26 Oktober 2013

Frank Wegener | 25. Oktober, 2013    @Sympartysant






Flashback: 27-55 (.329), Platz 14 im Westen

Die letzte Saison der „Hornissen“ in New Orleans verlief weitestgehend ernüchternd. Zwar konnte  Rookie Anthony Davis schon in Ansätzen sein Potenzial andeuten, durch seine Verletzungen verpasste er aber bereits in seiner ersten Saison 18 Spiele. Verletzungen waren prinzipiell hauptverantwortlich  für die wiederholt schwache Spielzeit der Auswahl aus dem Big Easy. So musste der talentierteste Spieler der Hornets, Eric Gordon, weit über die Hälfte der Saison aussetzen. Selbstredend hätte das Team auch mit ihren größten Leistungsträgern keine Chance auf das Erreichen der Playoffs gehabt, die Entwicklung der Spielphilosophie geriet dadurch aber beträchtlich ins Stocken. War die Defense anfangs noch akzeptabel, sank ihre Effektivität ab Mitte der Saison immer weiter in den Keller. Der Backcourt konnte nicht genügend Druck auf die ballführenden Gegenspieler ausüben und erzwang kaum Turnover. Die Verteidigung am Perimeter war nicht auf NBA Niveau, während es auch in der Offense hakte. Es fehlten gute Dreierschützen und Playmaker, die sich ihren eigenen Wurf kreieren konnten. Die Saison schloss man auf  Position 14 der Western Conference ab. 

Plus: Jrue Holiday (PHX), Tyreke Evans (SAC), Anthony Morrow (DAL), Greg Stiemsma (MIN), Jeff Whitey (POR), Arinze Onuaku (PHX)

Minus: Greivis Vasquez (SAC), Robin Lopez (POR), Terrell Harris (POR), Lou Amundsen (LAC), Roger Mason Jr. (MIA)



Wichtigster Neuzugang: Jrue Holiday

Holiday ersetzt den etwas behäbigen, aber cleveren, Greivis Vasquez auf der Point Guard Position. Mit Jrue wird vor allem die Pace der Pelicans deutlich an Speed gewinnen. Obendrein wird er für mehr Überraschungsmomente und Showeinlagen sorgen. Seine risikobehaftete Spielweise (3.9 TO/G) wird das ein oder andere mal zu leichten Punkten für die Gegner führen, allein seine bessere Defense gegenüber Vasquez kompensiert aber die negativen Anlagen. Holiday schafft es vermehrt, Lücken in die Verteidigung zu reißen, viele Räume zu schaffen und er bringt die nötige Sicherheit vom Perimeter. 

Shining Star: Anthony Davis

Anthony Davis wird diese Saison den zuvor unumstrittenen Star Eric Gordon als wichtigsten Spieler ablösen. Der Grund hierfür ist nicht nur die chronische Verletzungsanfälligkeit des Ex-Clipper, sondern auch die unverkennbaren Fortschritte, die Davis in der Offseason gemacht hat. Er hat erheblich an Masse zugelegt, weshalb er seinen Körper gewinnbringender im Lowpost einsetzen kann. Dass er dabei nichts von seiner Beweglichkeit eingebüßt hat, beweisen seine Leistungen, die er in dieser Preseason gezeigt hat. (24.5 PPG, 7.0 RPG, 2.0 BPG, 1.75 SPG, 55.1FG% 27.5 MPG)

Scouting: Die Fähigkeiten der einzelnen Spieler innerhalb des Rosters könnten kaum asymmetrischer sein. Einzig die Schnelligkeit und Explosivität der Guards bilden eine Konstante. Holiday, Gordon, Evans, Roberts und Rivers werden wie eh und je in den Vollspeedmodus schalten und die Kontrahenten schwindelig dribbeln. Die Penetration zum Korb wird, im krassen Gegensatz zu den vergangenen Jahren, deutlich zunehmen. Dabei werden Räume entstehen, die für Ryan Anderson und Anthony Morrow haufenweise freie Dreier ermöglichen. Auch der Frontcourt wird vom Hustlegame und dem damit verbundenen Spacing profitieren. Aminu und Davis bringen die athletische Komponente mit, die ein schnelles Umswitchen von Defense auf Offense erlaubt. Das Transitiongame dürfte sich mit den flinken Guards enorm verbessern und reichlich Easy-Points generieren. Greg Stiemsma wird als Defensivanker unter dem Korb abgestellt, wo er sich als Shotblocker austoben kann. Den zahlreichen positiven Eigenschaften stehen natürlich einige Problemfelder und Fragezeichen Gegenüber. Der junge Backcourt könnte Gefahr laufen zu überdrehen und massenweise Ballverluste verschulden. Gegen eine intelligente Zonenverteidigung wird es zudem nicht so einfach, Räume zu schaffen, und bis auf Davis kann niemand zuverlässiges Scoring im Frontcourt garantieren.  Hinzu kommt die mangelnde Reife und die Ego-Attitüde einiger Spieler. 



