16 November 2013

Daniel Schlechtriem | 16. November, 2013  







Infolge der Verpflichtung Dwight Howards war für jeden vernünftig denkenden Kenner der NBA klar, dass Ömer Asik seinen Vertrag in Houston nicht erfüllen wird. Das Experiment mit den Twin Towers – Howard und Asik in der Mitte – war zwar einen Versuch wert, musste jedoch bald als gescheitert angesehen und zu den Akten gelegt werden, denn beide sind sich vom Spielertyp her einfach zu ähnlich. Logische Konsequenz: Asik muss gehen. Kein rational handelndes NBA Team kann sich den Luxus eines Gargabe-Time Spielers leisten, der acht Millionen Dollar Cap Space frisst und dem nächstes Jahr sogar 15 Mio. $ überwiesen werden müssen.

Asik verlangte zuletzt neuerlich einen Trade und man kann es ihm nicht verdenken, war er doch maßgeblich am Erreichen der Playoffs vergangene Saison beteiligt und verbesserte sich nicht nur in defensiven, heimischen Gefilden, sondern ging auch offensiv einen merklichen Schritt nach vorne – man denke nur an seine Nervenstärke an der Freiwurflinie, die die Hack-Asik Taktik der Thunder in besagten Playoffs in die Hose gehen ließ.

Die Neuformierung der Starting Five sorgte dafür, dass „Big O“ am Mittwoch gegen die Sixers gerade mal vier Minuten auf dem Parkett stand, gegen die Knicks am Folgetag überhaupt nicht, gegen Denver am Samstag fehlte Asik offiziell wegen einer Verletzung, aber auch hier kann sich jeder seinen Teil dazu denken. Coach McHale mag Asiks Verbannung auf das Ende der Bank sportlich damit begründen, dass der türkische Center die von Downtown gefährlichen Spencer Hawes respektive Andrea Bargnani nicht verteidigen könne – doch derartige Spielertypen begegnen einem in der heutigen NBA beinahe allabendlich. Infolgedessen stellt McHale mit dieser Argumentation Asiks generelle Daseinsberechtigung bei den Rockets infrage – und dann ist ein Trade unausweichlich, erst recht weil ein Spielertyp von dieser Qualität ligaweit nur noch selten zu finden ist.

Dennoch verweigert Houston (vorerst), wenig überraschend, einen Handel. Wer Rockets GM Daryl Morey auch nur ein klein wenig kennt, der weiß, dass er keine Deals tätigt, nur um einen Deal getätigt zu haben. Morey wird in aller Ruhe den Markt sondieren und seinen Tradechip nicht für Assets oder Talente hergeben. Er wird nur dann den Knopf drücken, wenn er davon überzeugt ist, sein Team erheblich zu verbessern. Und dafür muss ein Spieler vom Kaliber eines All-Stars her. Asiks Marktwert wird steigen, je näher die Trade Deadline im Februar rückt und je mehr andere Teams Handlungsbedarf sehen.

With the 14th Pick präsentiert vier mögliche Szenarien. Und bevor die Mavs-Fans überhaupt daran denken: Nein! Niemals! Morey wird nie im Leben einen Spieler von Asiks Qualität an einen texanischen Rivalen abgeben und den Türken somit vier Mal pro Saison im Aufgebot des Gegners sehen. Selbst in einem Three Team Deal ist dies absolut undenkbar. Im Bereich des Möglichen sind hingegen folgende Trades:


#1 Der Wunschkandidat:



Interne Quellen berichten von einem ernsthaften Interesse der Rockets am All-Star der Blazers, LaMarcus Aldridge. Der ließ zwar kürzlich verlauten, in Portland glücklich zu sein, doch Aldridge wird nächsten Juli 29 Jahre alt und in absehbarer Zeit im pazifischen Nordwesten nicht um eine Championship mitspielen. Houston kann ihm ebendies bieten, denn das Trio Howard-Aldridge-Harden würde die Rockets auf einen Schlag zu einem gewichtigen Contender erheben. Ein großes Fragezeichen steht allerdings hinter der Bereitschaft von Blazers GM Neil Olshey, seinen besten Mann abzugeben. Doch womöglich sieht er sich genötigt, zeitig zu handeln, denn Aldridges Vertrag läuft 2015 aus – und die Blazers werden monatelange Diskussionen über "Vertragsverlängerung versus Abgang in die Free Agency" vermeiden wollen.

