02 Dezember 2013

Dennis Köhler | 1. Dezember, 2013    @NBACHEF_Nuggets






Der Nuggets-Fan ging trotz regelrechter Choke-Vorhersagungen optimistisch in die Saison. Auch die NBA meinte es gut und setzte den Nuggets ein vermeintlich leichtes Anfangsprogramm vor die Brust. Mit Sacramento, Portland, Phoenix und Utah sollten vier Siege nach den ersten fünf Spielen auf der Habenseite stehen. Denkste! Das neue Offensivsystem fand, wie bereits in der Preseason, noch überhaupt nicht statt. Selbst als eingefleischter Fan stand man kurz davor, die Zap-Funktion des NBA League Passes auszunutzen - so schwer war es, diesem Team bei seiner Eingewöhnungszeit zuzuschauen! Der November gliederte sich in drei Abschnitte, die unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Anders als erwartet (1-4)
Nach fünf Spielen standen die Nuggets bei 1-4 statt der erwarteten 4-1. Teams wie Portland zerpflückten die Defense in alle Einzelteile und machten einen auf "Splash Brothers". Das altbekannte Problem, den Drei-Punkte-Wurf zu verteidigen, setzte sich auch unter der Regie von Brian Shaw fort. Wobei auch zu sagen ist, dass mit Wilson Chandler und Danilo Gallinari die besten Verteidiger auf den Flügeln verletzt ausfielen. Zu allem Überfluss reihte sich auch noch JaVale McGee in die Verletztenliste ein. Kurios: McGee spielte bereits seit Ende der vergangenen Saison mit dieser Verletzung weiter! 

Die Notlösung auf der Drei hieß Anthony Randolph, der einen katastrophalen Start erwischte. So kam es, dass der eigentlich schon für tot erklärte Jordan Hamilton eine Chance bekam und diese nutzte. George Karl wird nicht mehr ruhig schlafen können. Kenneth Faried rückte ebenfalls nach zwei Spielen wieder in die erste Fünf zurück, ehe der verdrängte J.J. Hickson später den verletzten McGee auf der Fünf ersetzte. 

Der Aufwärtstrend (4-4)
Die Wende kam gegen das bis dato sieglose Team aus dem nahegelegenen Utah. Die Nuggets spielten ansehnlichen Basketball und starke Defense. Mit Siegen gegen Utah, Minnesota und die Lakers war die magische .500-Grenze erreicht und der Aufwärtstrend bestätigt. Wilson Chandler kehrte nach sechs verpassten Spielen (plus die gesamte Preseason) endlich zurück und gab dem Team einen bemerkbaren Kick an beiden Enden des Courts.

Ja, ist es denn schon Weihnachten? (9-6)
Die Nuggets spielten sich in einen Rausch. Auch wenn man von den Rockets vollkommen verprügelt wurde, gingen Lawson und Co. in acht der letzten zehn Partien als Sieger vom Platz. Gegen die Thunder lag man lange Zeit verdient vorne, brach aber wie schon gegen die Spurs in den letzten Minuten des Spiels ein. Hier wurde die Erfahrung eines Parkers, Durants, aber auch die eines Popovichs oder Ex-Karl-Assistenten Scott Brooks bemerkbar. Aber man sieht: Die Nuggets können mit jedem Team mithalten. Zuletzt gab es fünf Siege in Folge gegen Dallas (2x), Chicago, Minnesota und Carmelo Anthonys Knickerbockers. Die Nervosität in vierten Viertel ließ deutlich nach und die Defense entwickelt sich langsam aber sicher zu ligaweitem Durchschnitt. Immerhin!

Grading the Nuggets
Jordan Hamilton (Note 2) 
J-Ham spielt eine starke Saison. Die Nominierung aus dem Nichts in die erste Fünf bekräftigte der Swingman mit 8,7 Punkten und 4,3 Rebounds pro Abend. Und das Wichtigste: Auch, wenn Chandler ihn aus der ersten Fünf verdrängt hat, bringt Jordan Firepower off the bench in konstanten Minuten! 

Ty Lawson (1+)
Der Speedy Gonzales der NBA ist endlich angekommen. Als lange Zeit einziger Spieler der Liga legte er 20+ Punkte, 8+ Assists und 4+ Rebounds auf und kann sich nun gerechterweise Hoffnungen auf die erste All-Star-Nominierung machen! In der Niederlage gegen Houston glänzte er mit einem Monster Double-Double (28 Punkte, 17 Assists). Seit der Rückkehr von Chandler hat sich das Ganze wieder etwas beruhigt, dennoch kratzt Ty jedes Spiel an der 20-Punkte-Marke. Die einzigen Point Guards, die mehr auflegen, heißen Curry und Westbrook!

Randy Foye (3+)
Foye macht genau das, wofür er geholt wurde: Er zieht das Spiel mit seinem tödlichen Wurf in die Breite und ermöglicht so viel Raum für Lawson, Nate & co. Aber es ist genau der tödliche Wurf, der noch nicht so konstant fallen will, wie man es vielleicht erwartet hatte: 40,6% aus dem Feld und - nach Startschwierigkeiten - 37,2% von der Dreierlinie. Auch der Freiwurf ist mit 73,1% für jemanden, der jede Saison mindestens 80% von der Linie getroffen hat, noch in der Offseason geblieben.

