12 Dezember 2013

Dusan Veljkovic | 12. Dezember, 2013





Neustart
Die Offseason war ereignisreich in Sacramento. Zum zweiten Mal in Folge konnte man das Team in der Stadt halten und diesmal endgültig. Neuer Besitzer, neues Front Office und neuer Trainerstab gab's gleich noch dazu. Man konnte selbst eine Legende wie Shaquille O'Neal als Minority Owner gewinnen und er taufte bei der Pressekonferenz die Stadt mal kurz in "Shaqramento" um. Den Schwung nahm man in die Preaseason und schloss diese mit einem Record von 5-2 an der Spitze der Pacific Division ab. Sportlich nicht wichtig, klar. Für die Moral dagegen schon.

Zum Season Opener kamen die Denver Nuggets in die Arco Arena (ich weigere mich strikt das Ding Sleep Train Arena zu nennen). Die Halle war voll und der Lärmpegel erinnerte an die guten alten Tage Anfang des neuen Jahrtausends, als das Team zu den Topteams der NBA zählte. Die völlig euphorischen Kings-Fans brachen den Weltrekord für den höchsten Indoor Arena Lautstärkepegel, der jemals irgendwo gemessen wurde, gleich zwei Mal. Erst mit 119.5, dann in der Halbzeitpause gleich noch einmal mit unfassbaren 122.6 Dezibel (das ist in etwa so, als würde man in einer startenden Jet-Turbine telefonieren).

Nach kurzen Ansprachen von Vivek Ranadivé und DeMarcus Cousins ging es nach all den dunklen Jahren in eine neue Ära Kings-Basketball. Sacramento gewann seine Auftaktpartie gegen Denver dank Jason Thomspons Putback Dunk mit 90-88 - auch hier das Ende mehr als standesgemäß für einen Abend, der an Sentimentalität nur schwer zu überbieten ist. Cousins war der Matchwinner mit 30 Punkten, 14 Rebounds, 2 Steals und 2 Blocks. Unterstützung fand er in den beiden Point Guards Greivis Vasquez (17) und Isaiah Thomas (16).



Danach war die Luft schnell wieder raus. In den nächsten 16 Spielen konnte Sacramento nur noch drei mal den Court als Sieger verlassen: gegen die kriselnden Nets mit dem bisher höchsten Saisonerfolg, und gegen Bledsoe-lose Suns mit Back-to-Back Ws. Mit einer Bilanz von 6-14 steht man heute mal wieder am Ende der Western Conference, was einerseits der Qualität im Kader, andererseits sicherlich aber auch dem bisher fünftschwersten Schedule der NBA geschuldet ist. Drei Spiele wurden mit zwei oder weniger Punkten verloren, dazu eines erst nach Overtime. Alle drei allerdings gegen Spitzen-Mannschaften wie Los Angeles, Oklahoma City (dazu ohne Cousins) und Golden State.

Was in Sacramento auf den ersten Blick also vielleicht genauso traurig aussieht wie in den letzten Jahren, gibt durchaus Grund zur Hoffnung. Die Gründe für die zweischlechteste Bilanz im Westen sind vielfältig: der schwere Spielplan (17 der bisher 20 Spiele gegen West-Teams), neuer Coach mit neuem Spielsystem, eine junge, unerfahrene Mannschaft (nur drei Spieler über 30) und ein schwacher Kader, der sich - wie die letzten Wochen gezeigt haben - noch gewaltig verändern wird. Schauen wir mal auf das Positive und Negative des ersten Kings-Saisonviertels:

