03 November 2013

Philipp S | 2. November, 2013   





Vor einigen Tagen kam die offizielle Meldung: Danny Granger fällt aufgrund einer Wadenzerrung mindestens drei Wochen aus. Zyniker sehen schon das Ende seiner Karriere, Realisten dagegen eher einen alternden Körper, den Granger in den letzten Wochen einfach etwas überfordert hat, arbeitete er doch den ganzen Sommer über hart an seinem Spiel und seiner Fitness. Ich hatte vor ein paar Wochen Granger in der Starting Five neben Paul George gesehen. Doch hatte ich auch erwartet, dass Granger gesund sein würde. Nach den ersten Tagen der neuen NBA-Saison macht sich natürlich etwas Ernüchterung breit, was das leidige Thema Danny Granger anbelangt. So schlimm ist seine neueste Verletzung im Endeffekt aber wohl gar nicht, weder für ihn noch für das Team. Ein paar Gründe:

1. Alles halb so schlimm
Erinnern wir uns kurz daran, warum Granger letztes Jahr aussetzte. Sein chirurgisch repariertes Knie streikte wiederholt und hielt ihn lange Zeit in der Reha. Wenn eine Sache im Sommer und in der Preseason klar geworden ist, dann, dass sein Knie heute gesund ist. Keine Scheu vor Körperkontakt und auch das Vertrauen in seinen Körper waren in der Preseason zu erkennen. Auch wenn er jetzt schon wieder im Pacers-Lazarett hausiert: mittelfristig gibt es keinen Grund dafür, dass er diese Saison nicht gesund spielen könnte. Denn von einer Muskelzerrung in der Wade erholt sich wohl so ziemlich jeder. Das Knie ist also endlich wieder in Ordnung. 

2. Grangers Comeback
Der Druck auf Granger war im Sommer enorm, nicht zuletzt weil er sich selbst so unter Druck setzte. Das eigene Comeback vor der Brust, eine unwahrscheinliche Zukunft bei seinen Pacers und auch der persönliche Wille, zurückschlagen zu wollen. Dass er das Ganze dann wohl ein bisschen zu intensiv angegangen ist, zeigt seine jetzige Verletzung. Nun, da die Season ohne ihn startet, gibt ihm das Zeit, sich langsam zurück ins Team zu spielen und seine Rolle zu finden. Insbesondere auch, wenn sein Team ohne ihn gut in den November startet. Einen regenerierten Granger langsam in ein funktionierendes Uhrwerk einzuarbeiten, hilft allen weiter - insbesondere mit Blick auf die Playoffs.  Mit weniger Druck auf der Seele - das Team braucht ihn ja nicht unbedingt - kann sich der ehemalige All-Star langsam und sicher wieder zurück arbeiten.

3 . Lance Stephenson
Stephenson rückte logischerweise wieder in die Starting Five. Er wird deutlich mehr Minuten sehen und mehr Posessions dirigieren dürfen, bekommt also mehrere Wochen, um vermehrt zu zeigen, woran er diesen Sommer gearbeitet hat. Das demonstrierte er bisher eindrucksvoll (19 Punkte und 6.7 Rebounds im Schnitt bei knapp 60% aus dem Feld). Ich sage nicht, dass der Youngster nun dauerhaft der Favorit auf den Starter-Spot wird und Grangers zukünftige Minuten erntet, doch hat er die Möglichkeit, seine Zukunft bei den Pacers zu rechtfertigen - insbesondere mit Blick auf die anstehende Vertragsverlängerung im nächsten Sommer.

4. Die Rotation
Ohne Granger sind konsequenterweise knapp 25 Minuten Spielzeit zu vergeben. Zeit, die die Youngster Orlando Johnson und Solomon Hill gerne annehmen. Insbesondere Johnson wird in den nächsten Wochen wohl so etwas wie den Sixth Man geben - eine Rolle, in der er bereits beim Season Opener gegen Orlando überzeugte (9 Punkte, 3/4 FG, selbst erarbeitete Würfe). Extra Spielzeit und Vertrauen sind immer Dinge, die Jungspunde lieben und der ein oder andere blüht unter solchen Bedingungen auf (man denke an Stephenson im letzten Jahr). Vielleicht sichert sich ja einer dieser beiden eine anständige Rolle in der zukünftigen Rotation von Frank Vogel.

Wie man sieht, ist die Nachricht von letzter Woche bezüglich Granger keineswegs eine Hiobsbotschaft. Die Lücke in der Rotation gibt den talentierten Spielern wichtige Minuten und Erfahrung, während die Verletzung selbst ein wenig Druck von Granger nimmt.

Was aber, wenn er Ende des Monats tatsächlich wieder auf's Parkett zurück kehrt? In den ersten Wochen wird sich wohl wiederholt zeigen, dass Granger für die Pacers überflüssiger Luxus ist. Bleibt Stephenson so effektiv, ist er in jeglicher Hinsicht nützlicher als Granger. Wie also kann der ab Ende November helfen? Egal, wer von beiden startet - in entscheidenden Minuten wird Stephensons Defense und Dribble-Penetration wichtiger denn je. Granger hingegen kann für regelmäßiges, verlässliches Scoring sorgen - egal, mit wem er auf dem Feld steht. Seine Fähigkeiten als Scorer könnten angesichts von George, West und Hibbert in der Crunchtime-Lineup natürlich überflüssig werden, weshalb er für die Rolle des Sixth Man eigentlich prädestiniert wäre. Wenn er das aus nachvollziehbaren Gründen aber nicht möchte: sollte sich Indiana also dieses Luxusguts entledigen?

Grangers auslaufender Vertrag bietet eine Chance. Etliche Teams möchten Platz für Free Agents schaffen und nächsten Sommer gut aufgestellt sein. Angebote für ihn wird man also sicherlich bekommen. Gleichzeitig können die Pacers das Geld aus Grangers Vertrag gut gebrauchen, um Lance Sephenson im Sommer mit neuem Deal auszustatten. Und eben dieser wird nicht billig werden. Aus Pacers-Sicht dürfte es also recht schwierig werden, einen passenden Deal zu finden, der den künftigen Handlungsspielraum nicht einschränkt. 

Letzen Endes ist die Nachricht von Grangers erneutem Ausfall keineswegs eine Hiobsbotschaft für Indiana. Die Lücke in der Rotation gibt den talentierten Spielern wichtige Minuten und Erfahrung, während die Verletzung selbst ein wenig Druck von Granger nimmt. Gleichzeitig bleibt ein gesunder Zweifel an Grangers alterndem Körper und seiner tatsächlichen Bedeutung für das zukünftige Pacers-Team aber sicherlich angebracht. Das Warten auf Danny Granger geht weiter.