J. J. Hickson (2-)
Der Neuzugang aus Portland macht einen klasse Job in der Offense. Sein Wurf aus der Mitteldistanz fällt und aus den letzten fünf Spielen könnte man eine eigene Top-10 nur mit krachenden Hickson-Slams basteln. Trotz allem ist J.J. nach wie vor defensiv eher eine Schwächung als eine Stärkung. Fragt mal nach bei Cousins, Nowitzki oder Aldridge!

Nate Robinson (2-)
In Chicago wünscht man ihn sich nach Rose' erneuter Verletzung sehnlichst zurück. In Denver hingegen brauchte Robinson gut zehn Spiele Anlaufzeit, ehe er in den letzen fünf Spielen mit 13,8 Punkten und je 45% von Zwei- und Drei brillierte. Der kleine Mann kommt ins Rollen!

Anthony Randolph (4)
Als Preseason-Held gefeiert, sieht AR15 mittlerweile nur noch selten Spielzeit. Zurecht: Chandler ist wieder da, Hamilton spielt stark und eigentlich ist Randolph ja auch kein Small Forward. Schade! Erneut eine verspielte Chance für den 'Tweener.

Wilson Chandler (2-)
Definitiv noch nicht ganz der Alte. Im Spiel gegen Chicago blieb er völlig blass, erzielte keinen Punkt in 27 Minuten und versuchte sich lediglich zwei Mal aus dem Feld. Chandler soll die Scoringlast des noch bis mindestens Ende Dezember ausfallenden Gallinari übernehmen. Zuletzt vier Spiele in Folge zweistellig. Gute back-to-back Defense gegen Dirk. Es wird!

Andre Miller (2) 
No more Hero-Ball, no more Miller-to-McGee-Action. Der 37-jährige wird mit 19,1 Minuten langsam auf den Ruhestand vorbereitet und wird von Shaw nur noch in ausgewählten Phasen des Spiels eingesetzt. Miller macht einen klasse Job in limitierter Spielzeit und ergänzt somit das vielleicht stärkste Point-Guard-Tandem der Liga hervorragend. Desweiteren macht Miller auf zweiten Jason Kidd und entwickelt spät in seiner Karriere einen sicheren Drei-Punkte-Wurf: Sieben seiner neun Versuche landeten in der Reuse!

Timofey Mozgov (2-)
Dem russischen Hünen spielte die Verletzung McGees in die Karten. Mozzy überzeugte Fans und Trainer mit 23 Punkten (8-12  FG), 9 Rebounds und 4 Blocks gegen die Lakers. Auch, wenn die Monster-Games des Russen ausblieben, bewegt er sich auf konstantem Level. Als Postscorer eine sichere Alternative mit wunderschönen Finten und Würfen, tut er hinten sein Bestes, um die 3-4 Blocks pro Partie von McGee vergessen zu lassen.

Quincy Miller (-)
Lediglich zwei Minuten in den ersten 15 Spielen für den von Shaw so hoch gelobten Quincy Miller. Immerhin: 100% von der Dreierlinie!

JaVale McGee (5)
Schwierig, jemanden zu beurteilen, der seit vielen Monaten verletzt spielt. Dennoch: McGee hat die Chance bislang nicht genutzt. Schwache 43% aus dem Feld, sieben Pünktchen und vier Rebounds pro Partie sind zu wenig für den talentierten Shaqtin-a-Fool-Mieter. Die 15,8 Minuten im Schnitt sind fair vergeben - leider. Mal schauen, wie er nach seiner Rückkehr auftritt.

Kenneth Faried (1-)
Manimal is beastin' again! Faried hat im Sommer hart trainiert, der Hookshot fällt und der Mitteldistanzwurf ist im Kommen! Faried pokert um einen dickeren Vertrag und hat allen Grund dazu: 10,7 Punkte sowie 9,1 Rebounds für den Publikumsliebling der Nuggets-Anhänger!

Evan Fournier (3)
Der Franzose leidet auch unter Shaws unkonstanter Spielzeit. Spielt der Swingman, sorgt er mit gekonnten Spinmoves und Tony-Parker-like Lay-Ups für Furore. Sicher hätte Fournier mehr Minuten verdient, gerade in der Schwächephase von Foye. Aber, auch wie Quincy Miller, soll er langsam rangeführt werden.

Darrell Arthur (2-)
Arthur ist wohl die am meisten untergegangene und unterbewertete Verpflichtung des Sommers. Im Pick & Pop die beste Alternative dank seines sicheren Wurfes. In der Defense merkt man, dass Arthur von einem defensive-minded Team wie den Grizzlies kommt. Seine Pick & Roll sowie Man-to-Man-Defense ist bei weitem die stärkste aller Big Men in Denver. 

Ausblick auf den Dezember
Der Dezember beginnt für die Nuggets mit einem 6-Spiele-Auswärtstrip gegen Teams der (L)Eastern Conference. Abgesehen davon, ist der Monat Dezember auf dem Papier leichter als der November. Zum Jahresende warten die Heat, Clippers und Thunder und es kommt zum Duell Iguodala-gegen-Denver am 23. Dezember! Also, Marker rausholen und dick im Kalender anstreichen! Noch dazu im Pepsi Center. Iggy verdient definitiv ein lauteres Buhkonzert als es Melo (zwei Mal) erleben musste. Ohne Wenn und Aber.