18 Dezember 2013

Andreas Dieterle | 17. Dezember, 2013    @NuggetRabbit






Nach gut einem Viertel der diesjährigen Saison rangieren die Washington Wizards mit einer Bilanz von 10 Siegen und 13 Niederlagen (.435) auf dem sechsten Platz in der Eastern Conference. Der Start in die Saison verlief alles andere als optimal. Durch den Trade, der Marcin Gortat für Emaka Okafor in die Hauptstadt brachte, musste sich das Team erst neu finden. Ehe es sich versah, stand die Ausbeute schon bei mageren 2-7 Siegen - so gar nicht der Beginn, den man sich in Washington vorgestellt hatte. Das Team fing sich aber in der Folge, und einige leichtere Gegner begünstigten einen 7-2 Zwischenspurt, der Ende November für eine ausgeglichene Bilanz sorgte (9-9). Aktuell befand man sich aber wieder in einer vier Spiele andauernden Niederlagenserie, die gestern mit dem knappen (und glücklichen) 102-101 Sieg gegen die New York Knicks endete.

Die Wizards blieben nicht von Verletzungen verschont. Bradley Beal (9 von 23 Spielen verpasst), Nene (7), Trevor Ariza (5), Otto Porter (19) und Al Harrington (16) fehlten oder fehlen den Wizards über einen längeren Zeitraum. Beal, der schon Ende der letzten Saison Probleme mit dem Wadenbein hatte, kehrte gestern Nacht gegen die Knicks zurück in die Starting Five und zeigte mit 21 Punkten bei einer guten Quote (9-16 FG), wie wichtig er für dieses Team ist. Nur, wenn er gesund bleibt und aus dem Backcourt für konstantes Scoring sorgt, werden die Saisonziele erreicht. Nene wird nicht jünger und hatte in den letzten Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Da diese mittlerweile chronisch sind, wird man sich in Zukunft wohl kaum jemals richtig auf den Brasilianer verlassen können. Schade, denn wenn er spielt, bringt er Qualität auf einer sonst schwachen Position. Trevor Booker steht für Nene derzeit als Starting Power Forward auf dem Parkett - mit schwankenden Ergebnissen. Auch wenn es diese Woche eine weitere gute Nachricht mit dem Saisondebüt von Rookie Otto Porter, der sich in der Vorbereitung verletzt hatte, gab: Von Porter sollte man noch nicht allzu viel erwarten. Seine Leistungen bisher haben gezeigt, dass er noch sehr ungeschliffen ist und viel Zeit vergehen könnte, ehe er diesem Team wichtige Impulse geben kann.

Die Anfangseuphorie bei den Fans, die vor der Saison ein Verpassen der Playoffs für ein Ding der Unmöglichkeit hielten, hat sich nach mehr als sechs Wochen etwas gelegt. Hier und da ist sogar Frust zu verspüren. Nach der deutlichen Heimniederlage gegen die Los Angeles Clippers am vergangenen Samstag beklagte sich Neuzugang Gortat öffentlich, dass er "nicht richtig" und "viel zu wenig eingesetzt" werde. Bisher konnten die Wizards noch kein einziges Team besiegen, das eine positive Bilanz aufweist (selbstverständlich lädt der Osten auch nicht gerade dazu ein). 

Zwar haben die Wizards die meisten Overtime-Spiele bisher absolviert, aber vier von fünf gingen verloren. Das spricht nicht gerade für ein abgeklärtes Spiel oder allzu großes Selbstvertrauen. Die Spieler von Randy Wittman hängen sich rein, aber es fehlte bisher einfach an Qualität. Von der Bank kommt wenig bis gar keine Unterstützung. Die Wizards haben eine der schlechtesten Ersatzformationen der Liga. Spieler wie Jan Vesely (2.9 PPG, 4.2 RPG) oder Eric Maynor (2.6 PPG, 1.9 APG) bringen fast gar nichts, obwohl sie zweistellig Minuten pro Spiel bekommen.

