27 Oktober 2013

Niklas Dahl | 26. Oktober, 2013    @hoopcadabra






Flashback: 33-49 (.402), Platz 11 im Westen

Eigentlich kann niemand in und um Portland überrascht gewesen sein, wenn man die Saison 2012-13 der Blazers rekapituliert. Die prognostizierte Siegesanzahl wurde mit 33 um drei Siege übertroffen. Damian Lillard wurde Rookie des Jahres. Die Starter hielten das Team lange im Kampf um die verbliebenen Playoffplätze, brachen aber ob des schweren Spielplans und den langsam einsetzenden Verschleißerscheinungen in der zweiten Hälfte der Saison ein (dennoch: Damit lagen sie länger im Rennen, als ich prognostiziert hatte; für mich hätte der Einbruch schon um Weihnachten/Neujahr erfolgen sollen). Die Offensive der Starting Five minus Bank (wollen wir sie wirklich so nennen?) mit einem Offensiv Rating von 107 innerhalb der Top-10. Die Defensive der Starting Five minus Bank (wir müssen sie wirklich separat betrachten) im unteren Drittel. Fazit: So (oder so ähnlich) hätte auch jedes x-beliebige Season Preview vor der Saison lauten können. Wenig spannend also. Abseits des Courts wurde mit Ankunft Neil Olsheys umgehend die Richtungsänderung der Blazers eingeläutet. „Re-tool statt Rebuild“ war (und ist immer noch) die Devise. Aggressiv bei potenziellen Allstars wie Roy Hibbert, ansonsten unnötige Capspacebeladungen vermeiden.  

Plus:  C.J. McCollum, Earl Watson (UTA), Thomas Robinson (HOU), Dorell Wright (PHI), Allen Crabbe, Robin Lopez (NOLA), Dee Bost, Mo Williams (UTA), Richard Howell, E.J. Singler

Minus:  Eric Maynor (WAS), Marko Todorovic, Kostas Papanikolaou (beide HOU), Jeff Withey (NOLA), Elliot Williams (CLE), Nolan Smith, J.J. Hickson (DEN), Luke Babbitt



Wichtigster Neuzugang: Robin Lopez

Mit Sideshow Bob kommt nicht nur die kühlste Frisur der NBA in den regnerischen Nordwesten, es gesellt sich auch ein klassischer 7-Footer in den Portland-Frontcourt, den Nebenmann LaMarcus Aldridge so schon längere Zeit fordert. Ob er aber die dringend benötigte Defensivpräsenz ist, die die Blazers in ihm sehen, muss sich erst noch beweisen. Dennoch: Allein bei einfachsten Dingen wie dem Ausblocken wird die reine Physis von Robin Lopez ein klares Upgrade zu Vorjahrescenter J.J. Hickson sein. Die Rolle in der Offensive der Blazers fällt da schon deutlich kleiner aus. So klein, dass Lopez abseits von einigen Pick & Roll Spielzügen wenig auffällig sein dürfte. Muss er aber auch nicht.

Shining Star: LaMarcus Aldridge

Frage: Welche zwei Spieler legten in der abgelaufenen Saison per 36 Minuten mindestens 20 Punkte pro Spiel, 8 Rebound/Spiel und 2 Assists/Spiel auf? Der eine ist (wenig überraschend) der beste Spieler der NBA, LeBron James. Der zweite ist dann aber tatsächlich LaMarcus Aldridge, der die Blazers nun vollends zu seinem Team gemacht und sich unter die Top-5, vielleicht sogar Top-3, Power Forwards der NBA gespielt hat. Ein effizienter „LMA“ kann an einem Abend durchaus 30 Punkte, 10 Rebounds und X Assists spielen. Profitieren tut Aldridge auch in diesem Jahr wieder von Damian Lillard, mit dem er via Pick & Roll oder Pick & Pop die eine oder andere NBA Verteidigung auseinandernehmen kann. 

