28 November 2013

Sebastian Dumitru | 27. November, 2013    @nbachefkoch





Im ersten Trade seit offiziellem Anbeginn der neuen Saison einigten sich die Minnesota Timberwolves und Sacramento Kings auf einen klassischen Tauschhandel: Derrick Williams geht nach Kalifornien, während Luc Richard Mbah a Moute seine Wintermäntel wieder aus dem Schrank holen und damit in den hohen Norden umziehen muss - falls er Mäntel besitzt. Wahrscheinlich ja, noch aus der letzten Saison, es sei denn, er hat sie nach seiner Zeit in Milwaukee verkauft... aber ich schweife ab.

Der Trade an sich ist weder sonderlich schockierend, noch wird er die NBA in Aufruhr versetzen oder die Kräfteverhältnisse in der Western Conference verschieben. Williams hat sich in Minnesota nie durchgesetzt, seit ihn der legendäre ex-Wolves GM David Kahn vor zwei Jahren an Nummer zwei gedraftet hat. Und das, obwohl Minnesota damals mit Kevin Love, Michael Beasley, Anthony Randolph, Wesley Johnson und Martell Webster schon fünf andere Akteure auf SF/PF stehen hatte und hinter Williams Akteure wie Klay Thompson, Iman Shumpert, Kawhi Leonard, Tobias Harris, Jimmy Butler oder Chandler Parsons verfügbar gewesen wären. Ihr merkt vielleicht schon, dass ich nur die Small Forwards aufgezählt habe, aber auch hier schweife ich wieder ab. Zurück zum Wesentlichen.

Williams hatte von Beginn an zwei zentrale Probleme, die er in Minnesota niemals lösen konnte. Eins: er ist der klassische 'Tweener, also zwischen zwei Positionen gefangen, und deshalb nur schwer in der Lage, seine erfolgreiche College-Karriere in die NBA zu übertragen. In seiner Sophomore-Saison bei den Arizona Wildcats war er ein absolutes Biest, dominierte fast nach Belieben und entlockte mir vor dem 2011er Draft folgende Zeilen, an die sich zum Glück niemand erinnert:

"Als prototypischer 'Tweener fühlt sich Williams auf der Drei genauso wohl wie auf der Vier. Seine Iso-Skills sind für die NBA wie geschaffen. Er spielt furios und hoch motiviert, aber immer allürenlos und mit einem Schmunzeln auf den Lippeln. Für mich war, ist und bleibt Williams der talentierteste und kompletteste Spieler dieses Draft-Jahrgangs."

Was ich damals nicht wissen konnte, und das bringt mich zu Punkt zwei: dass Kahn seine eigene Unfähigkeit aus all den Vorjahren sogar noch überbieten und Williams tatsächlich draften und behalten würde. Und dass Rick Adelman als neuer Coach in die Twin Cities kommt. Als Rookie in einem überfüllten Kader Spielzeit zu erhalten, ist schon schwer genug - egal, wie weit oben man gedraftet wird. Clevelands Anthony Bennett macht bei den Cavs heuer Ähnliches durch, wird aber sicherlich nicht der letzte Lotteriepick bleiben, für den nicht immer gleich PT freigeschaufelt werden kann. Und Williams war, von allen Spieltypen dieser Welt, von Beginn an der wohl am wenigsten geeignete für Adelmans verschachteltes Offensivsystem. Unter anderen Bedingungen wäre er vielleicht aufgeblüht, unter Adelman aber musste der Rookie bei strömendem Regen draussen in der Hundehütte übernachten und durfte nie wieder ins Haus. Auch nicht vergangene Saison, als Kevin "Liegestütz" Love den Großteil der Saison verpasste und Adelman gar keine andere Wahl hatte, als Williams Einsatzminuten zu geben. Zwar legte der Sophomore mit 12 Punkten und 5.5 Rebounds im Schnitt neue Bestwerte auf, aber dass er über 24.6 MPG nicht hinaus kam und nur selten überzeugen konnte, verdeutliche nur, wie weit draussen Adelmans Hundehütte war.