Check: Die Hornets/Pelicans sind seit der Übernahme durch Tom Benson auf einem guten Weg, einen erfolgreichen Rebuild zu vollziehen. Mit dem Abgang von Chris Paul und der damit verbundenen Akquisition von Eric Gordon vor der Lockout-Saison 2011/2012 begann die Umstrukturierung des Teams. Gordon sollte der neue Heilsbringer werden, machte aber von Anfang an deutlich, dass er lieber in Phoenix spielen will als in Crescent City. Seine Einstellung spiegelte sich zum Teil in lustlosen Spielen wieder, aber auch dem Frontoffice gegenüber machte er gute Miene zu bösem Spiel. Sein Vertrag läuft erst 2016 aus, deshalb möchte man ihn nun zur Trading Deadline Ende Februar abgeben. Funktionieren kann der Trade natürlich nur, wenn man andere Teams davon überzeugen kann, dass er wieder im Stande ist, 70+ Spiele auf dem Court zu stehen.

Für den freigewordenen Cap von knapp 15 Mio. $ pro Jahr könnte man die suboptimal belegte Small Forward Position neu besetzen oder zwei, drei gute Defensivakteure verpflichten. Da Tyreke Evans häufiger auf Small Forward auflaufen wird, muss er an seinem Dreier weiterhin arbeiten. Seine Wurfeffizienz von außen war auf der Drei nie sonderlich befriedigend (20.2% als Small Forward, immerhin respektable 33.8% als Shooting Guard). Diese Baustelle in den Griff zu bekommen, wird eine der zentralen Aufgaben in der offensiven Entwicklung des Teams darstellen.

Langfristig gesehen müssen noch einige Trades vorgenommen werden. Es fehlt schlicht an Erfahrung und Bissigkeit. Der GM Dell Demps sollte den ein oder anderen Veteranen ins Auge fassen, der Ruhe und Abgezocktheit ins Team bringt. Es werden noch einige Jahre ins Land ziehen, bis die P-Cans zu einem Contender heranreifen. Die Vorzeichen stehen allerdings nicht schlecht, schon in diesem Jahr einen Überraschungsangriff auf die Playoffs zu starten. Mit dem ihm zur Verfügung stehenden Kader hat der Coach einige vielversprechende Giftpfeile im Köcher. Monty Williams kann je nach Defensiv- oder Offensivausrichtung auf eine Vielzahl von Line-Up Varianten zurückgreifen.

Aufgrund der zahlreichen Guards und ihrer unterschiedlichen Features wird er häufiger als andere Coaches die Starting Five modifizieren. Dabei wird auch die Fitness von Gordon wieder eine wesentliche Rolle spielen. Überwiegend wird Williams höchstwahrscheinlich zu Spielbeginn eine stabile Verteidigung etablieren und nach und nach Angriffswaffen einspeisen. Mit der Masse an jungen, offensiven Spielern auf den kleinen Positionen kann er die Angriffsstruktur variabel gestalten. Das Highspeedgame und die ständige Penetration wird etliche Gegner vor arge Probleme stellen. Eine perfekt abgestimmte Guardrotation muss der Schlüssel sein, wenn man in New Orleans die gesteckten Ziele erreichen will.

Die kurzfristigen Ziele sind eine schnelle Entwicklung der Schlüsselspieler (Davis, Holiday, Evans, Rivers) und, wenn möglich, eine Playoffteilnahme schon in dieser Saison. Die langfristigen Ziele sind selbstverständlich der Aufstieg zum Contender und der Gewinn der World Championship. Tom Benson, der schon 86 Jahre alt ist, möchte nur allzu gerne noch erleben, wie die Larry O´Brien Trophy in den Big Easy wandert. (Vorsicht, keinen heißen Kaffee verschütten). Viel Zeit bleibt da nicht mehr.