Scouting: Auch in Jahr zwei unter Terry Stotts wird es offensiv wieder eine Devise geben: „Selbst ein schlechter Dreier ist besser als ein guter Zweier“. Lagen die Blazers schon 2012-13 an Platz 4 in genommene Dreipunktewürfe unter allen NBA Teams, dürften die Additionen von Allen Crabbe, Mo Williams, C.J. McCollum und Dorell Wright für eine noch höhere Schlagzahl an Dreiern stehen. Doch nicht nur die Anzahl an Dreiern dürfte in die Höhe gehen, auch die Effizienz sollte dank fähiger Bankspieler – auf die sich die Stotts-Offensive leichter übertragen lässt – in die Höhe gehen (2012-13 noch Platz 20/30). Sollte Portland am Ende der Regular Season eine Top-10 Offensive (dann auch mit Bankspielern) stellen, darf das keinen NBA Fan verwundern.
Ob Ende April jedoch das angepeilte Ziel „Playoffs“ erreicht werden kann, entscheidet sich am anderen Ende des Courts. Dort trifft Portland in der eigenen Division unter anderem auf zwei der besten Offensiven der Liga in Oklahoma City und Denver, sowie einen wiedergenesen Kevin Love und dessen Minnesota Timberwolves. Hier, in diesen Duellen, wird sich zeigen, wie gut die Addition von Robin Lopez wirklich ist. Hier wird sich zeigen, ob Damian Lillard den notwendigen Schritt nach vorne in seiner Entwicklung gegangen ist. Hier wird sich zeigen, ob sich Nicolas Batum endlich ins kollektive Bewusstsein der besten Flügelverteidiger der NBA spielen kann. Lassen sich am Ende all jene Punkte positiv beantworten, sollte Portland eine mindestens durchschnittliche NBA Verteidigung stellen (und damit in die Playoffs einziehen). Gegenwärtig hab ich daran aber noch einige Zweifel.



Check: Die beste Analogie in Bezug auf die Portland Trail Blazers fand Blazersedge Schreiber Dave Deckard. Der verglich die Blazers Offseason mit der klugen, vorsorgenden Hausfrau. Die sammelt die sonntäglichen Rabattmarken, um dann am Montag zu reduzierten Preisen Milch, Eier und Brot einkaufen zu können. Doch egal, wie viele Marken sie auch sammelt, nie wird sie sich davon einen Ferrari leisten können.

General Manager Neil Olshey hat mit seinen zugegeben limitierten Möglichkeiten vieles erreicht. Spieler wie Dorell Wright (an dem auch andere, bessere, Teams wie die Thunder Interesse hatten) oder Mo Williams kamen zu konservativen Bezügen. Im Fall von Robin Lopez und Thomas Robinson nutzte Olshey klug die Situationen in New Orleans oder Houston aus, um jene Spieler für nahezu gar nichts nach Portland zu lotsen. Mit Allen Crabbe und C.J. McCollum war er einer der Gewinner des Drafts. Und so gut die Additionen auch sind, so sehr sie auch ein Upgrade zur letztjährigen . . . Bank . . . darstellen, sie können alle nicht den Impact ersetzen, den bspw. Houston durch Dwight Howard oder New Orleans durch Jrue Holiday und Tyreke Evans erfahren haben.

Sicher, wie oben bereits geschrieben, können die Blazers mit diesem Kader eine Top-10 Offensive und eine durchschnittliche Defensive (und ja, für Blazers-Fans ist das ein Erfolg) stellen und als siebtes oder achtes Team im Westen in die Playoffs einziehen. Doch das dafür notwendige Ineinandergreifen aller Einzelteile stellt sich praktisch für mich so schwierig dar, als dass ich mir nur wenig realistische Chancen auf die Postseason ausrechne.

Aber: Trotz dieser Aussicht geht es den Portland Trail Blazers Anno 2013 besser, als noch vor 2-3 Jahren. Denn: Selbst ein, ob eines möglichen Verpassen der Playoffplätze, frustrierter LaMarcus Aldridge lässt sich zur Trading-Deadline oder im Sommer 2014 bequem und ohne großen Wertverlust für junge Komplementärspieler und Draftpicks traden. Viele der übrigen Kontrakte laufen nach 2015 aus. Das schafft neue Möglichkeiten, wie Neil Olshey den Kader konstruieren kann. Maximaler Kontrakt für einen anderen Allstar Forward/Center, um ihn mit Damian Lillard zu paaren? In diesem Szenario kein Problem.

Und so können Blazers Fans zweierlei optimistisch in die mittelfristige Zukunft blicken. Der Kader gibt genug her, um nicht vollends unrealistische Playoff-Hoffnungen zu schüren. Finanziell ist man aber so flexibel, um bei andauerndem Misserfolg 2015 ein neues Team aufzubauen. Wer konnte davon nach den Abgängen von Brandon Roy und Greg Oden noch träumen?