28 Oktober 2013

Tobi Mannhart | 27. Oktober, 2013   






Flashback: 56-26 (.682), Platz 5 im Westen, Conference Finals

Ein weiteres erfolgreiches Jahr für die Gummibärenbande, möchte man meinen. Als einer der kleinsten Märkte der NBA ging es bis ins Conference Finale gegen die Spurs. Allerdings wurde man da - wenn auch jedes Spiel extrem knapp war - gesweept. Die Mannschaft um die vier Säulen Mike Conley, Tony Allen, Zach Randolph und Marc Gasol ist aber ambitionierter. Das neue Front Office war so gar nicht zufrieden mit der offensiven Leistung der Grizzlies und feuerte Lionel Hollins am Ende der Saison. Zu groß waren seine Eigenheiten und sein langsames, statisches und defensivorientiertes System sollte umgekrempelt werden. Wie gut, dass man das Eigengewächs Joerger in der Hinterhand hat. Mit dem will man sich in Zukunft an der Spitze des Westens festsetzen.

Plus: Headcoach Dave Joerger, Mike Miller (MIA), Kosta Koufos (DEN), Nick Calathes, Jamaal Franklin

Minus: Darrell Arthur (DEN), Austin Daye (TOR), Keyon Dooling, Tony Wroten



Wichtigster Neuzugang: Nick Calathes

Tja, da bin ich mal wieder kühn und sage nicht Mike Miller (der verlorene Sohn ist zurück und werfen kann er auch noch), Dave Joerger (der Coach war ja quasi schon vorher da) oder Kosta Koufos (endlich ein paar Bankminuten für Marc). Ich sage, es ist Nick Calathes. Vielleicht noch nicht am Anfang der Saison, vielleicht sogar erst nächstes Jahr, aber Calathes bringt etwas enorm Wichtiges: Playmaking von der Bank. Jarryd Bayless in allen Ehren, aber es war manchmal ein Graus, ihm auf der Eins zuzuschauen. Während Mike Conley auf der Bank ist, kann Bayless sich nun auf das besinnen, was er am besten kann: Werfen. Calathes muss seine Turnover-Anfälligkeit in den Griff bekommen. Dann kann er sich zu einem Point Guard á la Greivis Vasquez (plus etwas D) entwickeln.

Shining Star: Marc Gasol

Marc ist und bleibt der wichtigste Spieler der Grizzlies und ist der lebende Beweis, dass der lange belächelte Pau-Trade keinesfalls schlecht für Memphis war. Er ist der regierende Defensivspieler des Jahres, und seine kongeniale Zusammenarbeit mit Z-Bo im Post lässt allen anderen Mannschaften die Knie erzittern. Knapp 50% aus dem Feld, 85% von der Linie und 4 Assistenten pro Spiel, gepaart mit der seinesgleichen suchenden defensiven Effizienz, machen ihn zum wertvollsten Mann in Tennessee.

Scouting: Unter Dave Joerger wird dieses Team endlich auch mal laufen dürfen. Zwar nicht so, wie die Goldstücke aus Mile High Denver letztes Jahr, aber das Spiel wird nicht mehr aussehen, als hätte jeder Grizzly eine Bleiweste und Sicherheitsstiefel an. Mike Conley soll schalten und walten und bei Bedarf das Tempo variieren. Mike Miller soll (ja, ich kann es auch nicht glauben, dass er 82 Spiele am Stück fit bleiben könnte) den Startposten von Prince übernehmen und mit seiner 40-prozentigen Dreierquote endlich das lange vermisste Spacing generieren. Zu den anderen Startern muss nicht viel gesagt werden. Tony Allen frisst den besten Flügel der Gegner, während Zach und Marc im Post ihre Moves, ihren Körper und ihre Treffsicherheit ausspielen. Dahinter wird es interessant. In den letzten Jahren war ja nie die S5 das Problem der Bären, sondern ihre Bank. Jetztlässt sich die zweite Fünf schon eher sehen. Calathes als Playmaker, Bayless und Pondexter als Shooter, Prince als Verteidiger, Ed Davis als hochtalentierter PF und Kosta Koufos als Deluxe-Backup von Gasol versprechen, rein von dem was sie im Stande sind zu leisten, einiges. Man darf gespannt sein. Erst die Playoffs werden zeigen, wozu man in der Lage ist. Vorher gibt es wohl aber noch ein extrem interessantes und internes Duell. Neu-Besitzer Robert Pera hat Tony Allen zu einem Eins-gegen-Eins herausgefordert und setzt 100.000$ für einen guten Zweck. Wäre Michael Jordan auch zu einem Duell bereit sein, würde Pera noch eine Null dranhängen. In Sachen PR hat der gute Robert wohl was von Marc Cuban gelernt!



Check: Viele sagen, dass es eine ruhige Offseason war in Tennessee. Aber viele kleine Adjustments sind manchmal genauso wichtig wie ein riesiges Free Agent Signing. Hollins' Rauswurf sehe ich absolut positiv. Joerger wird die Stärken der Spieler besser ausnutzen und gilt ohnehin als Kopf hinter der tollen Defensive, die die Bären in den letzten Jahren so effektiv gemacht hat.

Der ganz große Wurf scheint trotzdem nicht möglich zu sein. In der heutigen NBA brauchst du einen Überstar wie Lebron oder Durant, um einen Ring holen zu können, aber woher nehmen und nicht stehlen? Der kleine Markt Memphis nutzt sein Potential voll aus und mit etwas Glück könnte wieder das Conference drin sein. Für eine Überraschung á la Detroit in 2004 sehe ich aber keine Chance. Zu groß sind die Schwächen beim Spacing, Shooting und im Fastbreak. Memphis hofft, dass Z-Bos Tage als Lowpostmonster noch nicht vorbei sind. San Antonio hatte ihn in den Playoffs ja ohne große Mühen abgemeldet. Nur, wenn Randolph an seine besten Zeiten anknüpfen kann, hat Memphis eine Chance, die Ergebnisse der letzten Saison zu wiederholen. Aber um es mal wie die Twittergemeinde aus Memphis zu sagen: #nomatterwhat #gritngrindbaby