Positives

DeMarcus Cousins: Er lässt seinen Worten nach seiner Vertragsverlängerung Taten folgen. Er führt das Team bei den Minuten, Punkten, Rebounds, Steals und Blocks an. Im Schnitt legt er 22.5 Punkte, 10.5 Rebounds, 2.7 Assists, 1.6 Steals und 1.2 Blocks in nur 30 Minuten pro Abend auf, und das bei 49% aus dem Feld (für Cousins ein neues Career High). Er trägt das Team vorne wie hinten. Offensiv läuft fast jeder Angriff über ihn. Defensiv versucht er sich zumindest als Defensivanker und die Fehler seiner Vorderleute zu korrigieren - mit gemischtem Erfolg. Resultat sind 1.2 Blocks (ebenfalls neues Career High), aber auch 4.2 Fouls pro Spiel. Offensiv überdreht Cousins noch gerne etwas, aber der junge Big Man ist erst 23 Jahre alt und auf dem richtigen Weg. Keine Skandale und Scharmützel mehr, so ist zumindest der Plan. Das Vertrauen von Head Coach Mike Malone und das neue Umfeld scheinen positiv auf ihn abzufärben. Vielleicht wird DMC aber auch einfach nur erwachsener. Es ist an der Zeit.

Isaiah Thomas: Mike Malone nannte Cousins und Thomas vor der Saison spaßeshalber "Twins", nach der Zwillings-Komödie mit Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito. Der eine sei halt grösser und der andere kleiner, aber beide tickten genau gleich. Beide führen heute auch die Kings auf dem Court an. Thomas hatte dabei, zumindest bis vor Kurzem, eine neue Rolle in dieser Saison: die des Sixth Man. Thomas brachte fast an jedem Abend unglaubliche Energie von der Bank und war routinemäßig vor allem im 4. Viertel ganz stark. Bester Beweis war das Duell gegen die Thunder letzte Woche, als er OKCs komplettes Team im Schlussviertel outscortv (21-19), die Kings im Alleingang wieder in Spiel zurückbrachte und fast zum Sieg geführt hätte. Ohne die jüngsten Entwicklungen seit dem Wochenende wäre Thomas die "Sixth Man of the Year" Trophäe wohl schon heute überreicht werden können.

Die Offense: Obwohl die Kings hier noch lange nicht zu den Top-Teams der Liga gehören, zeigt sich ihr Angriff gewohnt verlässlich. Sacramento erzielt bisher 98.9 Punkte pro Spiel (Rang 17) und belegt bei der Effizienz Rang 15. Besonders ermutigend für das lange Zeit sehr egoistische Team: 21.3 Assists pro Abend (Rang 16).

Derrick Williams & Ben McLemore: Klar, auf den ersten Blick sehen die Zahlen des frisch gebackenem Western Conference Rookie des Monats November und des Neuzugangs aus Minnesota noch nicht überwältigend aus. Aber seit Williams' Ankunft ist da eine gewisse Chemie zwischen diesen beiden, die schon so manches Highlight Play hervorgebracht hat.

Williams wirkt endlich gelöst und hat wieder Spass am Basketball. Er scheint seine zweite Chance in der Association nutzen zu wollen. Seine Dreier und Defense muss er noch verbessern, aber die Zahlen seiner ersten sieben Spiele lassen sich durchaus sehen (12.9 Punkte 4.5 Rebounds und 1.1 Steals pro Partie bei 53% aus dem Feld).

McLemore wurde nach den ersten sechs Spielen der Saison in die Starting Five befördert und hatte zunächst sehr grosse Leistungsschwankungen, wie üblich bei Rookies. Auf einen langsamen Start folgte eine zweiwöchige heiße Phase, in der er, bis auf das Spiel gegen Golden State, konstant zweistellig scorte (15, 14, 4, 14, 20, 15). Das Spiel gegen die Lakers war sein bisher bestes im Kings-Trikot. Auch wenn die letzten beiden Partien gegen Dallas und Utah wieder schwächer waren (nur 2-15 aus dem Feld): McLemore scheint langsam angekommen zu sein in der NBA. Dank den beiden Überathleten haben Sacramentos Fans ihre Kings schon zum neuen Lob City getauft.





