02 November 2013

Dennis Köhler | 1. November, 2013    @NBACHEF_Nuggets





Wenn man Experten Glauben schenken darf, machen Tim Connelly und die Nuggets nun ernst: Kenneth Faried wird den anderen Teams angeboten wie Cillit Bang auf einer Hygiene-Messe. Die Fragen, die sich mir stellen: Was ist wirklich dran an den Gerüchten? Wie könnte ein potentieller Trade aussehen? Und vor allem: Was haben die Nuggets davon, ihren rising Star abzugeben?

Man könnte meinen, Kenneth Faried hat trotz seiner erst 23 Jahre nicht mehr wirklich viel Luft nach oben. Faried ist ein Energy-Guy, ein Spieler, der mit hoher Leistungs- und Einsatzbereitschaft die Fans und seine Mitspieler mitreißt. Das ist das Spiel des Manimals. Kämpfen und ackern, bis der Arzt kommt. Nicht selten raubt diese physische Spielweise dem Gegner den letzten Nerv. Checkt doch einfach mal den Namen Kenneth Faried im Zusammenhang mit Andrew Bogut oder Dwight Howard auf YouTube. Ihr mögt es vielleicht anders sehen, aber diese Kämpfer-Eigenschaft ist in diesem Ausmaß eine echte Gabe und selten verbreitet! Genau deswegen steht der Forward bei vielen Teams ganz hoch im Kurs. Und das zurecht: Man hat es an den Heat gesehen, welch Unterschied ein Spielertyp wie Chris Andersen in wichtigen Situation machen kann. Ein Typ, der für die Drecksarbeit da ist und extra Ballbesitze für LeBron und co. generiert.

Faried hat aber, anders als Andersen, noch weitere Qualitäten. Bereits den zweiten Sommer in Folge arbeitete er an seiner Defense und, im neuen Shaw-System gern gesehen, auch an seinem Postplay. Der kleine Jump Hook soll zum echten go-to Move werden. Faried hat nicht die Statur, um seinen Gegner bis unter den Korb zu schieben und auch nicht die Größe, um über seine meist größeren Verteidiger drüber zu ballern. Also muss ein Midrange-Jumper her. Die 30 Prozent aus der Mitteldistanz, die er vergangene Saison auflegte, sind zu wenig. In der Preseason stellte Faried seine neue Treffsicherheit schon mal unter Beweis. Das muss er jetzt auch zeigen, wenn's wirklich zählt. Wenn er das einigermaßen schafft und dazu sein Pick & Roll Spiel weiter entwickelt, könnte der Rastamann an die 15 Punkte im Schnitt auflegen. Kombiniert mit 10 Boards pro Partie liest sich das Ganze doch sehr gut.

Also: Was veranlasst die Nuggets dann, allen Ernstes über einen Faried-Trade nachzudenken? Fakt ist, die Ära der dominanten Power Forwards scheint vorerst vorbei zu sein. In der heutigen NBA regieren scorende Point Guards und Alleskönner auf dem Flügel. Ein weiterer Trend macht Denver nervös: Youngster Derrick Favors - auch keine offensive Großmacht - wurde von den Utah Jazz mit großen Scheinen regelrecht zugepflastert und erhielt eine vierjährige Vertragsverlängerung über 49 Millionen Dollar. Einen ähnlichen Vertrag soll wohl auch Faried intern gefordert haben, wenn sein Rookie-Vertrag ausläuft. Die Nuggets reagierten prompt: Am Draftday wurde den Orlando Magic Faried für Victor Oladipo angeboten. Die Magic lehnten dankend ab. Wenige Stunden später tradeten die Nuggets Kosta Koufos für Darrell Arthur, Power Forward, nach Memphis. Der nächste Neuzugang war, nur kurze Zeit später, Free Agent J. J. Hickson, ebenfalls Power Forward. Es bedurfte keines Superhirns, um zu erkennen, was die Nuggets vorhaben. Wieso sonst braucht ein Team vier gelernte Power Forwards, von denen schon mindestens zwei für Starterminuten gut sind? Auch ein Anthony Randolph spielte sich in die Rotation. Und dann ist da ja sogar noch Quincy Miller, der in seinem ersten Jahr bei den Nuggets mal eben drei Inches gewachsen ist und nun bei 2,11m steht. Unter dem neuen Coach Brian Shaw könnte sich auch die Rolle von Faried drastisch wandeln.

Man sieht also: Die Zeit von Faried in Mile High könnte so schnell vorbei sein, wie sie gekommen ist. Aber, wie hoch ist der Marktwert des Forwards wirklich? Was können die Nuggets realistischerweise für ihn bekommen? Hier mal drei mögliche Tradeszenarien, ohne Rücksicht auf tatsächliche Realisierbarkeit:

Der "Elite-Point-Guard-nach-Denver-Trade"


Die Nuggets waren bereits im vergangen Jahr an Rondo dran, damals scheiterten die Verhandlungen aber an Rondos Knie. Lawson hat zwar den besseren Wurf und ist vielleicht noch einen Tacken schneller als Rondo, aber von dem perfekten Aufbauspieler ist Ty noch weit entfernt. Rondo würde die vermisste Defense auf der Eins bringen und kann die starken Schützen draußen nach Belieben bedienen. Win. Für beide Teams.

Der "Das-würde-viel-Sinn-machen-Trade"


Die Knicks bekommen mit Faried einen guten, aufstrebenden Power Forward, der neben Chandler das Rebounding verankert, und müssen nicht weiter auf ein italienisches Wunder hoffen. J.R. Smith kann auf der Zwei starten, Hardaway Jr. macht den Back-Up. Währenddessen bekomen die Nuggets einen Shooting Guard mit Monster-Athletik, eisenharter Defense und gutem Wurf. Der neuer Langzeit-Starter auf der Zwei wäre gefunden. Win-Win.

Der "Wir-holen-einen-Star-Trade"


Wird so wohl nie passieren, aber Denver würde hier nicht eine Sekunde zögern. Die Rockets würden Howard volle Kontrolle über die Offensive geben und mit Faried den richtigen Frontcourt-Nachbarn holen. Gallinari und Parsons brächten die nötige Fire Action von draußen und Lin den neuen Shooting Guard in H-Town geben! Die Nuggets bekämen einen uneigensinnigen Scorer und echten Star, während McGees Pubertätsflaum sich von Hardens Prachtbart im wahrten Sinne eine Scheibe abschneiden könnte. 

Wie realistisch all diese Trade-Vorschläge nun sind, ist schwer zu sagen. Als Nuggets-Fan würde ich wahrscheinlich sogar allen dreien zustimmen. Der Kader bietet so viele Möglichkeiten, ein großes Paket für Spieler XY zu schnüren. Auch die Trade Exception des Iggy-Trades in Höhe von knapp zehn Millionen Dollar kann involviert werden. Die Nuggets werden sich nun Zeit nehmen und ihre Optionen durchgehen. Die sind haufenweise vorhanden und machen mindestens einen Deal sehr wahrscheinlich. Möglicherweise wird Faried also schon im Laufe dieser Saison getradet. Oder aber Faried hat ein Monster-Jahr von der Bank und das Trio McGee-Hickson-Faried passt. Wer weiß das jetzt schon so genau? Die neue Saison ist schließlich erst ein paar Tage alt.