In Sacramento hat er jetzt die Chance, bei einem jungen Team ohne Playoff-Ambitionen oder Minnesotas hohen "wir müssen endlich mal wieder die Postseason erreichen" Druck zu zeigen, dass er kein gänzlich unbrauchbarer Spieler ist, sondern seine Karriere nur in der falschen Situation begonnen hat. Der Weg zu mehr Einsatzzeit ist eigentlich frei - John Salmons' nicht-garantierter Vertrag in 2014/15 macht ihn zum idealen Tradechip, Travis Outlaw ist über Rollenspieler-Status nie hinaus gekommen ist, und die Jason Thompson/Patrick Patterson Saloontür auf der Vier schwingt pausenlos hin und her - was beweist, dass Neu-Coach Malone eigentlich mit keinem so richtig zufrieden ist. Um dauerhaft auf der Drei zu bestehen, muss Williams weiter an seinem Distanzwurf arbeiten. Den College-Dreier traf er sicher, für den NBA-Dreier fehlt ihm die nötige Range (Karriere 29.8%). Williams punktuell als Small-Ball Vierer neben Cousins einzusetzen macht Sinn - zumal er im Pick & Roll seine größten Stärken hat. Ihn dort aber starten zu lassen wäre des Guten zuviel. In Minnesota hat der 22-Jährige weder auf der Drei noch auf der Vier gezeigt, dass er adäquat verteidigen kann.

Insgesamt ist dieser Trade für die Kings dennoch eine gute Gelegenheit, einen ungewollten ehemaligen College-Star für relativ wenig Gegenwert zu verpflichten und dem dünnen Kader so eine kleine Talentinfusion zu geben. Zwar kostet Williams in der nächsten Saison 2014/15 knapp zwei Millionen mehr (6.3 Mio. $) als Mbah a Moute (4.4 Mio. $), aber da Sacramento in naher Zukunft ohnehin weder in finanzielle Not kommen wird noch in einen Contender-Kader investieren muss, ist Williams genau die Sorte risikoarmes Investment, die sich für die Kings vielleicht sogar auszahlt.

Währenddessen tauscht Minnesota einen ungewollten und niemals wirklich benötigten Perspektivspieler, dem man ohnehin nie Entwicklungszeit geben wollte, gegen einen Veteranen mit einem zwar beschränkten, aber klar umrissenen und höchst nützlichen Skillset ein, der einer Mannschaft im Playoff-Kampf bessere Dienste erweisen kann als einem Lotterie-Klub im Wiederaufbau. Mbah a Moute ist ein schrecklich schwacher Offensivspieler, sobald man ihn zwei Meter vom Korb wegbewegt, und als Scorer fast gänzlich unbrauchbar (nur 6.8 Punkte und 1 Assist im Karrieredurchschnitt). Defensiv aber zählt er zu den besten Flügelverteidigern der Liga. Seine Fähigkeiten gegen die LeBrons, Durants, Melos und Hardens dieser Welt sind nicht nur wohldokumentiert, sondern auch die Waffe, die jeder Coach in seinem Arsenal haben möchte, wenn es ans Eingemachte geht. Hätte Minnesota den Abzug gedrückt, wenn sich Chase Budinger nicht schwer am Knie verletzte hätte? Vermutlich nicht. Man sollte auch nicht erwarten, dass Mbah a Moute dem bisherigen Starter auf der Drei, Corey Brewer, allzu viel Spielzeit streitig machen wird - zumal Brewer der weitaus agilere und fähigere Offensivakteur und auch in der Verteidigung nützlich ist. Was den Wolves, bei denen das bisher gute Defensivrating ein bisschen in die Irre führt, nach wie vor fehlt, sind Shotblocker, Lockdown-Defender und ein geschlossenes, effektives Team-Verteidigungs-System. Mbah a Moute kann all diese Baustellen nicht alleine schliessen, aber er macht sein neues Team dort zumindest stärker. Egal, ob er auf der Drei startet oder nur für strategische Matchup-Zwecke eingesetzt wird.


nbachef meint: Vorteil beide