Negatives

Der Rest des Teams: So gut die vier oben genannten bisher waren, so sehr fiel der Rest des Teams ab. Vasquez spielte zwar nicht schlecht (knapp 10 Punkte und 5 Assists), blieb aber hinter den Erwartungen zurück und fand nie seine Rolle in diesem Team. Obwohl General Manager Pete D'Alessandro immer betont hatte, dass das Team mit Vasquez und Thomas auf der PG-Position plane, belehrte er uns in den letzten Tagen eines Besseren.

Die Shooter im Team wie Marcus Thornton, John Salmons und Jimmer Fredette waren, bis auf eins, zwei Spiele, Totalausfälle. Nicht von ungefähr standen/stehen alle drei auf dem Tradeblock, mindestens zwei werden wohl spätestens im Februar ein anderes Jersey tragen. Auch Veteran Travis Outlaw stach bisher nur in zwei Spielen hervor (15/12 gegen GSW und 18/6 gegen die Grizzlies), sonst war seine Leistung nicht der Rede wert. Auch er könnte bald für ein neues Team auflaufen.

Eines der größten Probleme dieser Kings war das gigantische Loch auf der Vier, also auf Power Forward. Carl Landry, der im Sommer von den Warriors kam, ist noch bis zum neuen Jahr mit einer Hüftverletzung ausser Gefecht. Chuck Hayes stand nur vier mal länger als 15 Minuten auf dem Platz. Jason Thompson und Patrick Patterson teilten sich die Minuten neben Cousins im Frontcourt, überzeugen konnten aber beide nicht. Beide scorten und reboundeten identisch gut/schlecht (knapp 7 Punkte und 6 Rebounds im Schnitt). Thompson sollte eigentlich ein potenzieller Double-Double Spieler sein, Patterson eigentlich als Stretch Vierer das Feld breit machen. Keiner brachte das, was er eigentlich soll.

Second Round Pick Ray McCallum durfte im November kaum NBA Luft schnuppern und holte sich in der D-League bei den Reno Bighorns Spielpraxis. Seine Rolle dürfte sich nach dem großen Trade am Wochenende drastisch ändern: Malone will ihn als Backup Point Guard einsetzen.

Die Defense: Sacramento verteidigt immer noch ganz schwach und gilt sowohl bei den kassierten Punkten als auch bei der defensiven Effizienz als eines der fünf schwächsten Verteidigungsteams der Liga. Es gibt nach dem Wechsel von Luc Richard Mbah a Moute keine guten Verteidiger mehr im Team. Insgesamt scheint das gesamte Konzept Team-Defense für diese junge Mannschaft noch zu schwer zu erfassen zu sein.

Fazit

Nach einem Viertel der Saison kann man sagen, dass die Kings durchaus auf dem richtigen Weg sind. Der junge Kern ist talentiert und hat durch Williams und den spektakulären Trade mit Toronto für Rudy Gay noch einmal zwei enorme Upgrades erfahren. Viele Spiele bisher waren eng, man verliert wegen der eigenen Unerfahrenheit oft erst in der Crunchtime - was für junge Team typisch ist. Wenn man aber verliert, dann sollten wenigstens die Fans etwas zu sehen bekommen und zumindest etwas Begeisterung verspüren. Das ist mit diesem Team definitiv der Fall.

Das Front Office und der Coaching Staff haben noch viel Arbeit vor sich, um hier einen echten Winner heran zu züchten, aber man erkennt zum ersten Mal seit Jahren einen klaren Plan und eine Richtung, in die man gehen will. Ranadivé, D'Alessandro und Malone haben gezeigt, dass sie die Zukunft um Cousins, Thomas und McLemore aufbauen wollen. Jeder andere Spieler im Kader kann und wird getradet werden. Der jetzt einfach werdende Spielplan, inklusive Trips in die Eastern Conference, und ein neuer, besserer Kader, werden schon bald auch ein paar Siege einbringen.