26 Oktober 2013

Dusan Veljkovic | 25. Oktober, 2013






Flashback: 28-54 (.341), Platz 13 im Westen

Letztes Jahr lief wie die anderen davor. Auf dem Parkett ging nicht viel zusammen, das Team gehörte wieder zu den schlechtesten der Liga und die unsichere Zukunft der Franchise und die offene Arena-Frage lähmten einfach alles. Am 9. Januar 2013 kamen die ersten Gerüchte über einen Verkauf der Franchise nach Seattle an die Investorengruppe um Chris Hansen und Steve Ballmer auf. In der Hauptstadt Kaliforniens wurde die Unruhe gross, da es bisher immer hiess, die Maloofs würden die Franchise behalten und nicht verkaufen wollen. Am 21. Januar 2013 kam dann die Bestätigung: die Seattle-Gruppe erwarb 65% der Franchise für 525 Millionen Dollar. Der Schock war gross in Sac-Town und DeMarcus Cousins stellte in diesem Moment die wichtigste aller Fragen: Wie ist das Wetter in Seattle? Basketball wurde natürlich auch noch gespielt, aber nicht sehr erfolgreich. Man war wieder ganz unten in der Liga, obwohl die Kings offensiv sogar überzeugen konnten (mit 100.2 PPG/Platz 10 und einem Offensiv-Rating von 106.2/Platz 12). Dagegen stand die katastrophalste Defensive der Liga mit 105.1 kassierten Punkten pro Spiel (30.) und einem Defensiv-Rating von 111.4 (29.). Der äusserst fragwürdige Deadline-Deal von Lotterie-Pick Thomas Robinson war wohl der letzte Mittelfinger der Maloofs Richtung Sacramento, sehr zum Leidwesen von GM Geoff Petrie. 

Plus: Teambesitzer Vivek Ranadivé, GM Pete D’Allesandro (DEN), Head Coach Mike Malone (GSW), Greivis Vasquez (NO), Carl Landry (GSW), Luc Richard Mbah a Moute (MIL), Ben McLemore, Ray McCallum

Minus: die Maloofs (Yeah!), GM Geoff Petrie, Head Coach Keith Smart, Tyreke Evans (NOH), Cole Aldrich (NYK), Toney Douglas (GSW), James Johnson



Wichtigster Neuzugang: Ben McLemore

Wohl niemand bei den Kings hätte sich träumen lassen, den 20-jährigen Guard von Kansas an siebter Stelle im Draft noch zu bekommen. Er gilt als vielleicht grösstes Talent dieses Jahrgangs mit der grössten Wahrscheinlichkeit, ein Star zu werden. Seine Bilanz im letzten Collegejahr: 15.9 Punkte (49.5% FG,  42% Dreier, 87% FT), 5.2 Rebounds, 2.0 Assists, 1.0 Steals und 32.2 Minuten pro Spiel. Kurz nachdem McLemore David Sterns Hand geschüttelt und das Kings Cap aufgesetzt hatte, war Tyreke Evans' Schicksal besiegelt. Man erwartet, das McLemore besser mit dem Franchiseplayer DeMarcus Cousins zusammenpasst. Er hat zwar einen guten Zug zum Korb, aber im Gegensatz zu Evans hat er auch einen butterweichen Jumper und ist ein starker Schütze von aussen und an der Linie. Er wird deswegen schon mit Ray Allen verglichen. McLemore wird in seiner ersten Saison sicher noch reichlich Lehrgeld zahlen und an allen Aspekten seines Games arbeiten müssen. Aber wenn er und Cousins ihr grosses Potenzial ausschöpfen, könnten wir hier bald das geilste Big Man/Guard Duo seit Shaq & Kobe erleben.

Shining Star: DeMarcus Cousins

Kindskopf, Hitzkopf oder Troublemaker: Cousins musste sich in den ersten 3 Jahren seiner Karriere schon einiges anhören. Nicht zu unrecht, wurde er doch einige male aus disziplinarischen Gründen intern von den Kings und auch von der NBA gesperrt. Sein Talent ist unbestritten. Sein schwieriger Charakter leider ebenfalls, und im Chaos der Kings-Franchise konnte sich dieser auch nicht ins Positive entwickeln. Cousins' Vertrag wurde um vier Jahre für ein nettes Sümmchen von 62 Millionen Dollar verlängert. Damit steigt er offiziell zum einzigen Franchise-Player auf und muss die Kings in Zukunft auf seinen Schultern tragen. "I've got big shoulders, so I can handle that" und "I consider myself a leader on this team, so I take all the responsibility that comes with it. I've had pressure from the beginning, so I don't have a problem with it. I was doing it in the beginning, so I definitely don't have a problem doing it now"... So klang DMC bei seiner Pressekonferenz nach der Vertragsverlängerung. Der Neustart der Kings ist auch ein Neustart für ihn. Zum ersten Mal, seit er da ist, herrscht Ruhe und Professionalität im Umfeld der Kings. Wie viel das Wert ist, zeigt sich am Beispiel eines anderen Small Market Teams, den San Antonio Spurs. Wer Cousins' Weg verfolgt hat weiss, das der Junge gewinnen will und immer den schwierigen Weg dabei gegangen ist, ob an der High School, am College oder jetzt in der NBA. Er ist All-In, oder in seinen eigenen Worten: "I bleed black and purple." Wir glauben's, wenn wir's sehen. 

