für ein 20-Punkte Spiel gut und die unberechenbare Komponente, die manchmal Spiele entscheiden kann – für beide Seiten. Knüpft er an vergangene Wizards-Zeiten an (17,4 PPG in 2010/2011) und trifft er zuverlässig von außen (Karriere 3FG% 37,4%) kann er diesem Team sehr viel bringen.

Shining Star: Kobe Bryant

Wer sonst? Black Mamba erholt sich vom Achillessehnenriss und stärkt ihre Knie mit Hilfe von Dr. Wehling in Düsseldorf für die anstehende Spielzeit. Spielt Kobe auf einem ähnlichen Level wie letztes Jahr, bleiben die Lakers immer ein unangenehmer Gegner. Der 35-jährige lieferte eine Saison par exellence, legte einen Karrierehöchstwert bei den Vorlagen (6,0 Assists) auf, scorte 27,3 Punkte pro Abend und tat von allem ein bisschen was. Amüsant wird sicherlich die Jagd des unumstrittenen Anführers von Purple’n’Gold auf Michael Jordans Platz in der All-Time Scoringliste; 675 Punkte fehlen Kobe noch, bei einem realistischen Schnitt von 25 Zählern könnte er MJ im 27. Spiel schon überholen. Fraglich jedoch, wie viel Last er tragen kann, wenn Gasol und Nash nicht zumindest gute Leistungen abliefern. 

Scouting: Nach einem laaaaangen Sommer, einem vollständigen Trainingscamp und ohne Ablenkungen in Form von 2,11m großen Diven ist die Aussicht gar nicht mal so schlecht. D’Antoni wird an der Offense gefeilt haben, mit Chris Kaman und Pau Gasol hat man ein High Post-Low Post-Duo, das durchaus einiges an Potenzial aufweist. Dennoch ist die Starting Five im Schnitt 33 Jahre alt und der Ruf alleine gewinnt keine Spiele. Viel Pick and Roll wird diesmal an der Tagesordnung stehen, abwechselnd mit Kobe und Nash als Ballhandler und den Schützen außen. Auch kann man sicherlich erwarten, dass Jordan Farmar, Nick Young und Steve Blake einen großen Teil der Guardminuten abreißen werden, um Kobe und Nash fit zu halten. Schwierigkeiten in der Defense sollten die Sympathisanten der Lakers nicht überraschen. So spielintelligent Kobe, Gasol und Nash sind, so alt sind sie auch und im Falle von Kobe nicht mehr die Stopper vergangener Tage. Pau war defensiv nicht unbrauchbar in der Vergangenheit, aber mehr auch nicht. Und was Nash und Young angeht, so durften sich diese noch nie mit Lorbeeren in der eigenen Hälfte schmücken. Schnelle Guards vor allem dürften einige Probleme verursachen. Spielertypen von der Qualität eines Chris Paul, Westbrook, Rose und dergleichen dürften gegen die Lakers Amok laufen, da hier einfach keine Athletik vorhanden ist, um adäquat zu decken. 



Check: Der eklatante Mangel an jungen Spielern mit frischen Beinen macht ebenso tiefe Sorgenfalten wie die Frage nach der Perspektive: Was bringt eine Playoffteilnahme als 8th Seed, wenn man in der ersten Runde gesweept wird und ohne hohen Draftpick dasteht?

Wie schon mehrmals von mir gesagt rebuilden die Lakers nicht, sie reloaden. Dass die kommende Saison keine contention um eine Meisterschaft wird, ist jedem klar. Erfolglosigkeit wird nicht geduldet, muss aber vielleicht in Kauf genommen werden. Die Neuzugänge sind keine Hochkaräter (mehr), die die Geschicke der Franchise zum Positiven wenden können. Und so sehr man Dwight Howard verabscheuen möchte, so groß ist auch das Loch, das er hinterlassen hat. In einer für ihn katastrophalen Saison führte er die Liga bei den Rebounds an und sorgte phasenweise zumindest defensiv für Schrecken.

Von Young, Farmar, Kaman und Johnson sollte man keine Kunststücke antizipieren. Gasol und Nash sind ausgeruht und hungrig, gerade Gasol spielt um einen neuen Vertrag, was noch einmal zusätzliche Motivation bedeutet. Der Spanier zählt nach wie vor zu den vielseitigsten Big Men der Liga und bildet mit Kobe im Soll-Zustand noch immer eines der Top 5-Duos weit und breit.

Gevatter Zeit gewinnt jedes Rennen, und das ist der perfide Aspekt dieses Kaders. Die Akteure sind alt, sehr alt. Schafft man es nicht, halbwegs gesund zu bleiben, kommt eine weitere Enttäuschung in Richtung Kalifornien. Der Druck, schnell sehr gut zu sein, ist immens hoch, sieht man die ersten sechs Seeds der wieder einmal brutalen Western Conference als gesetzt mit OKC, San Antonio, LA Clippers, Memphis, Golden State und Houston. 

Vieles steht und fällt mit Kobe, Gasol und Nash. Noch mehr mit Mitch Kupchaks Raffinesse in Hinsicht auf den epischen Sommer 2014. Nur Nash hat dann noch einen nennenswerten Vertrag, die ganze Organisation schielt in Richtung South Beach. Bekommt man den Hauptpreis in Form von LeBron James nicht, stehen die Angebote für Melo, Kevin Love, Russell Westbrook und viele andere Stars schon bereit. Seien es Trades oder Free Agent Verpflichtungen, die Lakers holen sich ihre Stars an Bord, komme und koste es, was es wolle.

Langweilig wird die Saison mitnichten, frustrierend hingegen mit großer Sicherheit. So viele Handlungsstränge, die zu beachten sind, so viele Fragen, die in Bezug auf die Zukunft stehen. Klappt die Tische nach oben und schnallt euch an, die Fahrt zwischen Bullshit und Brillanz geht weiter.