27 Oktober 2013

Artur Kowis | 26. Oktober, 2013   






Flashback: 31-51 (.378), Platz 12 im Westen

Wie jedes Jahr blickten die Wolves voller Hoffnung auf die neue Saison, wobei die Playoff-Aspirationen in weiten Teilen der NBA-Gemeinde im Jahre 2012 sogar als realistisch angesehen wurden. Während das zweimonatige Fehlen von Ricky Rubio Fragezeichen in der Perimeterdefensive aufwarf, trennten sich die Wolves von den enttäuschenden Michael Beasley, Wes Johnson, Anthony Randolph und Darko Milicic. Diese wurden durch Andrei Kirilenko, Alexey Shved, Brandon Roy, Chase Budinger, Dante Cunningham und Greg Stiemsma ersetzt. Ein Kader, der offensiv wie defensiv ausgeglichen erschien, fand jedoch aufgrund einer selten gesehenen Verletzungsmisere nie zueinander, wodurch Adelmans offensive Optionen um die Hauptfiguren Nikola Pekovic und einem regenerierenden Rubio arg eingeschränkt waren. Die Timberwolves hielten sich 34 Spiele lang wacker über .500, was vor allem auf eine ordentliche Defensive zurück zu führen war (13. im Defensivrating). Die offensiven Ausfälle wogen jedoch zu schwer. Als Team mit dem sechst schlechtesten Offensiv-Rating und einer Dreierausbeute von 30,5% reichte es letztendlich nur zu 31 Siegen. 

Plus: Kevin Martin (OKC), Corey Brewer (DEN), Ronny Turiaf (LAC), Shabazz Muhammad, Gorgui Dieng, Flip Saunders (neuer GM)

Minus: Andrei Kirilenko (BRK), Luke Ridnour (MIL), Greg Stiemsma (NOP), Brandon Roy, Mickael Gelabale, David Kahn (alter GM), Bill Bayno (Defensivkoordinator, nun TOR)



Wichtigster Neuzugang: Kevin Martin

Nachdem Martin bei OKC typisch voluminös und effizient scorte (.608 TS%), jedoch neben Westbrook und Durant zum Vollzeit-Rollenspieler degradiert wurde (USG% 2011: 29.60. USG% 2013: 21.0), kehrt der Lieblingsschüler Rick Adelmans an dessen Seite zurück. Die Wolves erhoffen sich von Martin, dass er nicht nur Dreier wie ein Weltmeister trifft, sondern sich auch nahtlos in den  bestehenden Kern um Love/Rubio/Pekovic integriert und ihnen die Feinheiten des Systems Adelmans im Zusammenspiel näher bringen kann. 

Shining Star: Kevin Love

Das Rebounding und die offensive Qualität unter dem Korb, wie auch von außen, macht Love zu einem der besten Power Forwards der Liga. Ein zweifacher Handbruch, der ihn 2012 auf nur 18 Spiele limitierte, bescherte der bislang steilen Karriere ein Intermezzo. Love muss nicht nur als vielseitiger Scorer und Arbeiter am Brett an individuelle Leistungen in Jahren anknüpfen, an denen er grauenhaftes Spielermaterial um sich herum hatte. In einem interessanten Mix aus fähigen, aktiven Spielern muss sich Love in Adelmans System nun auch als Faciliator etablieren, sowie als Verteidiger in einem defensiv dünnen Kader.

Scouting: Adelman setzt auf den Bekannten Martin, um endlich die Corner Offense als Betriebssystem der Wolves zu etablieren. Seine Eigenkreation, die auf intelligente Akteuere baut, die gutes Timing für Cuts und Pässe haben und dazu gute Werfer sind, konnte der Coach seit 2011 aufgrund von Personalmangel und Verletzungsnot nur bedingt implementieren. Die Offensive bleibt Kevin Love, der nicht nur als Scorer in Erscheinung treten muss. Wie von Adelman gefordert, soll Love die persönliche Aufmerksamkeit der Defensive zum Wohle der Kollegen nutzen, und sich als Facilitator steigern, um Schützen und Cutter wie Martin, Budinger und Brewer in Szene zu setzen.
Defensiv haben sich Love und Pekovic in 1½ Jahren nicht als Duo mit positiver defensiver Bilanz etablieren können. Ihre Situation wird durch den Weggang des Defensivspezialisten Andrei Kirilenko erschwert, der durch den dürren Risikoverteidiger und Rückkehrer Brewer ersetzt wurde. Die hohe Minutenzahl für den Defensivsieb Martin sollte die prekäre Lage auf dem Perimeter noch verstärken, auf dem sich mit Rubio nur ein überdurchschnittlicher Verteidiger aufhält. 



