15 November 2013

Niklas Dahl, Onur Alagöz, Leo G, Daniel Schlechtriem, Roman Schmidt  | 13. November, 2013   






1. Indiana (8-0) ist immer noch ungeschlagen.
Sind die Pacers das beste Team der NBA?



Niklas Dahl, Rose Garden Report: Ja, sind sie. Die Defensive, so erstickend wie im letzten Jahr, featured den vielleicht jeweils besten Zonen- und Perimeterverteidiger der Association in Roy Hibbert respektive Paul George. Dazu klickt die Offensive, die Pacers treffen Anno 2013-14 als Team hochprozentiger. Platz eins im Osten geht nicht über Miami, sondern über die Mannen aus dem Staat des Indy 500.

Onur Alagöz, Showtime Redux: Hell yeah, zumindest momentan. Für Puristen ist die unbeschreiblich gute Verteidigung eine absolute Augenweide, für alle anderen Paul Georges Krönung zum Superstar. Prince George steht an der Spitze einer erstaunlich tiefen Mannschaft (10 Spieler mit mehr als 14,8 MPG), die Defense spielt als würde ihr Leben davon abhängen, vor allem Hibbert, der unbedingt die DPOY-Trophäe haben möchte. Das Team ist hungrig. Miami bekommt langsam Bauchweh.

Leo G, Shadez of Brooklyn: Eine fast schon historisch überragende Defense, eine effizientere Offensive, endlich Produktion von der Bank – die Pacers haben im Vergleich zur letzten Saison nochmals einen unglaublichen Schritt nach vorne gemacht. Und während sich zu Recht alles auf MVP-Anwärter George und Zonenmonster Hibbert fokussiert, hat sich David West heimlich, still und leise zum Schlüsselspieler der Pacers gemausert. Nach den Eindrücken der bisherigen Saison sind die Pacers neuer Favorit im Osten und das selbst ohne Danny Granger.

Daniel Schlechtriem, With the 14th Pick: Gegenwärtig ohne Frage, ja. Die Pacers haben sich mit Scola und Watson noch mal essentiell verstärkt, Stephenson und selbst George wirken weiter verbessert – Indiana ist gereift und hat praktisch keine Schwächen mehr. Sollte nichts substantielles dazwischen kommen, bedarf es schon einer Ausnahmeleistung selbst von Kalibern wie LeBron oder Rose, um die Pacers auf ihrem Weg in die Finals aufzuhalten.

Roman Schmidt, No Bull: Die Pacers-Defense ist auf Playoff-Niveau (Defensiv-Rating unter 90) und Paul George sieht mehr denn je wie ein Franchiseplayer aus. Irgendwo in einem dunklen Zimmer sitzt Larry Bird alleine über seinem Cognac und lächelt in sich hinein. Numbers speak: 8-0 Start, bestes Team der NBA.


2. Hält Kevin Love seine frühe MVP-Form und führt er die Wolves (6-3) endlich wieder in die Playoffs? 


Niklas Dahl: Ob der Power Forward weiterhin konstant 26 und 15 pro Partie auflegt? Ich würde noch keine Wette in Vegas platzieren. Jedoch: Stehen die Wölfe 2013-14 unter dem Schutz des Apollon, sollten sie wieder in der Postseason vertreten sein. Vor allem wegen Kevin Love.

Onur Alagöz: Zum Glück hab ich Love in meinem Fantasyteam. 26,4 Punkte, 15 Rebs und 5 Vorlagen bisher sind schon eine klare Ansage. Ich traue Kevin durchaus zu, dass er diese Werte (mit leichten Abstrichen) hält. Damit 'Sota aber in die Playoffs kommt, muss Rubio auch offensiv beitragen. Mit ein wenig Glück sind der achte Seed und ein Erstrundenaus drin. Um Love aber mit Sicherheit dauerhaft halten zu können müsste schon mehr heraus springen.

Leo G: Die Wolves sind in dieser Form mehr als nur ein einfacher Playoff-Anwärter. Dies liegt aber nicht nur an den überragenden Zahlen von Love, sondern auch an einer endlich potenten Backcourt-Rotation. Mit Martin konnte man den besten Catch & Shoot Zweier der Liga zum Spottpreis anlocken, welcher eine der größten Schwächen der letzten Saison behebt. Ein endlich fitter Rubio verleiht dem Team Struktur und dann kann es sicher auch nicht schaden, wenn ein nicht mehr auf sich alleine gestellter bzw. verletzter Love wieder Performances auspackt, die ihn vorletzte Saison zum besten Power Forward der Liga machten.

