25 Oktober 2013

Sebastian Dumitru | 24. Oktober, 2013    @nbachefkoch






Flashback: 20-62 (.244), Platz 15 im Osten

Das mieseste Team in der vergangenen Saison? Orlando. Das durfte man nach dem Howard'schen Fiasko und dem in einem der größten Blockbuster-Trades der letzten Dekade kulminierenden Sommer auch durchaus so erwarten. Überraschungen gab es dennoch zu bestaunen in Zentralflorida, auch für Nicht-Disney-World-Touristen: dem furiosen 12-13 Start folgten nur noch acht mickrige Siege in vier Monaten und mehrere überlange Niederlagenserien, darunter zwei im zweistelligen Bereich. Auf der anderen Seite gaben aber einige der jungen Protagonisten mit ihrem beherzten, wenngleich noch planlosen Spiel viel Grund zur Hoffnung, während Neu-GM Rob Hennigan eindrucksvoll demonstrierte, dass er sein Handwerk in San Antonio und Oklahoma City gut erlernt hat. Anstatt sich beschädigte Ware wie Andrew Bynum aufschwatzen zu lassen, bunkerte Orlando massenweise Draft-Picks und Perspektivspieler. Der Midseason-Trade, der Tobias Harris aus Milwaukee ins Team lotste, verfestigte meinen exzellenten Eindruck von Hennigan.

Plus: Victor Oladipo, Romero Osby, Jason Maxiell (DET), Ronnie Price (POR), Solomon Jones (NYK), Kris Joseph (BRK)

Minus: Al Harrington (WAS), DeQuan Jones (SAC), Beno Udrih (NYK), Hedo Turkoglu (Pizzeria)



Wichtigster Neuzugang: Victor Oladipo

Orlando hatte es vor dem Draft einzig und allein auf den Kombo-Guard aus Indiana abgesehen und bekam an zweiter Stelle auch seinen Mann. Der physisch imposante Rookie soll bei den Magic den Übergang zum Spielgestalter meistern – eine ähnliche Rolle also, wie sie auch Russell Westbrook und Dwyane Wade nach nur wenigen Profijahren ausfüllten. Selbst wenn das Projekt scheitern sollte: Oladipo ist defensivstark und vielseitig genug, um eher früher als später zu einem der Schlüsselspieler hier zu werden. 

Shining Star: Rob Hennigan

Mal mitgezählt, wie viele der Spieler aus dem monumentalen D12 Blockbuster-Trade noch bei ihren Teams verweilen? Howard ist heute in Houston, Bynum in Cleveland, Iguodala in Oakland. Nur Vucevic, Harkless und fünf Millionen Draft-Picks sind noch dort, wo sie damals hin wechselten: in Orlando. Hennigan ist zwar der jüngste Manager der Liga, aber wenn der 31-Jährige so weiter managt, hat er seinen ehemaligen Mentor Sam Presti bald als das Wunderkind in einem NBA Front Office abgelöst.  

Scouting: Head Coach Jacque Vaughn wird – im Gegensatz zu letzter Saison – wohl nicht mehr ausnahmslos auf seinen Kader-Nachwuchs setzen müssen. Verletzungen und Trades der Veteranen schoben in '12/13 die Verantwortung fast ausnahmslos auf die vielen Youngster im Team ab. Die waren damit völlig überfordert, logischerweise. Die Frage muss aber erlaubt sein: wie will Orlando in der neuen Spielzeit mehr als ein Viertel seiner Partien gewinnen? Die Offensive war katastrophal (Platz 27) und viel zu leicht auszurechnen – daran wird auch ein gesunder Glen Davis nichts ändern. Und selbst wenn es vorne wider Erwarten plötzlich klicken sollte: die Defensive ist einladender als Familien-Rabatt-Tage im Magic Kingdom. Orlando gestattete 101.1 PPG (Rang 24), fing sich 106.7 Punkte pro 100 Angriffe ein (25.) und war sowohl gegen Pick & Rolls (27.) als auch nach Screens (26.), Cuts (23.) und im Open Court (22.) unterstes NBA-Niveau. Oladipo wird hinten helfen. Wie sehr, das hängt vom Coach und einer zukünftigen Defensivkultur ab, die hier ganz dringend Not tut.