John Wall versucht zwar alles, um dieses Team zusammen mit Ariza und Gortat in der Offensive zu tragen. Im Angriff fehlte bisher aber oft das Scoring, welches Beal und Nene eigentlich generieren sollten. Washington belegt nur Rang 22 bei der offensiven Effizienz. Positiv fällt vor allem Trevor Ariza auf. Er liefert Career Highs bei den Punkten (15.5) und Rebounds (6.0) ab und besticht durch sehr gute Quoten (45.8 FG% und 41% Dreier). Gortat ist, trotz seiner Unzufriedenheit, die erhoffte offensive Hilfe am Brett und steht gleichzeitig solide seinen Mann am defensiven Ende des Courts (9.0 Rebounds pro Spiel – Team-High). Sein Pick & Roll mit Wall wird auch immer besser und gibt dem Team vorne eine der wenigen verlässlichen Scoring-Optionen.

Apropos Wall: Der Wizards Point Guard spielt bisher eine All-Star Saison (19.5 Punkte, 9.3 Assists und 2.1 Steals) und ist der Fixpunkt dieses Teams. Seine Quote von jenseits der Dreierlinie hat sich im Vergleich zum Vorjahr stark verbessert und hat den Youngster sicherer gemacht: Über 20% seiner Abschlüsse in dieser Saison sind Dreier; in der letzten Saison waren es nur knapp über fünf Prozent. Bei den Steals und Assists liegt er ligaweit auf dem dritten bzw. zweiten Platz. Besonders seine Fähigkeit, eine ein-Mann-Fastbreak-Maschine zu sein, sticht heraus. Wall findet trotz hoher Geschwindigkeit und gegnerischem Kontakt immer den Weg zum Korb, nimmt dort bisher die meisten Würfe und schließt hochprozentig ab (knapp 60%FG in Ringnähe - das ist sehr gut).

Die Wizards versuchen in der Offensive allgemein das Spiel schnell zu machen. Das Team liegt ligaweit auf dem fünften Platz, was die Punkte im Fastbreak anbelangt (16.9% aller Wizards-Abschlüsse kommen aus dem Fastbreak - ligaweit bedeutet das Platz 2 hinter den Phoenix Suns). Und: 40 Prozent aller Abschlüsse finden in den ersten zehn Sekunden der Shot Clock statt. 
Die Offensive hat zwar noch so ihre Probleme, spielt aber wenigstens uneigennützig: 62.4% aller bisherigen Abschlüsse ging ein Assist voraus (ligaweit Platz 5).

Wall sagte in einem Interview auf nba.com, das er sich zum ersten Mal in seiner Karriere richtig wohl fühle. Trotz der Niederlagen habe das Team einen sehr guten Zusammenhalt. Das ist, aus dem Mund des Franchise-Spielers kommend, viel wert. Di
e Wizards sind ein Team im Mittelfeld der Eastern Conference - das hatten nicht nur wir vor der Saison so prophezeit. Man fragt sich dennoch, wo der Weg letztendlich hinführen kann. Das Team wirkt noch sehr unkonstant, was angesichts der wöchentlich wechselnden Starting-Linups kaum verwundert. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Lazarett lichtet und dadurch auch die Bank der Wizards zumindest unteren Ligadurchschnitt erreichen kann.

Die Stimmung in der Umkleide des Teams scheint, trotz der letzten Aussagen von Gortat (der bekanntlich schon immer dazu neigte, jeder seiner Gefühlsregungen öffentlich Luft zu machen), zu stimmen. Geschuldet durch den beschämend schwachen Osten hat Washington weiterhin gute Chancen, nicht nur auf die Playoffs sondern sogar auf eine solide Platzierung. Der Hauptstadtklub darf sich nur nicht darauf verlassen, dass die Teams aus New York weiter verlieren, und muss eine gewisse Konstanz in seine oft zumindest soliden Leistungen bringen.