25 Oktober 2013

Sebastian Dumitru | 25. Oktober, 2013    @nbachefkoch






Flashback: 25-57 (.305), Platz 15 im Westen

2012-2013 war ein absolutes Disaster. Obwohl man tatsächlich geglaubt hatte, im Westen um die Playoffs mitspielen zu können, und aus präzise diesem Irrglauben heraus auch Veteranen wie Jermaine O'Neal und Luis Scola verpflichtete und sich Michael Beasley für drei Jahre und 18 Millionen Dollar an den Hals band, glich die Spielzeit einer totalen Eklipse. Der gute Coach Alvin Gentry wurde im Januar durch Lindsey Hunter ersetzt, der mit einer deprimierenden Rumpftruppe noch weniger Erfolg hatte. Das Management irrte unter Lance Blanks völlig kopf- und orientierungslos umher. Die gesamte Stimmung in der lange siegreichen Franchise und bei der Fanbasis war ob des Spielermaterials, des Basketballs, der gezeigt wurde und den Langzeitaussichten auf dem niedrigsten Stand aller Zeiten. 

Plus: Eric Bledsoe (LAC), Gerald Green (IND), Viacheslav Kravtsov (DET), Malcolm Lee (MIN), Miles Plumlee (IND), Ish Smith (MIL), Dionte Christmas, Alex Len, Archie Goodwin, Alex Oriakhi

Minus: Jermaine O'Neal (GSW), Michael Beasley (MIA), Wesley Johnson (LAL), Luis Scola (IND), Jared Dudley (LAC), 



Wichtigster Neuzugang: Ryan McDonough

Hier könnten ebenso gut die Namen von Jeff Hornacek oder Eric Bledsoe stehen. Das Rampenlicht aber ist auf McDonough gerichtet. Der 33-Jährige übernahm im Sommer den Posten des General Managers und soll endlich wieder Ruhe und Kompetenz in eine zuletzt katastrophale Personalsituation bringen. Nach zehn Jahren in der Celtics-Organisation an der Seite von Danny Ainge hat McDonough einen makellosen Ruf als smarter Talentfinder und harter Arbeiter. Genau davon wird Phoenix eine Menge brauchen, damit es bald wieder aufwärts geht. 

Shining Star: Eric Bledsoe

Der 23-Jährige war Phoenix' Wunschspieler im Trade mit den Los Angeles Clippers, denn nicht nur die Suns-Verantwortlichen sehen in der Backcourt-Bulldogge einen potentiellen All-Star Guard. E-Bled brillierte als Backup von Chris Paul mit 8.5 Punkten, 3 Rebounds, 3.1 Assists und 1.4 Steals in nur 20 Minuten Einsatzzeit. Kann er seine pro-Minute-Produktivität auch in einer Fulltime-Rolle bringen? Eins ist klar: seine Qualitäten als Slasher und die spektakuläre Ader im Transition-Spiel werden ihn schnell zum neuen Publikumsliebling in der Wüste machen. 

Scouting: Die Defensive war mit Platz 24 richtig mies - aber die bleibt, zumindest bei diesem Spielermaterial, auch ein hoffnungsloser Fall. Ein Schimmer dagegen könnte die Offensive sein, die der neue Head Coach Jeff Hornacek ankurbeln und aus den Niederungen der Liga ziehen will (zuletzt Off. Rtg von 98.2, Platz 29). Die jungen Beine der Akteure und eine generelle Speed-Ausrichtung sollen Abhilfe schaffen. Zwar ist es ein allseits bekanntes Konzept unerfahrener Teams, viel laufen und ihre mangelnde Beschlagenheit im Halbfeld-Spiel so kaschieren zu wollen. Phoenix hat aber auch das passende Spielermaterial dafür. In Halfcourt-Sets wird viel Pick & Roll gespielt werden, auch oder gerade weil jegliche verlässliche Post-Option fehlt, bis Rookie-Big Alex Len akklimatisiert ist. Im Klartext wird's also meistens so aussehen: High Screen Action mit Dragic und Bledsoe, viel Gerolle und haufenweise Versuche von jenseits der Dreierlinie, auch oder gerade von den Stretch Bigs Channing Frye und Marcus Morris. 