Ömer Asik wäre ein deutliches Upgrade zu Robin Lopez und würde die Verteidigung der Blazers nochmals verbessern. Auch der immer stärker werdende Terrence Jones, gebürtig aus Portland und sehr beliebt bei den hiesigen Obdachlosen, dürfte sich schnell akklimatisieren. Dennoch muss Houston mehr Gewicht in die Waagschale werfen, um Olshey zu überzeugen. Für den anderen wertvollen Tradechip neben Asik, Jeremy Lin, sollten die Blazers wenig Verwendung haben, deshalb muss ein drittes Team an Bord, in diesem Szenario die Milwaukee Bucks, die als graue Maus der Liga nicht nur die internationale Aufmerksamkeit, die die Personalie Lin mit sich bringt, sondern auch dessen Spielmacherfähigkeiten gut gebrauchen könnten. Die Bucks schicken dafür Ersan Ilyasova nach Portland, wo jener mit Asik eine türkische Zonenpräsenz aufbaut. Weil Ilyasova vom Spielertyp her ähnlich ist wie Aldridge, müssten die Blazers auch ihr System nicht komplett über den Haufen werfen. Der eine oder andere Draft Pick und/oder Rechte an internationalen Spielern müssten sicherlich darüber hinaus den Besitzer wechseln.

Ein weiteres, ähnliches Three-Team-Szenario involviert die bisher enttäuschenden Memphis Grizzlies und Zach Randolph, um den es immer wieder Trade-Gerüchte gibt. Nach vorliegendem Gedankenspiel schicken die Grizzlies diesen nach Portland, wo er zusammen mit Asik eine wuchtige Zone bildet, während Memphis in Terrence Jones und Donatas Motiejunas jungen, entwicklungsfähigen und vor allem kostengünstigen Ersatz bekommt, dazu ggf. noch in Robin Lopez einen starken Backup für Marc Gasol. Auch hier müssten natürlich Picks und Draft-Rechte zusätzlich ihren Besitzer wechseln. Denkbar ist natürlich auch, dass die Rockets selbst direkt in Richtung Ilyasova Ausschau halten.


#2 Der Championship-Weg:



Daryl Morey versuchte bereits 2010 vergeblich, den damaligen Free Agent Chris Bosh nach Houston zu locken. Nun stehen die Sterne etwas günstiger, denn beim amtierenden Champion aus Miami kommen zunehmend Zweifel auf, ob diese Mannschaft noch hungrig genug ist, einmal mehr die Trophäe nach South Beach zu bringen. Außerdem greift Ende des Jahres die Early Termination Option nicht nur bei Bosh, sondern auch bei LeBron James und Dwyane Wade – möglicherweise stehen die Heat im Juli vor einem Trümmerhaufen. Dem könnten sie mit einem weitsichtigen Trade zuvorkommen, und Houston erscheint hier als geeigneter Abnehmer: Die Rockets bieten den Heat in Asik die bisher ausbleibende zuverlässige Zonenpräsenz, die in den Playoffs gegen Roy Hibbert, Brook Lopez und Joakim Noah dringend von Nöten sein wird. Mit Jeremy Lin im Roster wäre außerdem für zusätzliche Aufmerksamkeit gesorgt (Marketing!), dessen immer besser werdende Spot-Up Shooter Fähigkeiten ermöglichten zudem weiterhin, dass LeBron große Teile des Aufbauspiels übernimmt. Houston hingegen hätte mit dem titelerfahrenen Bosh sowie Howard das fraglos beste Zonen-Duo der Liga. Bosh selbst müsste nicht mehr die ungeliebte Center-Position bekleiden und könnte als Stretch Power Foward seine Fähigkeiten aus der Distanz zum Einsatz bringen. Miami bekommt als Zugabe einen der Youngster, in diesem Beispiel Terrence Jones, Houston nimmt dafür Mario Chalmers auf, der sich mit Beverley und Brooks um Minuten im Backcourt prügelt. Obwohl dieses Szenario für beide Seiten sehr viel Sinn ergibt, erscheint es gegenwärtig nicht sehr wahrscheinlich, dass die Miami Thrice gesprengt werden.