Check: Offensiv verfügt der Kern über viel Potential und Feuerkraft, was auch dringendst notwendig ist. Nach einer historisch grausigen Leistung aus der Distanz (30% 3P-Quote, Kellerteam 2012) wurden mit Martin und Budinger zwei Flügel verpflichtet, die nicht nur von Außen gefährlich sind, sondern Adelmans System kennen. Dazu stößt mit Brewer ein Energiebündel, dass sich in der Offensive ständig bewegt (wenn auch oft kopflos) und innerhalb Adelmans Sets als Cutter eingesetzt werden soll. Das Pick & Roll um Ricky Rubio, Kevin Love und Nikola Pekovic wird eine Primäroption bleiben, jedoch wäre es wünschenswert, wenn es Adelman gelingt, diese drei Akteure durch Schemen zu entlasten, welche die bewegegungsfreudigen Flügel einbinden. Die Offensive erfolgreich durch Corner Sets anzureichern würde diese nicht nur unberechenbarer machen, sondern diese Spieler auch für ihre defensiven Aufgaben schonen.

Steigerung erhoffen sich die Wolves nicht nur von Rubio als Spot-up Schütze, sondern auch von Alexey Shved als Ballhandler, der mit J.J. Barea die Garde von der Bank führen soll. Da mit Luke Ridnour ein Ballhandler abgegeben wurde, bleibt Shved neben Rubio, Barea und Martin eine ballführende Kraft, auf die Verlass sein muss.

Die Wolves müssen offensiv ein Top Team sein, um im Playoff-Kampf die schwache Defensive zu kaschieren. Die Rolle des defensiven Ankers ist besonders fragwürdig, da die Defensivoptionen auf der Fünf mit dem oft verletzten Turiaf und dem Langzeitprojekt Gorgui Dieng nicht optimal besetzt sind. Sollte die Verletzungsepidemie nicht erneut ausbrechen, sind die Playoffchancen der Wölfe realistisch. Dafür muss sich die Offensive jedoch auch so stark präsentieren wie sie auf dem Papier dasteht. Die Wölfe werfen auch einige Fragen in Richtung Zukunft auf. Als Adelman das Team übernahm, schien es über einen interessanten Kern für dessen Vision zu verfügen - Love als Big, der aus dem Elbow operieren könnte und Rubio als Dirigent mit göttlicher Vision. Einen Trupp aus intelligenten, wurffähigen Spielern um dieses Duo zu bauen, schien ein Leichtes. 

Zwei Jahre später sind die Erkenntnisse in den Twin Cities mager. Während die beiden Superstars jeweils ein Jahr verloren, baute Ex-GM David Kahn fröhlich am Kader herum, um enttäuschende Flügel wie Wes Johnson und Michael Beasley loszuwerden (sorry, Phoenix). Kahns Kardinalsünde war die Verweigerung des „Designated-Player“-Maximalvertrags für Love, wodurch der Star bereits Ende nächsten Jahres die Wolves verlassen darf. 

Dieser Umstand übt weiteren Druck auf Verantwortliche und Coaches aus. Nächstes Jahr muss entschieden werden, ob sie Love vertraden wollen oder das Risiko eingehen, ihm ohne „Bird Rights“ in der Free Agency ein Angebot zu unterbreiten. Es ist unabdingbar, dass bereits in dieser Saison Resultate sichtbar werden, weswegen der Coach auf Biegen und Brechen sein Offensivkonzept durchziehen muss. Love hingegen muss zeigen, dass er den Anforderungen Adelmans gewachsen ist. Enttäuscht die Paarung Adelmans mit Love und Rubio ein weiteres Mal, sind die Tage des Coaches und des Stars in Minnesota vielleicht bald gezählt.