Check: Es muss bekanntlich erst mies werden, bevor es besser wird. Dass Phoenix den post-Nash-Rebuilding-Plan etwas zu lange hinaus gezögert hatte, darüber diskutierten wir hier und an anderer Stelle schon häufiger. Dass man ohne Nash aber glaubte, mit einem Patchwork-Kader um Dragic, Gortat, Dudley und Beasley die Seven-Seconds-or-Less Magie der Nashty-Ära replizieren zu können und Playoff-Material zu sein, war das eigentliche Fiasko in AZ. Das erkannt zu haben und in Zukunft vermeiden zu wollen ist der erste Schritt zurück zu alter Stärke.

Mit Dudley, Scola, O'Neal und Caron Butler (der via Trade von den Clippers kam und sofort nach Milwaukee weiter verschifft wurde) wurden alle Spieler gegangen, die einem ehrlichen Rebuild nicht zuträglich oder gegenüber freundlich gewillt gewesen wären. Auch der Griff ins Klo mit "Super Cool Beas" wurde vom neuen GM schnell ausradiert. So ist die Weste wieder rein gewaschen, bzw. mit modernen Farben und einem Logo-Redesign offiziell gepimpt. Das alleine gewinnt zwar noch keine Spiele, aber es setzt neue Akzente im Klub und bei einer zuletzt gebeutelten Fanbase. 

Alles ist in Phoenix auf die Zukunft ausgerichtet. McDonough ist in Boston den langen Weg durch das Tal der Tränen gegangen und war auch maßgeblich beteiligt, als das Pendel dann plötzlich in die andere Richtung ausschlug. Man braucht nur einen Plan, Geduld und etwas Glück. So wie beim Suns-Trade mit den Clippers, als man für einen alternden Rollenspieler einen potentiellen Star verpflichten konnte. Ob Bledsoe jemals den Schritt zum Playmaker schaffen kann, wird sich erst noch zeigen. Bis dahin gibt er den Suns an der Seite des furchtlosen Goran Dragic (Topscorer und -Assistgeber mit 14.7 PPG und 7.4 APG) aber zumindest einen respektablen Starting Backcourt, der lästig verteidigen und 99 Prozent der offensiven Durchschlagskraft in Phoenix ausmachen wird.

Die beiden Rookies Alex Len und Archie Goodwin sind ein großer Teil des Möchtegern-Contenders 2018. Len muss zwar beweisen, dass seine Verletzungsprobleme Zufall waren und er an Nummer fünf keine weitere Big Man Draft-Enttäuschung wird - aber wenn ihm das irgendwo gelingen kann, dann bei dem Klub mit den besten Physiotherapeuten der Welt. Goodwin galt einst als potentieller Lotterie-Pick, ehe ihn eine schwache College-Saison bei den Wildcats in der Gunst abstürzen liess. McDonough glaubt dennoch, hier an 29. Stelle einen Rohdiamanten gedraftet zu haben.

Der Rest des Kaders ist unspektakulär bis ernüchternd. Gerald Green wird für ein paar Highlights in einer größtenteils lahmen Saison im US Airways Center sorgen. Die Morris-Zwillinge sehen ähnlich aus und haben beide 'M. MORRIS' auf ihren Trikots stehen. Frye ist nach seinen Herzproblemen wieder genesen - zum Glück - und mit Gortat, Shannon Brown und Kendall Marshall ein weiterer potentieller Tradechip in McDonough's Trade-Maschine. Der smarte GM wird auch in Zukunft jede Gelegenheit nutzen, Perspektivspieler und Draft-Picks im Tausch für mit einem Rebuild inkompatible Veteranen zu akkumulieren. Ich tippe auf mindestens einen Midseason-Trade, vielleicht sogar früher. Eins, zwei weitere hohe Lotterie-Picks, vielleicht sogar ein Number One, und die Suns könnten 2016 tatsächlich wieder um die Playoffs mitspielen. Bis dahin wird's in der Wüste ähnlich erfolglos zugehen wie zuletzt. Aber wenigstens ist's nicht mehr ganz so zappenduster.