#3 Der Blick in die Vergangenheit:



Dwight Howard zusammen mit Ryan Anderson - das hat in Orlando funktioniert. Immerhin ist der Most Improved Player 2012 einer der, wenn nicht sogar der beste Big Man Shooter der Liga. Er würde in McHales präferiertes Spacing-System perfekt passen, denn die Gefährlichkeit eines solchen Spielertyps öffnet die Zone für Howard und auch Harden bekommt einfachere Wege offeriert, zum Korb zu ziehen. Bei den Pelicans klafft seit dem Abgang von Robin Lopez ein Loch in der Mitte, das Anthony Davis alleine nicht stopfen kann, ohnehin sieht man den ersten Pick des vorletzten Drafts vornehmlich auf der Vier. Zusammen mit Asik würde Davis die Zone der Pelikane gründlich dicht machen, ihre Offensive läuft primär ohnehin über die schnellen Flügelspieler. Der große Haken an der Sache: Daryl Morey wird, wie bereits erwähnt, nur sehr ungern Asik an einen Divisionsrivalen abgeben. Auch die Pelicans scheinen derzeit eher abgeneigt, Anderson zu traden.


#4 Der Königs-Weg:



Die Celtics sind im Rebuild-Modus und starren, nicht mal mehr heimlich, schon mit gierigen Augen auf die Draftklasse 2014. In diesen Rebuild-Modus passt ein ehrgeiziger und manchmal auch charakterlich schwieriger Aufbauspieler wie Rajon Rondo nicht sonderlich gut hinein. Als ehemaliger Champion wird er kein Interesse haben, auf die Entwicklung des gedrafteten Rohdiamanten zu warten. Gerüchten zufolge spielen die Celtics nur auf Zeit, bis ihr Point Guard wieder gesund ist, um ihn dann ins Schaufenster zu stellen und für einen besseren Preis verschachern zu können. Hier kommen die Rockets ins Spiel: Jeremy Lin kennt als Harvard-Absolvent die Stadt Boston sehr gut, der Personenkult um ihn würde dafür sorgen, dass der TD Garden auch dann ausverkauft sein wird, wenn die Kelten nur um erhöhte Chancen bei der Draft Lottery spielen. Mit Asik im Aufgebot wäre außerdem für die Zone vorgesorgt, denn hier wird Kelly Olynyk nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Dazu bekommen die Celtics in Terrence Jones oder Donatas Motiejunas noch einen vielversprechenden Youngster dazu. Houston hingegen verbessert mit einem Schlag das offensive Spektrum um ein Vielfaches. Rondo könnte selbst an einem schlechten Tag Dwight Howard wesentlich besser in Szene setzen, als die gegenwärtigen Point Guards zusammen und dürfte nach einer kurzen Anpassungszeit auch mit Harden gut harmonieren. Außerdem nehmen die Rockets den überzogenen Vertrag von Courtney Lee auf, der in Boston nie wirklich angekommen ist. Als ehemaliger Rocket kennt Lee Stadt und Franchise sehr gut und würde helfen, die Probleme bei der Perimeter-Defense in den Griff zu kriegen. Sein Corner Three hat in Houston ordentlich funktioniert: in beiden Saisons in Rot traf er über 40% seiner Dreier, in Grün ist diese Quote hingegen zurückgegangen.