Check: Vorne wird es nach und nach einfacher werden, Punkte zu erzielen. Es ist nur natürlich, dass sich ein paar der beneidenswert vielen jungen Puzzlestücke mit der Zeit zu brauchbaren Offensivoptionen entwickeln und das derzeit noch chaotische Bild zu einem harmonischeren Ganzen zusammen setzen werden. Große Stücke hält man in Orlando natürlich auf Oladipo, der im Idealfall nicht nur die Franchise mit seiner ansteckenden Arbeiter-Mentalität wiederbeleben wird, sondern sich neben seinen Fähigkeiten als Slasher, Verteidiger und Energiebolzen auch noch als offensiver go-to Spieler entpuppen könnte.

Sollte er tatsächlich die schwierige Wandlung zum Point Guard vollziehen, hätte Orlando mit ihm den Jackpot gezogen. In der Summer League (19 PPG, 5 APG und 3.4 RPG als First Team Selektion) und in der Preseason zeigte der Rookie of the Year Kandidat bereits, dass es ein Fehler wäre, ihn als möglichen Franchise-Spieler diskreditieren zu wollen. Er hat seine Schwächen. Aber er ist erst 21 und nur einen semi-soliden Jumpshot (sowie einen Trade von Jameer Nelson und/oder Arron Afflalo) von 20 Punkten pro Spiel entfernt.

20 pro Abend, die könnte Tobias Harris schon in der kommenden Spielzeit knacken. Der Power Forward, der eigentlich nur eine Zugabe im stupiden Redick für Udrih Februar-Deal war, explodierte in Orlando und brachte sich mit 17.3 Punkten und 8.5 Rebounds als langfristiger Starter auf der Vier ins Gespräch. Die Magic täten gut daran, dem natürlichen Scorer weiterhin Entfaltungsmöglichkeiten zu geben und 'Big Baby' so schnell wie möglich aus der Stadt zu verbannen.

Mit Nikola Vucevic haben die Magic ebenfalls einen ehemalige Trade-Einschub im Kader, der sich in nur sechs Monaten zu einem der besten Rebounder der Liga gemausert hat (11.9 RPG, Platz 2) und auch aus der Mitteldistanz eine solide Figur abgibt. Auf den Forward-Positionen tummeln sich mit Andrew Nicholson (23), Maurice Harkless (20), Kyle O'Quinn (23) und Romero Osby (23) weitere Backups, die ihre Chance wittern – erst Recht, wenn Hennigan in ein paar Monaten wie antizipiert noch ein paar Moves tätigt.

Veteranen wie Davis, Afflalo oder Nelson nehmen nicht nur den Welpen wichtige Spielzeit weg. Sie sind auch noch die teuersten Akteure im Kader und bei Playoff-Contendern sicherlich besser aufgehoben als bei einem der miesesten Teams des Association. Nelsons Deal ist für 2014/15 nur partiell garantiert – und damit auch für Mannschaften auf der Jagd, die gleichzeitig flexibel bleiben wollen, äusserst lukrativ. Außerdem hat man jetzt mit Ronnie Price und Jason Maxiell weitaus günstigere Mentoren an Bord, so dass Hennigan sicherlich mindestens einen Trade einfädeln wird, der weiteres Talent und/oder Picks zu den Magic bringt. Dank niedriger Erwartungen kann man also getrost die jungen Spieler im Kader entwickeln und weit mehr als 50 Niederlagen anpeilen – das hält die Siegesquote schön gering und die Chancen auf einen möglichen (zweiten) Superstar im Draft 2014 hoch. In zwei bis drei Jahren könnte dieses Team erschreckend gut sein. Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude.