13 Dezember 2013

Onur Alagöz | 13. Dezember, 2013    @LakersParadigm





Eines der berühmtesten musikalischen Themen der Filmgeschichte ist der Imperial March von John Williams. Als Hintergrundmelodie für Darth Vader verwendet, verrät uns Wikipedia Folgendes: „Außerhalb der Star-Wars-Filme wird das Thema teilweise mit totalitären oder diktatorischen Personen assoziiert“. 

Bisweilen war auch Kobe Bryant als diktatorisch verschrien. Nicht böse, aber egoistisch, eitel und zu sehr auf sich bedacht. Ein Lockerroom-Diktator. Doch davon war an diesem Abend nichts zu sehen, keine Züge des unerbittlichen Generals, des Anführers. Lediglich Menschlichkeit, als er die Lippen schürzte und sichtbar berührt war vom Moment.

Zurückspulen, vor acht Monaten, der 12. April 2013. Kobe Bryant auf dem Boden liegend. Kobe Bryant mit Tränen in den Augen. Kobe Bryant hoffnungslos. Kobe menschlich, verletzlich, noch schlimmer: gewöhnlich. Ein schier unbezwingbarer Berg an Arbeit, der vor ihm lag. Was viele vergessen ist, dass Kobe monatelang nicht an Basketball gearbeitet hat. Er hat geackert, um überhaupt wieder normal laufen zu können. Seine Karriere war am Abgrund, er selbst nannte das „die größte Enttäuschung meiner Karriere.“

Fans wussten nicht, was sie zu erwarten hatten. Acht lange Monate war Bryant in keinem Spiel aufgelaufen. Nach einer tollen Saison, einem Werbeclip mit Lionel Messi und der polarisierenden Vertragsverlängerung war Kobe am Sonntag endlich wieder deswegen im Fokus der Medien, wofür er lebt: Basketball. In der besten Liga der Welt.

Game 1: Anlaufschwierigkeiten
Kobe dribbelt Richtung Baseline nach einem Pick von Robert Sacre. Landry Fields klebt an ihm als er zum Wurf hochgeht. Drei Augenpaare sind auf ihn gerichtet als er überraschend die Murmel zurück zu seinem Center in die Zone passt. Jonas Valanciunas und Kyle Lowry können nur zusehen. Layup Sacre. Assist Kobe.

Die erste Aktion, eine Vorlage. Eine Vorlage, die verdeutlicht, was Kobe Bryant bekommt, egal, ob er will oder nicht: Aufmerksamkeit. Auch nach einer solch langen Auszeit wird er vom Gegenspieler respektiert, seine Spielintelligenz und seinen Spielwitz hat er nicht verloren. 9 Punkte stehen am Ende des Abends auf seinem Konto. Zwar greift er sich 8 Rebounds und verteilt 4 Assists, aber die Punkteausbeute ist ebenso schwach wie die verheerenden 8 Turnover, die Wurfquote von 2-9 oder die 94-106 Heimniederlage gegen die Raptors. Die Exzellenz, die Bryant von sich selbst erwartet, die wir alle gewohnt sind, war noch lange nicht da. Dementsprechend hart ging er mit sich selbst ins Gericht, gab sich Note 6 auf seine eigene Performance:

"My rhythm is completely out of sync in terms of being able to read passing lanes and judge the timing of players in between those lanes and so forth."

Die teilweise sehr schlampigen Pässe, die er spielte, waren jedoch kein Grund zur Massenhysterie. Er wird noch besser. Selbstredend wollte er sich beweisen, zeigen, dass er wieder da ist und versuchte so mitunter einfach zu viel. Pässe in viel zu kleine Raumfenster, ein paar falsche Entscheidungen nach Pick and Rolls und die mangelnde Aggressivität, die ihm abging, werden sicherlich nicht die Norm bleiben.

Was mehr Besorgnis meinerseits erregte, war das zögerliche Verhalten, das man bei Bryant eindeutig beobachten konnte. Kaum bis gar keine Explosivität. Auch, wenn er selbst behauptet, sein Körper gäbe ihm positive Resonanz, so wirkte er noch sehr schlapp, unfit und gab dann auch selber zu, er müsse ein paar Pfunde verlieren, um agiler zu werden.

Positive Aspekte waren nebst seines Auftretens überhaupt, dass er seine Übersicht trotz mehrerer Fehlpässe zur Schau stellen konnte. Klar, viele Pässe kamen nicht an, aber das lag am bereits beschriebenen, fehlenden Rhythmus und der Unfähigkeit, nach so langer Zeit instinktiv zu wissen, was ein gutes Play und was nicht ist. In ein paar Wochen wissen wir mehr. Der alte Kobe wird mehr und mehr zurückkommen. Vielleicht sollte man keine 30 Punkte pro Spiel erwarten, aber entgegen vieler Kritiker ist dieses Team mit Kobe unbestreitbar um mehrere Level besser als ohne ihn. 

Nun wird Mike D’Antoni die schwierige Aufgabe haben, seine Lineups zu sortieren, herauszufinden, wer am besten zu wem passt und wie die Spieler am effizientesten koexistieren können. Wesley Johnson und Xavier Henry lieferten solide Leistungen in den letzten Wochen, Steve Blake sorgte wenigstens für Gefahr von außen und gutes Playmaking (Blake fällt nun 6 bis 8 Wochen aus, die Point Guard Position bei den Lakers ist völlig dezimiert). Die Spielzeit, die sich Henry, Johnson, Jodie Meeks und Nick Young auf dem Flügel teilten, wird durch Kobes Rückkehr dramatisch beschnitten. Das wird – ja, Achtung – zunächst einmal für schlechteren Basketball sorgen. Die Lakers spielten in den vergangenen Wochen enorm teamdienlich und übertrafen auch deswegen die eher mauen Erwartungen. Die Bilanz konnte sich mit 10-9 Siegen vor Kobes Comeback mehr als sehen lassen. 

Game 2: That's more like it
Anderer Kobe, gleiches Resultat: Zwar konnte Bryant die 114-108 Schlappe gegen die Phoenix Suns nicht verhindern, sah aber individuell schon um einiges besser aus. 20 Punkte bei effizienten 6 von 11 aus dem Feld, dazu 3 Assists und "nur" 3 Ballverluste. Kobe zeigte ein paar schöne, knackige Cuts und den ein oder anderen Hockey-Assist. Seine Beurteilung der jeweiligen Situationen schien ein bisschen schneller und besser zu werden. Alles in allem war das für das zweite Spiel nach solch einer schweren Verletzung schon mehr als akzeptabel.

Was aber auffiel, war, dass Eric Bledsoe und Goran Dragic mit ihm und dem restlichen Team tun konnten, was sie wollten. Nach Picks generierten die Suns oft Mismatches, die Lakers konnten beide Suns-Guards nicht vor sich halten. Auch Kobe sah defensiv oft lahm aus und musste nach zwei Fouls im ersten Viertel schneller als geplant auf die Bank. Warum die Lakers Probleme gegen flinke Backcourtspieler haben würden, hatte ich bereits in meiner Preview angesprochen. Mit Bryant zurück im Kader ist jetzt allerdings noch ein weiterer Akteur im Spiel, der defensiv längst nicht mehr der Stopper alter Tage ist.

Offensiv hatte Kobe ein wenig Erfolg im Postup, verzeichnete früh einen Dunk und tat hier und da ein bisschen was, um sich langsam wieder an das Spieltempo zu gewöhnen und sich zu akklimatisieren. Derweil haben die Lakers zwei in Folge verloren, was – no offense, #MambaLove – sicherlich auch erheblich an Mambas Rückkehr liegt und den Schwierigkeiten, einen solch dominanten Spielertyp reintegrieren zu müssen.

Das Spiel läuft anders, wenn er dabei ist. Ein versatiler Offensivspieler wie er kann sich nicht einfach in ein etabliertes System einfügen, selbst wenn er möchte. Seine Art, Basketball zu spielen, ist in seiner DNA verankert. Kobe war Zeit seiner Karriere immer Dreh- und Angelpunkt in der Offensive. Das wird auch in Zukunft wieder so sein. Aber es wird noch dauern, bis es wieder soweit ist. Gebt ihm ein paar Wochen Zeit. Vielleicht wird er nicht mehr der Alte, aber bereits das zweite Spiel hat gezeigt, wozu er immer noch in der Lage ist.

Willkommen zurück, Mr. Bryant. NBA-Saison Nummer 18 hat eben erst angefangen!