Scouting: Defensivspezialist Mike Malone ist der neue Mann auf der Bank der Kings. Er war einer der begehrtesten Assistant Coaches der Liga und neben Mark Jackson einer der wichtigsten Figuren für die Auferstehung der Warriors. Den Erfolg soll er jetzt ein bisschen weiter südlich wiederholen. Vor allem an der Defense soll geschraubt werden, denn die ist bei den Kings seit Jahren nicht vorhanden. Ausser Neuzugang Luc Richard Mbah a Moute und Chuck Hayes ist im Kader niemand, der bisher in der Defense zu glänzen wusste, aber bei den Warriors hatte Malone ausser Bogut auch niemanden. Es ist davon auszugehen dass man, ähnlich wie bei den Warriors letzte Saison, über einen starken Abwehrverbund versuchen wird den eigenen Korb zu schützen. Vor allem Cousins soll grosse Fortschritte in der Defense machen. Denn trotz seiner 2,11m und 122kg schreckt er niemanden davon ab, in die Zone zu ziehen. Dabei hat er den Körper und die Athletik, um ein Defensivbollwerk zu werden, aber weder seine Post- noch die Helpdefense ist bisher auf NBA-Niveau. Sein Karriereschnitt bei Blocks liegt gerade mal bei 0.9 pro Spiel (letzte Saison 0.7).

Im Angriff ist Cousins die erste Option. Dank seiner Passfähigkeiten und dem halben Dutzen Schützen im Team wird jedes Double Team gegen ihn bestraft werden. Mit der Verpflichtung von Vasquez dürfte das Offensivspiel endlich Struktur bekommen und die Turnovers drastisch nach unten gehen. Er ist zwar kein Elite Point Guard, hat sich aber in New Orleans zum soliden Spielmacher entwickelt und wenn einer bei den Offensivallergikern aus dem Pelikan-Staat 9 APG auflegt, wieviel dann erst bei einem eher offensiv orientierten Team wie den Kings? McLemore wird sich als zweite Scoringoption nach Cousins etablieren, Mbah a Moute wird die gegnerischen Winger zermürben, Landry und Thompson werden sich die Minuten auf der Vier teilen, und von der Bank kommt ordentlich Firepower mit Isaiah Thomas, Marcus Thornton, Jimmer Fredette und Patrick Patterson. Rookie-Guard McCallum wird am Anfang um seine Minuten kämpfen müssen, dank seiner Vielseitigkeit wird er sich aber früher oder später Spielzeit verdienen. 



Check: Unsicherheit und Chaos sind in der Hauptstadt Kaliforniens vorbei, der Neubeginn ist eingeläutet. Das Team bleibt, die neue Arena steht bis 2016 und man ist die schlimmsten Owner der NBA endlich los. Ein Sprichwort sagt: Der Fisch stinkt vom Kopf. Dieser Kopf wurde in Sacramento entfernt. Neu-Owner Vivek Ranadivé ersetzte das gesamte Management und den Coaching Staff, installierte Pete D'Alessandro als neuen GM und aus Golden State brachte er, unter anderem, den neuen Head Coach Mike Malone mit.

Neuzugang Greivis Vasquez soll Struktur ins Offensivspiel der Kings bringen und die guten Leistungen aus dem letzten Jahr bestätigen (13.9 Punkte, 4.3 Rebounds und 9.0 Assists pro Partie). Der Puerto Ricaner kämpft auch um einen neuen Vertrag, da sein Rookie-Vertrag am Ende der Saison endet. In einem weiteren Trade holte man sich einen Prinzen aus Milwaukee für einen zukünftigen Zweitrunden-Pick: Mbah a Moute, der sich einen Namen als Verteidigungsspezialist gemacht hat und genau dafür geholt wurde. Offensiv wird man nicht viel von ihm erwarten und bekommen, aber dank seiner Stärke am anderen Ende dürfte er als Starter gesetzt sein. Als letztes kam noch Carl Landry zurück nach Sacramento, für 4 Jahre und 26 Millionen Dollar. Diese Verpflichtung sorgte für viele Fragezeichen, da man erst letzten Sommer mit Jason Thompson für fünf Jahre verlängerte und beide Power Forwards sich in ihrer Spielweise ähnlich sind. Landry kam, wie viele hier, aus Golden State und ist immer noch sehr beliebt bei den Kings-Fans, aber es dürfte spannend zu beobachten sein, auf welchen der drei Power Forwards - Thompson, Landry oder Patterson - der neue Coach letztendlich setzen wird.

Auch in der neuen Saison werden sich die Kings in den unteren Regionen des Westens wiederfinden. Die Conference ist zu stark und ausgeglichen, um bereits Richtung Playoffs zu schielen, aber das ist auch nicht das Ziel in der neuen Spielzeit. Für Malone gilt es, sein System einzupflanzen und mit Hilfe von D'Alessandro den Kader nach und nach zur Playofftauglichkeit zu formen. Das wird sicher noch zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen, vermutlich bis zur Eröffnung der neuen Arena. Für die neue Saison sind 30 Siege machbar für die Jungs in Black & Purple, und man wird sicherlich vor den Jazz und Suns landen. Ein weiteres Jahr ohne Playoffs, dafür aber wieder mit einem Lotterie-Pick in der wohl stärksten Draftklasse nach 1984 & 2003 - klingt doch gar nicht so schlecht, vor allem wenn man weiss, dass die neuen Verantwortlichen einen klaren Plan haben, den sie Stück für Stück umsetzen werden.