Daniel Schlechtriem: Die Frage lautet eher: Bleibt er gesund? Annähernd 80 Spiele hat Love nur in seiner Rookie-Saison absolviert, da lassen sich Zweifel nicht einfach wegwischen. Dass die Timberwolves inzwischen stark und routiniert genug sind, im toughen Westen unter die besten Acht zu kommen, bestreitet niemand mehr. Sie haben das Personal und den Coach dazu. Aber nicht nur Love, auch Rubio und Martin bringen einfach eine zu große Verletzungshistorie mit sich, als dass wir jetzt schon von Playoffs sprechen könnten. Dafür ist der Westen einfach zu gut und die Wolves zu abhängig von ihren Leistungsträgern.

Roman Schmidt: Während ich das hier schreibe, verwandelt Loves Gegenspieler drei freistehende Korbleger. Aber im Ernst, Love spielt wie jemand, der letztes Jahr durch einen Shitstorm gelaufen ist und in dieser Spielzeit einiges beweisen möchte. Ich rechne damit, dass die Verletzungsmisere der letzten Jahre das Pech der Timberwolves endgültig aufgebraucht haben muss und sie endlich wieder die Playoffs erreichen werden.


3. Von den Problemen, die viele bei OKC (5-2) prophezeit hatten, ist nichts zu sehen. Warum?


Niklas Dahl: Oh, die Thunder haben ganz sicher Probleme. Warum davon gegenwärtig nichts zu sehen ist? Weil Kevin Durant wie ein MVP aufspielt und der frühe Spielplan die Mannen aus Oklahoma City begünstigt. Knappe Siege gegen Tankingfutter aus Utah und Phoenix, Overtime-Siege gegen schwache Ostteams und ein justiertes Net-Rating von 1.55 sprechen eine deutlichere Sprache: Die Thunder haben noch einen langen Weg vor sich, wollen sie 2013-14 um die Meisterschaft spielen.

Onur Alagöz: Weil Durant und Westbrook nach wie vor das aufregendste Duo der Liga sind. Außerdem schadet es nicht, dass Reggie Jackson und Jeremy Lamb immer besser werden. Der Explosivität und offensiven Potenz OKCs hat kaum einer etwas entgegen zu setzen, und da Westbrook auch wieder zu Kräften kommt, kann sich der Rest der Liga warm anziehen. OKC ist immer noch ein Contender.

Leo G: Auch wenn Westbrook nach seiner Wunderheilung offenkundig noch nicht fit sein kann, öffnet er in altbekannter Manier Räume für Durant und Ibaka und macht das Team unberechenbar. Dazu bringt ein stark verbesserter Jackson beeindruckenden Impact von der Bank und ist schon jetzt heißester Kandidat auf den 6th Man Award. Und dann sind da ja noch die Feel-Good Stories von Adams, Lamb und Jones, die früher als gedacht Produktives beisteuern und die namhaften Abgänge in den letzten zwölf Monaten vergessen machen.

Daniel Schlechtriem: Zum einen, weil niemand mit Westbrooks schneller Rückkehr gerechnet hat, zum anderen weil die Saison noch zu jung ist, als dass sich diese Probleme bemerkbar machen könnten. Kurzfristig lassen sich Schwächen in der Zone und in der Tiefe des Kaders kaschieren, auf 82 Spiele gesehen kann man ohne wirklichen Zonenspieler oder eine gefestigte Bank in der NBA aber nicht dominieren.

Roman Schmidt: Weil Russell Westbrook nicht an Ärzte oder Ärztemeinungen oder Medizin - ach was, nicht an Verletzungen überhaupt glaubt. Außerdem war der Spielplan während Russells Fehlen mehr als machbar (die zwei Niederlagen kamen gegen zwei Western Conference Top-Teams). Naja, und dieser Durant Typ ist auch nicht übel.


4Kann man die Suns (5-2) schon jetzt aus der 'Riggin for Wiggins' Lotterie streichen?


Niklas Dahl: Nein, dafür besitzen die Suns weder die notwendige Tiefe im Kader noch überragendes Talent in der Spitze, um im Playoffrennen des Westens über die volle Saison mithalten zu können. Trotzdem: Die Erfolge in der Defensive (ligaweit stellt Phoenix die 6.-beste Verteidigung), eine bessere Wurfauswahl in der Offensive und nur knappe Niederlagen gegen gehandelte Meisterschaftsteams wie San Antonio und Oklahoma City beweisen, dass sich in Phoenix etwas Vielversprechendes zu bilden beginnt.

Onur Alagöz: Nein, auch dieser kurze Höhenflug wird á la Ikarus ein jähes Ende nehmen. An den etlichen besseren Teams im Westen wird sich dieser junge Flickenteppich die Finger verbrennen, auch weil die momentan starke Defense unmöglich zu halten ist. "Small sample size" nennt das der Amerikaner – also nicht überreagieren.

Leo G: Zumindest sind sie nicht mehr Mitfavorit, wenn es um den Award für das mieseste Team geht. Selbstverständlich werden Spieler wie Morris, Plumlee oder Frye ihre Zauberleistungen so konstant nicht abrufen können, aber die starke Team-Defense gepaart mit einem erstaunlich gut funktionierenden Backcourt macht Hoffnung, dass die Suns ihren positiven Eindruck bestätigen können. Nichtsdestotrotz sollte man die ersten Impressionen nicht überbewerten und die Suns nun zu einem sicheren Playoff-Teilnehmer hochstilisieren, dazu ist der Kader zu lückenhaft und die Saison noch zu jung.

Daniel Schlechtriem: Nein, sie haben noch 75 Spiele, die sie verlieren können. Man darf nicht vergessen, dass die Bobcats letztes Jahr bei 7-5 standen und dann von den restlichen 70 Spielen 56 verloren haben. Ganz so schlimm muss es den Suns nicht ergehen – aber wer rechnet trotz des zugegebenermaßen beeindruckenden Starts ernsthaft damit, dass Phoenix deutlich mehr als 25 Siege holen wird? Sie werden nicht die schlechteste Bilanz aufweisen, aber dennoch im Westen sehr weit unten stehen und letztlich auf ihr Lotterieglück hoffen. Das war von Anfang an der Plan.

Roman Schmidt: Ich bin mir nicht sicher, ob Wiggins als Nr. 1 Pick eingemeißelt ist, daher tendiere ich eher zu "nein". Die vermeintlichen Lottery Teams haben sicherlich Interesse daran, noch restliche Season-Tickets zu veräußern und vor allem eine attraktive Spielweise ist hier hilfreich. Vielleicht wissen die Suns auch etwas, das wir nicht wissen und der kommende Draft ist viel tiefer als allgemein angenommen. Andererseits ist die Season natürlich noch sehr jung.


5. Wollten Ainge und die Celtics nicht ganz hart tanken? Was geht ab in Boston (4-5)?


Niklas Dahl: Danny Ainge tankt nicht. Hände runter.

Onur Alagöz: Das war jetzt das Pflichtsoll für diese Saison, was Siege angeht. Der Sieg in Miami war sehr sehr glücklich. Greens Gamewinner war cool, aber nicht geplant. Die restlichen drei Siege kamen gegen Gurkentruppen wie Orlando (2x) und Utah. Das restliche Jahr bietet dann genug Raum für Rajon Rondo-Tradegerüchte, exzessiven Alkoholismus in Beantown und Rebuilding mit der Miley-Cyrus-Abrissbirne. Lotterypick: Garantiert!

Leo G: Ainge hätte sich wohl früher überlegen sollen, ob ein Brad Stevens fürs Tanken wirklich schlecht genug ist. Dieser zaubert aus einem schwachen Kader eine defensiv starke Einheit und war schon auf dem College ein Genie, wenn es um Plays aus Timeouts und wichtige End-Game Situationen ging. Dazu könnte eine frühe Rondo-Rückkehr die Scoring-Probleme beheben und das Tanking ernsthaft gefährden. Dennoch werden wir mit fortschreitender Dauer  eher Spiele wie am Anfang der Saison sehen. Die  Celtics-Fans sollten sich daher lieber an den positiven Begleiterscheinungen wie Defense oder individuellen Verbesserungen der Schlüsselspieler  erfreuen, als am Blick aufs Scoreboard.

Daniel Schlechtriem: Das lässt sich nicht so leicht erklären, deshalb hier dieselbe Antwort, wie schon bei den letzten beiden Punkten: Kommt Zeit, kommt Rat. Hier: Kommt Zeit, kommt Realität. Egal was die gegenwärtige Bilanz sagt: Die Celtics sind im vollen Rebuild-Modus und mit diesem Team können (und wollen) sie ganz einfach nicht bestehen, selbst nicht im leichten Osten. Einige starke Teams sind schwach aus den Startlöchern gekommen, andere schwache überraschend stark. Aber wir haben November, die Saison ist noch lang und der Spreu wird sich früher oder später vom Weizen trennen.

Roman Schmidt: Celtics Fans sind stolz und in der Führungsetage weiß man dies. Wie bei den Suns muss man hier sagen, dass die Season noch zu jung ist, um Rückschlüsse zu schließen, obwohl Avery Bradley auf den Point Guard zu stellen sogar die letztjährigen Bobcats rot werden lässt. Spätestens mit dem am Horizont wartenden Rondo-Trade wird zu sehen sein, was die Celtics vor haben.